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McCoy, May

Indiana Jones
Indiana Jones und das Geheimnis Von Thule


 
»Indiana Jones und das Geheimnis Von Thule« (Indiana Jones) von McCoy, May


Besprochen von:
 
Thomas Troegel
Deine Wertung:
(4)

 
 
"Indiana Jones und das Geheimnis von Thule" ist der dritte
Indiana Jones Roman von Max McCoy und ist zeitlich vor "Indiana
Jones und das Geheimnis der Sphinx" einzuordnen. Innerhalb der vier
bisherigen Indiana-Bücher von McCoy, die sich in einer Rahmenhandlung
mit einem Kristallschädel befassen, den er in Honduras befindet und
dessen Fluch tatsächlich zur Wirkung kommen soll, wurde mit dem ThuleBand
ein relativer Höhepunkt erreicht. Die Geschichte um den Kristallschädel
selbst findet bekanntlich im vierten Band ihren Abschluss.

Zu Beginn des Romans wird im Jahre 1934 Indiana von dem von den Nazis
verfolgten Evelyn Briggs Baldwin aufgesucht, der ihm kurz vor seinem Tod
ein seltsames Kästchen überreicht. Er berichtet ihm von bewohnbaren
Hohlräumen unter der Erde und jenem Vril, welches ein lebensspendendes
Element sein soll, auf welches das Deutsche Reich besonderen Wert zu legen
scheint. Möglicherweise ist diese Welt das legendäre Ultima Thule.
Noch bevor sich Indy richtig mit dem Kästchen, welches er von Baldwin
erhielt, beschäftigen kann, trifft er auf jene Naziorganisation, die
sich die Strahlende Loge des Vril nennt und bekommt schließlich ihre
ganze Rücksichtslosigkeit zu spüren. Sein Hauptgegner, der markanten
Namen Reingold trägt, geht soweit, Indy lebendig auf dem Friedhof vergraben
zu lassen. Und genau hier unterschätzt er den guten Archäologen.
Fast könnte man sagen, es sollte überall bekannt sein, dass der
mittlerweile sehr berühmte Universitätsprofessor sich immer aus
solchen Situationen befreien kann. Trotz allem ist Indianas Malheur fast
perfekt, da ihm kurz darauf das wertvolle und erstaunliche Tagebuch von
Baldwin gestohlen wird, bevor er dieses zu Ende lesen konnte.

Hier kommt es zum einem abrupten Handlungswechsel, denn jetzt ist Indiana
auf der Suche nach dem Gold der Apachen im Guadelupe Gebirge, welches er
mit Hilfe einer Karte, die er von Marcus Brody erhielt, finden soll. Tatsächlich
gelingt ihm das Kunststück, die sagenumwobene Schatzkammer zu finden,
doch gerät er dabei in eine lebensbedrohliche Situation, aus der ihn
die attraktive dänische Höhlenforscherin Ulla Tornaes rettet.
Nicht gerade originell ist der Fakt, dass danach das Apachengold wieder
in unerreichbare Ferne gerückt ist.

