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Liz Jensen

Die da kommen

  • Autor:Liz Jensen
  • Titel: Die da kommen
  • Serie:
  • Genre:Horror
  • Einband:Ebook
  • Verlag:Deutscher Taschenbuch Verlag
  • Datum:24 Mai 2013
  • Preis: EUR

 
»Die da kommen« von Liz Jensen


Besprochen von:
 
D. Eisenhart
Deine Wertung:
(3)

 
 
Ein siebenjähriges Mädchen attackiert ohne Vorwarnung seine Großmutter mit einer Druckluftpistole. Als der Vater dazukommt, greift sie ihn ebenfalls mit ihrer ungewöhnlichen Waffe an und blendet ihn. Das grausame Verbrechen dieses kleinen Mädchens schockiert ganz England.
Zur gleichen Zeit beschäftigt sich der Anthropologe Hesketh Lock, der als Ermittler in Fällen von Industriesabotage tätig ist, mit einem Fall in Taiwan. Ein Mitarbeiter hat seinen Arbeitgeber anonym bei der Polizei angezeigt, und Hesketh soll den Schuldigen finden.
Zuerst hat man den Eindruck, dass beide Ereignisse unabhängig voneinander zu betrachten sind, aber als sich sowohl die Fälle brutaler Attacken von Kindern als auch von völlig überraschenden Sabotage-Akten in unterschiedlichsten Wirtschaftzweigen häufen, erkennt Hesketh eine Verbindung zwischen den beiden Phänomenen.

Hesketh ist ein eher untypischer Protagonist, mich hat er sehr an Sheldon Cooper aus Big Bang Theory erinnert. Er hat das Asperger-Syndrom, was ihn zu einem hochbegabten Anthropologen macht, weil er menschliches Verhalten nahezu unvoreingenommen beobachten und bewerten kann. Andererseits hat er aber starke Defizite im zwischenmenschlichen Bereich, er kann in der Regel die Stimmung seines Gegenübers kaum einschätzen, hat Probleme mit Ironie und Sarkasmus. Und er liebt Züge. Im Gegensatz zu Sheldon mag er aber Sex und aufgrund seines guten Aussehens hat er beim anderen Geschlecht auch durchaus gute Chancen, obwohl er nicht gerade ein Charmeur ist.
Ein wichtiger Aspekt seines Charakters ist die Liebe zu seinem Stiefsohn Freddy. Freddy ist sechs Jahre alt und der Sohn von Heskeths Ex-Freundin. Nach der Trennung vermisst er den Kleinen mehr als Kaitlin und leidet darunter, ihn nicht mehr sehen zu können.
Zu Hesketh konnte ich sofort eine Verbindung herstellen, er ist zwar ziemlich kauzig, aber trotzdem sympathisch. Die anderen Figuren, auch die mit wichtigeren Rollen wie beispielweise Freddy, bleiben leider alle ein wenig blass und unscharf. Aufgrund von Heskeths Asperger-Syndrom könnte das natürlich auch eine Art Stilmittel sein - er ist schließlich der Ich-Erzähler ihn dieser Geschichte und auf ihn wirken andere Menschen nun einmal tatsächlich wie Statisten in seinem eigenen Leben. In dem Fall wäre das ja eigentlich ein beinah genialer Schachzug der Autorin. Ich habe mich aus dem Bauch heraus dafür entschieden, dass ich die letztere Variante für wahrscheinlicher halte.

Der Plot des Buches ist schon von Anfang an sehr raffiniert, man ist sofort mitten drin und ich war von der ersten Seite an von der Handlung gefesselt. Viele Dinge bleiben ausreichend lang im Dunkeln und werden immer nur angedeutet, wodurch die Spannung durchgehend aufrecht erhalten wird.
Die Motivation der Kinder und auch der Saboteure wird gut an den Mann gebracht, man könnte fast schon sagen, dass die Ereignisse einigermaßen schlüssig sind.
Das Ende ist dagegen meiner Meinung nach nicht sonderlich gut gelungen, da bleibt mir zu viel im Dunkeln, und man ist nach der letzten Seite einfach nur ratlos. Kurz gesagt, ich empfand es als sehr nebulös, wer auf eine klare Auflösung und eine Schlüsselszene hofft, die alles erklärt, wird leider enttäuscht.
Bei manchen Büchern kann ich mit solchen Enden leben, aber nur, wenn mir der Autor zumindest den ein oder anderen Ansatz liefert, um mir meine eigene wahrscheinlichste Auflösung zurechtzulegen. Das hat Liz Jensen versäumt, ich hatte beinahe das Gefühl, dass die Autorin tatsächlich selbst um eine wirklich gute Erklärung verlegen war.
Es ist bei diesem Buch nicht einfach, die Vorzüge sowie die Schwächen zu verdeutlichen, ohne zu sehr auf den Inhalt einzugehen, daher muss ich es leider hierbei belassen.

Auf dem Cover von "Die da kommen" wird das Buch als Thriller ausgewiesen, wer aber einen richtigen Thriller erwartet, der mit vollkommen erklärbaren Geschehnissen aufwartet und in einem großen Showdown endet, wird enttäuscht werden. Meiner Meinung nach bekommt man, wenn überhaupt, einen Mystery-Thriller oder möglicherweise auch einen Horror-Titel. Es geht um Übernatürliches und Surreales, also nichts, was den typisch logisch denkenden Thriller-Leser begeistern wird.

Es fällt mir nicht leicht, dieses Buch zu bewerten. Einerseits war es spannend und hat mich gefesselt, andererseits fand ich das Ende nicht gut gelungen - und das Ende ist für mich persönlich sehr wichtig. Um das zu verdeutlichen, kann ich eigentlich nur sagen: Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob das Buch jetzt mit dem Untergang der Menschheit endet, oder ob es sich vielleicht doch um ein Happy End handelt...?
Bei mir reicht es aus diesem Grund nur für 3 Sterne, wer auch mit einem schwammigen Ende leben kann, wenn er dafür einen Pageturner bekommt, kann zu meiner Wertung noch einen Stern dazurechnen.
 
 
 


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