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Brent Weeks

Night Angel 1
Der Weg in die Schatten

  • Autor:Brent Weeks
  • Titel: Der Weg in die Schatten
  • Serie:Night Angel 1
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Blanvalet
  • Datum:15 Dezember 2009
  • Preis:15,00 EUR

 
»Der Weg in die Schatten« (Night Angel 1) von Brent Weeks


Besprochen von:
 
Adrian Maleska
Deine Wertung:
(5)

 
 
Der kleine Azoth, der im Schmutz des Armen- und Verbrecherviertels, genannt „Labyrinth“ lebt, kämpft tagtäglich um sein Überleben. Die Kinderbande, zu der er gehört, bietet ihm nur wenig Schutz und deren brutaler Anführer Ratte nimmt ihn das Wenige weg, das er an Essen und Münzen besorgen und ergaunern kann und belohnt ihn mit Schlägen. Irgendwann, schwört er sich, wird er ein Blutjunge, ein legendärer Assassine wie Durzo Blint, dann wird er nie wieder Angst haben müssen. Als sich Azoth Ratte in den Weg stellt, sind Azoths Tage gezählt, denn er soll als abschreckendes Beispiel dienen, was jenen zustoßen wird, die sich Ratte in den Weg stellen. Gleichzeitig muss er um das Schicksal seiner Freunde Puppenmädchen und Jarl bangen, die ebenfalls Ratte fürchten müssen. Azoth ist gezwungen einen Plan zu ersinnen, wie er Ratte zuerst töten kann. Schafft er das, wird ihn Meister Durzo in die Lehre nehmen und er und seine Freunde werden überleben.

Ich gebe zu Brent Weeks falsch eingeschätzt zu haben. Das Buch erzählt eine Geschichte, die scheinbar schon tausend mal so erzählt wurde. Ein Bettlerjunge der von einem Schläger bedroht wird und der daher träumt, ein Assassine zu werden. Das ist ein alter Fantasyhut. Und der Meisteassassine Durzo Blunt ist wie aus einem Bilderbuch für melancholische und ach so unbesiegbarer Assassinen entnommen. Des Lebens überdrüssig und doch unbesiegbar, steht er dem Leben als solches eher neutral bis ablehnend gegenüber.

Die Ereignisse kommen in Weeks Buch sehr langsam in Gang. Diese Trägheit und das Aneinanderhäufen der Fantasyklischees haben mich eingelullt, bis ich der Meinung war, das müsste das Erstlingswerk eines Hobbyautors mit sehr beschränkter Fantasie und Fähigkeiten sein. Nach einer Weile hatte ich eine negative Grundhaltung eingenommen. Und spätestens als Azoths „Eignungsprüfung“ gar nicht erst beschrieben wurde, sonder komplett verschwiegen wird, wollte ich das Buch mit wüsten Verwünschungen in die Ecke werfen.

Doch irgendwie bin ich am Ball geblieben und dem ist gut so, denn das Buch ist geradezu brilliant und ein Gewinn für jeden Fantasyfan. Sobald die Ereignisse einmal in Gang kommen, feuert Weeks ein wahres Feuerwerk an Ideen und actionreichen Sequenzen ab, die von Spannung und Konflikten zwischen den Figuren geradezu knistern. Seit Steven Ericson "Das Spiel der Götter" habe ich keine solch wunderbaren Assassinenkämpfe erlebt. Das Buch hat mich alten Fantasyhasen, überrascht und erfrischt. Und das schaffen nur die Besten.

Obwohl mich Weeks letztendlich überzeugt hat, hat er mich gleichzeitig polarisiert. Der lasche Einstieg in das Buch hat mich beinahe vergrault und sowohl Azoths verschwiegene Eignungsprüfug als auch der vermieste Arenakampf waren Stellen an den viele Leser abspringen könnten. Das hätte nicht sein müssen. Ich frage mich, ob das von Weeks so geplant wurde, oder auf das Konto seiner Unerfahrenheit geht. Mir kommt es so vor, als würde der Buchanfang aus der Feder eines Anfängers stammen, während die letzten Dreiviertel ein erfahrenerer Autor geschrieben hat. Dazwischen findet eine geradezu unglaubliche Steigerung statt.

Ich kann das Buch jedem wärmstens ans Herz legen, mit dem Ratschlag, sich durch die ersten Seiten zu wühlen, um an das Gute dahinter zu kommen. Für mich ist Brent Weeks die Entdeckung des Jahres. 10 Punkte plus!
 
 
 


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