Mit Ulla reist er nach New Orleans, wo die drei geretteten Baren Gold dazu
nutzt, Informationen von seinem alten Gegenspieler Belloq über den
Verbleib des Kristallschädels zu erhalten, denn Indy will diesen unbedingt
an seinen Fundort zurückbringen, um den Fluch zu verhindern, der besagt,
das der Finder das tötet, das er am meisten liebt. Belloq erklärt
ihm, dass der Schädel in einer Kiste durch den Atlantik treibt. Doch
damit hat Indiana dieses Artefakt noch nicht in seinen Händen.
Zu diesem Zeitpunkt erhält Indiana den Auftrag, den Nazis in die Arktis
zu folgen, die mit einem Zeppelin versuchen, den Eingang zu Ultima Thule
zu finden, der ihn den Zugang zum Vril ermöglichen soll. Dabei haben
die Nazis um Reingold den Vorteil, dass sie das Tagebuch von Baldwin besitzen.
Und sie haben eine Person an Bord, an dem Indiana sehr hängt und für
die er wohl alles tun würde. In einem spannenden Wettlauf gelingt es
Indiana und seinen Gefährten, die Kiste mit dem Schädel knapp
vor den Nazis zu erobern, doch der Preis ist hoch. Auf einem Eisfeld werden
Indy, Ulla und ein junger und hilfreicher Begleiter durch einen Schollenabbruch
vom Rest der Mannschaft getrennt und drohen zu sterben. Dann begegnen sie
dem Kapitän Gunnar Erickson, der auf Eisbärenjagd war. Doch auf
seinem Schiff treiben alle gemeinsam einem ungewissen Schicksal in das Innere
der Erde entgegen, wobei sie von den Nazis weiter verfolgt werden.
In einem spannenden und recht fantastischen Showdown steht Indiana nicht
nur vor den Toren des legendären Thule, sondern auch seiner großen
Liebe gegenüber, doch es kommt zu nicht vorhersehbaren Ereignissen.
Und er trifft auf eine Forscherlegende, doch an allzu viel kann er sich
anschließend nicht mehr erinnern, wie auch schon der interessante
Prolog andeutete.

"Indiana Jones und das Geheimnis von Thule" ist ein handlungsgeladener
und unterhaltsamer Roman der Reihe um den beliebten Archäologen
und Abenteurer. Erstaunlicherweise verheißt der Klappentext, dass
Indiana und Ulla Tornaes sehr bald auf eine uralte Zivilisation am eisigen
Rand der Welt treffen. Da hat der Rezensent mit seinem Buch Pech gehabt.
In seinem Exemplar kommt es erst sehr spät zu einem Kontakt mit den
Fremden. Ob der deutsche Titel unbedingt glücklich gewählt ist,
sei dahingestellt. Sicher wäre die Originalvariante über die
hohle Erde treffender gewesen. Möglicherweise wollte man dies bei Blanvalet
nicht, da es schon einen IndianaRoman gab, der mit einem unterirdisch lebenden
Volk zu tun hatte. Und um Thule rankten sich schon immer sehr interessanten
Legenden und dies verlockt zum Lesen.
Die Beschreibung der Personen, insbesondere die der Naziorganisation um
Reingold, hätte ruhig ein wenig detaillierter ausfallen können.
Wie aber immer versteht es McCoy auf unterhaltende Weise einige interessante
wissenschaftliche Fakten unterzubringen (Druckausgleich, Polarforschung
u. ä.).
Der lobenswerte Appendix sollte keinesfalls überlesen werden. Wer hätte
schon gedacht, dass die Figur des E. B. Baldwin eine reale Person gewesen
ist. Bei den Verweisen auf andere literarische Werke, die sich mit den
Möglichkeiten der hohlen Erde befassen, vermisst der Rezensent den
Roman "Plutonien" von W. A. Obrutschew. Hier gelingt es dem russischen
Wissenschaftler und Schriftsteller auf für damalige Verhältnisse
grandiose Weise eine Expedition in eine prähistorische Welt zu beschreiben,
welche sich im Inneren der Erde befindet. Auch diese Forscher dringen über
die Arktis in das Erdinnere ein. In dem Roman "Das Sannikowland",
der heute zu den sehr gesuchten Büchern der phantastischen Literatur
zählt, berichtet der gleiche Autor überzeugend von Menschen und
prähistorischen Tieren, die in einem warmen und sehr fruchtbaren Teil
der arktischen Gebiete überlebten.
Der Thuleteil des Romans hätte ruhig etwas ausführlicher sein
können, doch möglicherweise wollte dies der Autor gar nicht. Und
so bleibt ein letzter Hauch von Mystik erhalten und wer mag nicht hin und
wieder ein wenig träumen.

Hoffen wir auf weitere spannende Roman um Indiana Jones, auch wenn es momentan
nicht so sehr danach aussieht.
Der Roman wird auch aus Sicht der Zielgruppe, für die dieses Buch
geschrieben wurde mit 8 bewertet.
 
 
 


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