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Sheffield, Charles

Feuerflut

Autor: Sheffield, Charles
Titel: Feuerflut
Serie: .
Genre: SF
Einband: Taschenbuch
Verlag: Heyne
Datum: 00 -
Preis: 16.90 DM


 



Besprochen von:
 
S.B. Tenz
Deine Wertung:

 
 
Im Jahre 2026 beobachtet die ganze Welt ein einzigartiges Schauspiel,
das sich am Himmel abspielt. Die Alpha-Centauri-Supernova. Von nun
an erstrahlt über der Erde eine zweite Sonne. Der Rivale. Die Wissenschaftler
stehen vor einem Rätsel.
Das führt zu den wildesten Spekulationen, die jedoch nicht einmal
annähernd das gesamte Ausmaß der bevorstehenden Katastrophe
erahnen lassen. Gewaltige Naturkatastrophen suchen die Erde heim. Millionen
von Menschen finden den Tod. Ganze Länder werden vernichtet und deren
Bevölkerung nahezu ausgelöscht. Aber damit nicht genug. Viel
schlimmer noch wiegt die Tatsache, dass die Strahlen der Nova sämtliche
Mikrochips der Erde zerstören. Flugzeuge fallen plötzlich vom
Himmel, alle medizinischen Geräte sind unbrauchbar geworden, Computer
besitzen lediglich noch Schrottwert, die gesamte Telekommunikation ist
zusammengebrochen und nicht einmal ein einfaches Ortsgespräch ist
mehr möglich. Städte und Autobahnen der ganzen Welt verwandeln
sich in riesige Kfz-Schrottplätze. Kurz, die gesamte technische Zivilisation
kommt innerhalb kürzester Zeit zum Stillstand. Chaos bricht aus und
alle kämpfen nur noch ums nackte Überleben. Plünderungen
und Mord gehören von nun an zum alltäglichen Geschehen. Der
Präsident der Vereinigten Staaten steht vor einem scheinbar unlösbaren
Problem. Zusätzlich bereiten ihm einige seiner politischen Gegner
Kopfschmerzen. Diese sind nämlich dabei, eine Verschwörung gegen
ihn und den Rest der Welt anzuzetteln. Ihr Ziel ist es, den Präsidenten
abzusetzen um anschliessend die Weltherrschaft an sich zu reissen.
Etwa zur gleichen Zeit befindet sich ein Raumschiff auf dem Weg zur
Erde. An Board sind Mitglieder einer Marsexpedition, die sich nach
einer sechs Jahre dauernden Mission, auf dem Heimweg befindet. Sie können
nicht ahnen, was auf der Erde vor sich geht. Jeglicher Funkverkehr ist
abgebrochen. Eines jedoch ist der Besatzung klar. Ohne die Hilfe der Bodenstation,
wird der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu einem Trip in die
Hölle.
Ganz nebenbei bereitet eine rassistische, antisemitische und paramilitärische
Sekte, einen religiösen Putschversuch gegen die Regierung vor.
Aus einer Strafanstalt wird ein achtzehnfacher Kindermörder befreit.
Die Nation steht vor dem völligen Zusammenbruch.
.....und der Präsident hat noch nicht einmal ein Handy.
Charles Sheffield wurde 1935 in Großbritannien geboren
und wanderte Mitte der sechziger Jahre in die USA aus. 1962 publizierte
er die ersten wissenschaftlichen und technischen Artikel, von denen er
inzwischen nahezu einhundert verfasst hat.
Sein erster Roman, "Sight of Proteus", wurde immer wieder neu
aufgelegt und bestand eigentlich aus drei aneinandergefügten Einzelgeschichten.
Diese Tatsache dürfte aber kaum jemandem aufgefallen sein.
Er gewann 1991 den japanischen "Sei un Award" für den besten
ins japanische übersetzten S F- Roman (The McAndrew Chronicles),
1992 den "John W. Campbell Memorial Award" für den besten
SF ­ Roman (Brothers to the Dragons), die Novelle "Georgia on
my Mind" gewann sowohl den "Nebula", als auch den "Hugo
Award".



Sheffield´s Geschichte ist von den Ansätzen und der Idee
her sehr gut. Die Umsetzung dagegen eher langweilig. Die Story wirkt
zu sehr konstruiert und ist nicht besonders glaubhaft in Szene gesetzt.
Der Autor hat aus einem spannenden Thema eine langatmige Geschichte, ohne
wirkliche Höhepunkte, gemacht.
Da gibt es einen impotenten Präsidenten der USA, dessen psychosomatischbedingtes
Potenzproblem durch seine Ex-Frau verursacht wurde, und der sich um sein
verkorktes Sexualleben mehr Gedanken macht, als über den drohenden
Untergang der Welt. Die (völlig überflüssige) Crew einer
Marsexpedition, die, ausgerechnet rechtzeitig zur Supernova, von ihrer
Mission zurückkehrt und in der Erdumlaufbahn umhergondelt, wirkt
fast so albern, wie die total durchgeknallte paramilitärische Sekte,
die unter der Führung einer völlig Verrückten, eine Rebellion
gegen die USA vorbereitet. Nicht zu vergessen, die drei an Krebs erkrankten
"Abenteurer", die nur ihr eigenes Seelenheil interessiert, und
die einen völlig unglaubwürdigen Plan ins Auge fassen, der jeder
Beschreibung spottet. Den Vogel aber, den schiesst der Autor mit der Darstellung
eines achtzehnfachen Kindermörders ab, der doch tatsächlich
dazu auserkoren ist, die Rolle eines ehrenhaften und intellektuellen Sympathieträgers
zu übernehmen. Das war mir dann doch echt zuviel.
Die Handlung wechselt ständig zwischen den zuvor beschriebenen
Personen. Dadurch wird es dem Leser so gut wie unmöglich gemacht,
eine echte "Beziehung" zu einer der Hauptpersonen aufzubauen.
Kurzum, man vermisst dieses besondere Gefühl des sich identifiezierens
mit einer dieser Figuren. So spielt es letztendlich für den Leser
keine grosse Rolle, was mit den einzelnen Personen geschieht.
Der Autor hat einfach über das Ziel hinausgeschossen, indem er die
Geschichte, durch überflüssige Geschehnisse, unnötig in
die Länge gezogen hat. Mit Ruhm bekleckert hat sich Charles Sheffield
mit diesem Roman jedenfalls nicht.
Fazit: Was für ein spannender Roman hätte aus dieser
genialen Idee entstehen können. Stattdessen ist nun eine gute Idee
verbraucht und zu einem lieblos dahingeschusterten Werk verkommen. Lediglich
der grossen Erwartungshaltung, dass doch noch etwas interessantes passiert
sowie den relativ guten Dialogen ist es zu verdanken, dass der Leser sich
durch diesen Dschungel der Langeweile bis zum Ende kämpft.
Fans von Charles Sheffield werden diesen Roman wahrscheinlich
als Ausrutscher des Autors durchgehen lassen und sicherlich, nach detaillierter
Suche, den einen oder anderen Pluspunkt zu Tage fördern.

Ich kann diesen Roman nur mit einer schmeichelhaften 5 bewerten.
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