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Ken Grimwood

Meisterwerke der Science Fiction
Replay - Das zweite Spiel

  • Autor:Ken Grimwood
  • Titel: Replay - Das zweite Spiel
  • Serie:Meisterwerke der Science Fiction
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:01 Januar 2005
  • Preis:EUR 8,95 EUR

 
»Replay - Das zweite Spiel« (Meisterwerke der Science Fiction) von Ken Grimwood


Besprochen von:
 
D. Eisenhart
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Jeff Winston, ein mäßig erfolgreicher Journalist Anfang vierzig, telefoniert mit seiner Frau, als er einen Herzinfarkt erleidet. In den wenigen Minuten, die ihm noch bleiben, denkt er über Lindas unvollendeten Satz "Wir brauchen..." nach. Was brauchen Sie? Milch? Die Scheidung? Ein offenes Gespräch über ihre Eheprobleme?
Gleichzeitig weiß er, dass dies das Ende ist und fragt sich, ob denn nicht eigentlich in seinen letzten Minuten sein Leben noch einmal an ihm vorbeiziehen sollte.
Doch dann wird er wieder wach - zu seiner völligen Verblüffung in seiner alten Studentenbude an der Emory. Es ist das Jahr 1963 und er steckt in seinem 18-jährigen Körper. Anscheinend hat er eine zweite Chance bekommen, er kann im "Replay" alles besser machen als im ersten Durchlauf.
Mit seinem Wissen über die Zukunft häuft er ein märchenhaftes Vermögen an, heiratet eine andere Frau, hat zum ersten Mal sogar ein Kind. Sein zweites Leben scheint perfekt, doch dann ist es soweit, er erlebt den 18. Oktober 1988 ein zweites Mal, befindet sich in einer völlig anderen Situation als beim ersten Mal - und stirbt trotzdem. Und kommt im Jahr 1963 wieder zu sich, ein weiteres Replay beginnt.

Was sich zuerst nach einer phantastischen Möglichkeit anhört - mit dem Wissen eines reifen Erwachsenen nochmal als junger Mensch alles anders, und vor allem besser, zu machen - entwickelt sich für Protagonist Jeff zu einem wahren Alptraum.
Was hilft es denn, unglaublich erfolgreich und vermögend zu sein, wenn man nach dem Tod doch wieder als mittelloser 18-jähriger Student aufwacht? Wofür Unmengen von Geld anhäufen, wenn davon doch nichts bleibt. Hat das viele Geld ihn überhaupt glücklich gemacht? Und was ist nun mit seiner Tochter, die er so abgöttisch liebt? Hat sie niemals existiert oder lebt sie doch in einem parallelen Zeitstrang weiter?

Das Buch stammt aus den 80er Jahren und wurde vom Heyne-Verlag im Rahmen der Sonderedition "Klassiker der Science-Fiction" vor einigen Jahren neu aufgelegt.
Es gibt ja viele Leser, die keine "alten" Bücher mögen, aus den unterschiedlichsten Gründen: Weil sie nicht mehr modern sind, weil die Themen heute nicht mehr wichtig sind, weil sie nicht so raffiniert geplottet sind wie moderne Bücher.
Replay - Das zweite Spiel widerspricht erfolgreich all diesen Klischees, denn es hat an Aktualität nichts eingebüßt. Umso älter man wird, umso öfter stellt man sich die "Was-wäre-wenn"-Frage. Was wäre, wenn ich mich in der Schule mehr angestrengt hätte? Wenn ich studiert, einen anderen Beruf hätte? Wenn ich damals dieses Job-Angebot angenommen hätte? Wenn, wenn, wenn...
Jeff hat nun die einzigartige Gelegenheit, alle diese Möglichkeiten durchzuspielen. Doch er zerbricht fast an der Erkenntnis, dass keine der endlosen wahrgenommen Chancen über seinen Tod hinaus Bestand hat.
Auch der Plot lässt keine Wünsche offen, obwohl Jeff immer wieder, trotz aller Änderungen, "sein" Leben lebt, kommt niemals Langeweile auf. Mit jedem Replay verändert Jeff sich, entwickelt sich, wird reifer. Ken Grimwood überrascht den Leser mit immer neuen Wendungen, die man so nicht vorhersehen konnte und es bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

Ich hätte diesen Titel eigentlich niemals der Science-Fiction zugeordnet, denn dazu fehlt mir zum einen die Technik (es ist ja keine Zeitmaschine oder ähnliches im Spiel) und zum anderen bleiben auch viel zu viele Fragen offen, die man als Leser mit eigenen Überlegungen füllen kann. Es wird beispielsweise nicht beantwortet, ob denn nun alle Zeitstränge, die Jeff durch seine Replays erschaffen hat, tatsächlich existieren. Hier kann man sich als Leser selbst entscheiden, ob man diese Möglichkeit für wahrscheinlich hält oder nicht.

Es spielt aber natürlich letztendlich überhaupt keine Rolle, in welcher Schublade dieses Buch zu Hause ist, denn es ist ein lesenswertes, intelligentes und fesselndes Buch, dessen Lektüre sich einfach lohnt.

Ich bin auf den Titel durch eine Rezension von Pelaphina aufmerksam geworden, und möchte mich hiermit kurz für ihre Warnung bedanken, die das Vorwort betrifft. Ich habe mich an ihren Rat gehalten und das Vorwort als Nachwort gelesen. Da der Autor des Vorworts anscheinend davon ausgeht, dass jeder das Buch schon einmal gelesen hat, geht er zum Teil sehr detailliert auf den Inhalt ein. Es würde sicher viel Lesevergnügen verloren gehen, wenn man all diese Einzelheiten schon aus dem Vorwort erfahren hat.

Am Ende des Buches bleibt bei mir jedenfalls die Verwunderung darüber, wie Ken Grimwood es geschafft hat, so viele Menschenleben auf so wenigen Seiten zu erzählen, und wie es ihm gelungen ist, trotz der vielen Wiederholungen einen derart facettenreichen und nachdenklich machenden Roman zu schreiben.
Dieses Buch ist definitiv ein Klassiker, denn es befasst sich mit einer absolut zeitlosen Fragestellung, die die Menschen vor 1000 Jahren schon genauso beschäftigt hat, wie sie sie in weiteren 3 Jahrhunderten noch beschäftigen wird: "Was wäre, wenn..."
 
 
 
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    2013-04-21
    Habe das Buch Mal vor ewigkeiten angelesen, bin aber sehr früh stecken geblieben. Das las sich alles doch recht trist und keineswegs so aufregend, wie das Thema zu versprechen schien...
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    2013-04-23
    Ehrlich? Also ich habe es regelrecht verschlungen :). Da ich hier auf der Seite schon eine Rezi gelesen hatte, wusste ich ja, was mich erwartet, vielleicht lag es ja daran. Ich fand die Idee jedenfalls sehr interessant und ich finde auch, dass der Autor das gut umgesetzt hat. Richtig spannend wird's aber wirklich erst ab dem *öhm*, ich glaube, ab dem dritten Replay.
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    2013-04-24
    Dann habe ich nicht tief genug gewühlt, werde mir das aber für eines Tages vornehmen. Das Thema spricht mich ja nach wie vor an.


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