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Andreas Laudan

Das Geflecht

  • Autor:Andreas Laudan
  • Titel: Das Geflecht
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:rororo
  • Datum:02 Mai 2012
  • Preis:9,99 EUR

 
»Das Geflecht« von Andreas Laudan


Besprochen von:
 
D. Eisenhart
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Justin hat einen genialen Einfall: Um den Schulabschluss gebührend zu feiern, klaut er seinem Vater den Schlüssel zu einem stillgelegten Bergwerk und will mit seiner Freundin Dana, seinem Kumpel Finn und dessen Freundin Laura dort eine "Abenteuerparty" feiern. Seine Freunde finden den Einfall zuerst nicht ganz so genial, aber Justin kann sie doch noch überreden, und so suchen sie einen Raum in der untersten Ebene auf. Nach reichlich Alkohol, etwas Gras und einem kleinen Nickerchen machen sich Finn und Dana auf die Suche nach einem geeigneten, etwas abseits gelegenen Pinkelplatz. Finn ist dabei unachtsam und übersieht ein Loch im Boden. Er kann sich gerade noch an der Kante festklammern, Dana versucht vergeblich ihn wieder hochzuziehen, und beide stürzen ab. Justin und Laura verlassen den Stollen fluchtartig und informieren Justins Vater.
Der fällt aus allen Wolken - in diesem Loch, das eigentlich ein Müllschacht ist, ist sein dunkelstes Geheimnis verborgen, das niemals wieder ans Licht kommen darf. Er sieht nur einen Ausweg: Die blinde Höhlenforscherin Tia Traveen muss die Rettungsaktion übernehmen, denn sie kann als einzige nicht sehen, was in diesem Schacht entsorgt wurde.

Andreas Laudan versteht es, seine Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Sein Erzählstil ist rasant, mit kurzen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven geht es Schlag auf Schlag, so dass man beim Lesen gar nicht mehr merkt, wie die Zeit verfliegt. Fast schon nebenbei streut er auch noch interessante, wissenswerte Fakten über Höhlen, den Bergbau und andere Themengebiete ein. Besonders gut hat mir gefallen, dass er im Nachwort erwähnt, welche der Details, auf die er seine Handlung aufbaut, tatsächlich wissenschaftlich nachgewiesen sind.

Die Figur Tia Traveen ist dem Autor besonders gut gelungen. Zuerst dachte ich "Eine blinde Höhlenforscherin? Wie soll das denn gehen?", aber der Autor hat es geschafft, Tia absolut glaubwürdig darzustellen und sie nicht zu überzeichnen. Er erklärt sehr genau, welche Techniken es ihr ermöglichen sich in einer Höhle zurechtzufinden, und warum sie das sogar deutlich besser kann als die Sehenden. Ihr größter Pluspunkt ist wohl, dass sie sich nicht vor der Dunkelheit fürchtet.

Der rororo-Verlag weist "Das Geflecht" als Thriller aus, und der Titel ist in dieser Rubrik auch durchaus gut aufgehoben. Beim Lesen hatte ich jedoch den Eindruck, ein Buch für Jugendliche in den Händen zu halten - wohl vor allem deswegen, weil die Protagonisten durch die Bank sehr jung sind - selbst Tia ist noch in den Zwanzigern. Es gibt zwar ein paar Stellen, die ganz schön gruslig sind, aber dennoch würde ich das Buch bedenkenlos an meine fünfzehnjährige Nichte verschenken.
Deswegen hat es mich auch nicht gestört, dass mir schon relativ schnell klar wurde, was in diesem alten Abfallschacht verborgen ist. Es tat auch der Spannung keinen Abbruch, denn die wird hauptsächlich durch die spektakuläre Rettungsaktion aufgebaut, durch das Mitfiebern mit den Betroffenen und die Frage, ob und wie sie sich aus ihrem dunklen Gefängnis befreien können.

Insgesamt ist "Das Geflecht" ein spannendes, lesenswertes Buch, bei dem man sogar noch etwas lernen kann und das für jüngere wie ältere Leser geeignet ist.
Außerdem hat Andreas Laudan noch den Beweis geliefert, dass ein spannender Thriller auch ohne Serienkiller, exzessive Splatterszenen und einen eiskalten Ermittler auskommen kann.
 
 
 


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