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Daniela Ohms

Harpyienblut

  • Autor:Daniela Ohms
  • Titel: Harpyienblut
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Schwarzkopf & Schwarzkopf
  • Datum:01 März 2012
  • Preis:16,95 EUR

 
»Harpyienblut« von Daniela Ohms


Besprochen von:
 
Mystera
Deine Wertung:
(5)

 
 
Ein Mädchen wird von einer Frau, die gerade ihr Kind gefunden hat, aus einem Ei schlüpfend im Wald gefunden. Das junge Wesen trägt Flügel auf seinem Rücken. Die Frau nennt sie Lucie und bringt ihr bei vor den anderen Menschen ihre Flügel zu verstecken. Doch Lucie wird früh von ihrer Ziehmutter getrennt und muss nun, bei ihrer Tante in Berin lebend, vor jedermann ihr Geheimnis wahren. Denn was würden die Menschen von einer geflügelten Gestalt halten, deren Körper für ihr Alter viel zu leicht ist und welche dem Drang zu fliegen nicht wiederstehen kann? Doch kaum kommt sie ins Teenageralter, verkompliziert sich für Lucie die Situation. Immernoch fragt sie sich, was für ein Wesen sie überhaupt ist. Auf ein Mal beginnt ein innerer Sog in ihr, der sie immer wieder dazu zwingt, dem Tod von Kindern bei zu wohnen und ihre Seelen zu ihrem neuen Bestimmungsort zu bringen. Die einzigen Personen, denen sie vertrauen kann, sind Emilia, ihre einzige Freundin, der sie sich anvertraut hat und Sergej, der Co-Assistent ihrer Volleyballmannschaft, der mehr zu wissen scheint, als Lucie ahnt. Zudem taucht ständig ein junger Mann mit Schmetterlingsflügeln auf, der Lucie beobachtet. Wird Lucie ein Mensch bleiben können oder wird sie sich am Ende vollständig in ein anderes Wesen verwandeln?

Für mich ist "Harpyienblut" ein vollständig gelungener Urban-Fantasyroman. Erst der Ansatz, dass eine Menschenfrau eine mit einer Seele versehene, frisch geschlüpfte Harpyie aufnimmt und deren wahres Wesen verbirgt, fand ich sehr schön.

Besonders Detailreich hat Daniela Ohms die vielen Besonderheiten der Harpyien herausgestellt. Unter anderem muss Lucie sich immer die Haare färben, damit nicht auffällt, dass sich im Laufe des Monats ihre Haare von Blond über Rot zu Schwarz verfärben. Ihre Flügel kann sie in zwei narbenartige Vertiefungen in ihrem Rücken zurückziehen, so das sie nicht auffallen. Die Flügel scheinen zudem auch sowas wie ein Eigenleben in manchen Situationen zu haben und können sie, wenn sie aus ihren Verstecken schauen, vor Kälte schützen. Auch Lucies innerer Kampf gegen ihre Bestimmung, die Seelen abzuholen - ihr Wiedersetzen gegen das anscheinend Vorherbestimmte und die Folgen, die daraus für sie entstehen - sollen den Leser ein Einfühlungsvermögen in die Person ermöglichen und zum Nachdenken über den Tod und den Umgang damit bringen. Gibt es die Vorsehung oder kann man sie ändern? Mir persönlich würde eine solche Welt, die Frau Ohms uns aufgezeigt, durchaus gefallen, wenn die ausführenden Wesen nicht so sehr darunter leiden müssten. Auch die Liebe kommt in diesem Buch nicht zu knapp. Wie bei den Vögeln, so ist auch für Lucie eine Person als Lebenspartner vorgesehen. Wie sie diesen findet, möchte ich hier nicht schon verraten.

Wie der Schmetterlingsjunge, Sergej und Emilia letztlich Lucie helfen und ihr Leben unterstützen bis hin zu in eine geregelten Bahn bringen, wird einfach in immer wieder spannenden Handlungen erzählt. Lucie muss mit dem Schmetterlingsjungen zusammen um ihr Leben fürchten, da eine Harpyie, die sich dem Ruf wiedersetzt, ihre Mörder auf ihre Spur bringt. Daniela Ohms erfüllt den Anspruch an die herrschende Mythologie mit ihren Harpyien. Zudem hat sie mehrere Harypienarten eingeführt, deren Ursprung sich auf unterschiedliche mythologische Charaktere zurückführen lässt. So gibt es Hungerharpyien (Insektengleiche Wesen), Todesharypien (Harypien mit einem sehr stark ausgeprägten Schnabel und einem Schlangenunterkörper) und die Harpyienart, die Lucie verkörpert. Wie diese Arten entstehen und sich vermehren, fand ich von der Ideengebung her, faszinierend.

Daniela Ohms schafft für uns eine Welt, neben unserer Welt, die wir sonst nie wahrnehmen und öffnet uns ein Fenster, durch das wir diese schauen können. Enden möchte ich mit einem Zitat der Autorin.
"Ich lege großen Wert auf die Pychologie und die Entwicklung meiner Figuren. Ich nutze die Fantasy gewissermaßen dazu, Menschen in extreme Situationen zu versetzen und damit ein Bild von ihrern Grundängsten und Abgründen zu zeichnen. Dadurch erhält das Abenteuer Tiefgang und Glaubwürdigkeit. Mir war es wichtig, den Tod nicht romantisch zu verklären, sondern die Emotionen, die das Sterben mit sich bringt, realistisch darzustellen. Entsprechend beinhaltet mein Roman sowohl tröstende, als auch sehr schockierende Momente. Darauf sollten die Leser gefasst sein." Diese Aussagen hat Frau Ohm in Harpyienblut hervorragend erfüllt.

Ich kann Harpyienblut mit vollster Überzeugung jedem Fantasyleser nur wärmstens Empfehlen. Er wird in eine zweite Realität neben der uns bekannten entführt werden, in der dem Tod ein Teil seines Schreckens genommen, dennoch nie verharmlost wird.
 
 
 


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