•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Celia Friedman

Magister 1
Die Seelenjägerin

  • Autor:Celia Friedman
  • Titel: Die Seelenjägerin
  • Serie:Magister 1
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Piper
  • Datum:01 Dezember 2010
  • Preis:9,95 EUR

 
»Die Seelenjägerin« (Magister 1) von Celia Friedman


Besprochen von:
 
D. Eisenhart
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
In Kamalas Welt ist Magie nichts ungewöhnliches: es gibt Hexen und Hexer, die ihre magischen Fähigkeiten für die Heilung von Kranken oder für einen Blick in die Zukunft einsetzen. Aber sie bezahlen einen hohen Preis dafür: für jeden gewirkten Zauber verbrauchen sie einen Teil ihres Seelenfeuers, Athra genannt, und verkürzen ihr Leben. Aber es gibt auch die ausschließlich männlichen Magister, die in der Anwendung der Magie ausgebildet wurden. Sie sind so gut wie unsterblich, denn sie beziehen das für ihre Zauber benötigte Seelenfeuer von einem Menschen, einem Morati. Wenn das Athra dieses Morati aufgebraucht ist, fallen die Magister in die sogenannte Translatio, bis sie einen neuen Konjunkten gefunden haben, dem sie das Seelenfeuer aussaugen können.
Auch Kamala ist magisch begabt, aber sie will auf keinen Fall ihre Lebenszeit verschwenden und sie will erst recht nicht sterben. Also bringt sie den Magister Aethanus dazu, sie auszubilden. Er hat Bedenken, denn Frauen bringen es in der Regel nicht über sich, einem anderen Menschen Seelenfeuer zu entziehen und ihn dadurch langsam umzubringen. Kamala ist anders, sie hat keine Skrupel und meistert ihre erste Translatio ohne Schwierigkeiten.
Im Reich des Großkönigs Danton Aurelius erkrankt der dritte Sohn Andovan an der Schwundsucht - nur die Magister wissen, was das bedeutet und werden sich hüten, die Ursache der Krankheit einem Außenstehenden zu offenbaren: Andovan ist der Konjunkt eines Magisters.
Während ihre Welt von einer uralten Gefahr bedroht wird, brechen Andovan und Kamala zu einer Reise auf: Sie will ihre Fähigkeiten erproben und verbessern, er die Ursache seiner rätselhaften Krankheit ergründen.

Verlag und Autorin ordnen "Die Seelenjägerin" dem Sub-Genre Dark Fantasy zu, was meiner Meinung nach treffend ist. Die an das Mittelalter angelehnte Welt ist grausam-düster, das Leben eines Sterblichen hat keinen Wert. Es gibt schauerliche Szenen, die dem Leser unter die Haut gehen. Die Fähigkeit der Magister, ihren ahnungslosen Konjunkten die Lebensenergie zu entziehen, hat etwas vampirhaftes. Wie Parasiten saugen sie ihre Opfer aus - und dies dient in der Regel nicht einmal einem höheren Zweck, sondern oft so banalen Dingen, wie dem Reinigen ihrer Kleidung oder dem Entzünden eines Kaminfeuers.

Unter Celia Friedmans Charakteren sucht man (zum Glück!) vergeblich nach einem strahlenden Helden oder einem Sympathieträger. Alle Figuren, auch die beiden Protagonisten Kamala und Andovan, haben ihre Schwächen und Abgründe, und das macht sie erst plastisch und glaubwürdig, sozusagen menschlich. Die Einteilung der Bevölkerung in Morati, Hexer/Hexen und Magister ist ebenfalls geglückt, die ganze riesige Welt ist in sich logisch und nachvollziehbar aufgebaut. Es kommt auch zweifelsfrei beim Leser an, dass es unter den Morati zwar herausragende Personen wie beispielsweise Großkönig Danton Aurelius gibt, aber dennoch die eigentliche Macht immer von den Magistern ausgeübt wird, weil sie die Menschen lenken wie Marionettenspieler.

Etwas gestört habe ich mich an der schwarz-weißen Weltsicht der Autorin: In der Regel werden nur Männer zu Magistern, weil Frauen zu gutherzig sind, um anderen zu schaden? Das ist zwar eine nette Vorstellung, aber ganz und gar unglaubwürdig. So wie es genug Männer gäbe, die es nicht über's Herz brächten, einen Menschen "auszusaugen", gäbe es sicher eine Menge Frauen, die skrupellos genug wären, für ewiges Leben und obendrein ewige Jugend und Schönheit über einen ganzen Berg Leichen zu gehen. Wenn es für die weitere Handlung wichtig ist, dass Kamala eine Exotin unter ausschließlich männlichen Magistern ist, so hätte mir jede andere Erklärung wesentlich besser gefallen.
Schmerzlich vermisst habe ich außerdem eine Karte, auf der der Leser die Reisen von Andovan und Kamala nachvollziehen könnte. Die beiden reisen ständig durch die Gegend und leider hatte ich kein Gefühl dafür, welche Strecken zurückgelegt wurden, oder wie diese Welt überhaupt genau aussieht. Die Königreiche werden zwar grob den Himmelsrichtungen zugeordnet, so scheint beispielsweise Dantons Großkönigtum im Norden zu liegen und Sankara eher im Süden, aber als Leser bekommt man bestenfalls eine schwammige Vorstellung.
Diese beiden Dinge haben mich gestört, aber keinesfalls so sehr, dass sie mir den Spaß am Buch verleidet hätten. Daher habe ich nur einen halben Stern für die beiden Kritikpunkte abgezogen.

"Die Seelenjägerin" ist definitiv ein lesenswertes Buch: Es gibt eine düstere, furchteinflößende und dennoch vorstellbare Welt mit außergewöhnlichen Wesen und Charakteren, in die man als Leser leicht eintauchen kann. Es ist der Auftaktband einer Trilogie, der Nachfolgeband "Die Seelenzauberin" ist bereits beim Piper-Verlag als Taschenbuch erhältlich und der dritte Band ist in Amerika 2011 unter dem Titel "Legacy of Kings" erschienen - er sollte also auch in Deutschland nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.
 
 
 


Mehr Rezensionen von D. Eisenhart