•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

S. J. Kincaid

Insignia
Die Weltenspieler

  • Autor:S. J. Kincaid
  • Titel: Die Weltenspieler
  • Serie:Insignia
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Goldmann Verlag
  • Datum:19 November 2012
  • Preis:9,99 EUR

 
»Die Weltenspieler« (Insignia) von S. J. Kincaid


Besprochen von:
 
pelaphina
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
S.J. Kincaids „Insignia - Die Weltenspieler" ist der Auftakt zu einer Science-Fiction-Trilogie für Jugendliche. Der erste Band ist in sich abgeschlossen.


Handlung
Tom lebt mit einem Vater zusammen, dessen beste Zeit als Spieler schon lange vorbei ist und der in seiner systemkritischen Haltung jede normale Arbeit ablehnt. Um das Geld für Hotelübernachtungen aufzutreiben, besiegt Tom in Spielhallen ahnungslose Wichtigtuer, die virtuelle Schule besucht er nur unregelmäßig. Weder gut aussehend noch klug, sind seine Perspektiven gleich null. Doch eines Tages wird er in beim Spielen in eine besondere Simulation geführt. Nachdem er sich als siegreich erwiesen hat, spricht ihn ein Mann vom Militär an und verspricht ihm eine Karriere als Kombattant für die amerikanische Seite. Denn es herrscht der Dritte Weltkrieg, bei dem keine Menschenleben mehr aufs Spiel gesetzt werden, sondern Kinder mit besonderen Begabungen Raumschiffe steuern. Um Kombattanten zu werden, müssen sie bloß einen Sponsor finden, sobald sie in der Hierarchie weit genug aufgestiegen sind.
Tom hat nichts zu verlieren, und so überredet er seinen Vater, das Sorgerecht ans Militär abzugeben. Von da an ändert sich Toms Leben radikal: Man setzt ihm einen Neuronenprozessor ins Gehirn, durch den er schneller denken und beliebig Informationen herunterladen kann. Er wächst, wird physisch trainiert und seine Akne verschwindet. Er findet sogar Freunde in seiner Abteilung: Yuri, der alles nur codiert hört, weil er als Russe nichts Vertrauliches hören soll, Wyatt das Mathegenie, Vic und Beamer, der jede Nacht seine Freundin trifft. Sein Leben ist aufregend, hier kann er jemand werden. Noch ahnt er nichts von den Gefahren und Machtspielen dieser Welt.

Meinung
Beim Lesen kamen nicht wenige Assoziationen an ähnliche Romane (bzw. gewisse Animé) auf, Vergleiche sind bei dieser Art Roman wohl unvermeidbar. Ich rechnete damit, dass der Protagonist nach einigen Erklärungen zur Ausbildung und Knüpfung von Freundschaften mitten im Krieg wäre und seine Entscheidung fürs Militär zunehmend in Frage stellen würde. Dies scheint auch mehr oder weniger der Plan, mit Abweichungen: Der Ausbildungsteil zieht sich, und unser Hauptcharakter zweifelt nicht besonders viel. Er findet es von Anfang an klasse, Instrument von Wirtschaft und Politik zu sein, wenn er dafür etwas aus sich machen kann. Es gibt Bedrohungen von verschiedenen Seiten und Tom muss wiederholt einsehen, dass seine Rechte im Militär eingeschränkt sind oder auch einfach ignoriert werden. Schließlich hat er einen teuren Prozessor eingebaut und ist somit Eigentum anderer. Die Gefahren, die darin liegen, das eigene Bewusstsein an ein technisches Gerät zu binden, muss er am eigenen Leib erfahren, und der Leser leidet mit ihm in diesen traumatischen Situationen.

Leider zeichnet sich der Roman durch einige Unstimmigkeiten aus. Da wäre zum Beispiel der Unterricht. Die Schüler bekommen Downloads, doch sie haben auch normalen Unterricht, um Tests zu schreiben, bei denen alle, die ihre Hausaufgaben über Nacht „verdaut“ haben, locker 100% erreichen. Der einzige Schüler, der seine Downloads wie Fast-Food absorbiert und dadurch niedrigere Ergebnisse erzielt, erhält keinerlei Warnungen und wird nicht weiter überprüft. Weiterhin gibt es körperliches Training, dessen Sinn bis zum Schluss fragwürdig bleibt, da die Kombattanten in „komahafter Reglosigkeit“ kämpfen. Auch das Auswahlverfahren scheint völlig sinnfrei: Das Militär braucht Kinder, die im Grunde genommen nur Asse in Videospielen sind, wählt aber einfach alle Arten von Begabten aus. So ist das Vorzeigepony der Amerikaner ein charismatischer Eisläufer, der beim Kämpfen von einem Anderen vertreten wird.
Daneben scheint doch sehr unglaubwürdig, dass die Schüler keine Firewall in ihren PCs eingebaut haben und dies auch nicht auf dem Stundenplan steht. Ist irgendwie ein vorhersehbares Sicherheitsrisiko. Stattdessen verpasst ihr Lehrer ihnen eine demütigende (!) Demonstration nach der anderen, was für verheerende Folgen fehlende Schutzmechanismen und Programmier-Kenntnisse bewirken.

Die Figuren sind auch so eine Sache. Die meisten sind nicht allzu intensiv charakterisiert, um nicht zu sagen blass – über Yuri, Vic und Karl weiß man so gut wie nichts. Manchmal erhält man den Eindruck, als würde die Schule nur für die Freunde existieren, so wenig erfährt man von anderen Schülern. Die Konversationen der außergewöhnlichen Teens lassen übrigens wenig ahnen von ihrer Intelligenz.
Toms Taten waren für mich nicht immer nachvollziehbar. Zu Beginn fällt seine Begeisterung dafür auf, sich einem sinnlosen Krieg um Ressourcen hinzugeben, obgleich sein Vater so systemkritisch ist und ihn offenbar seit langem die wahre Natur des Krieges vor die Nase gehalten hat. Auch seine Weigerung, den Vorgesetzten von Regelverletzungen seiner Freunde zu berichten – ich kann mir kaum vorstellen, dass die Strafe bei diesen Sprösslingen so tragisch ausgefallen wäre. Seine Hauptmerkmale auf der Schule erschöpfen sich in albernen Scherzen, der Entdeckung weiblicher Reize und der unermüdlichen Suche nach Berühmtheit. Er macht sich eigentlich nie Gedanken über die Folgen seiner Entscheidung für das Militär. Sein Entschluss am Ende entbehrt für mich jeglicher Logik. Warum sollte ich einen gefährlichen Gegner ohne gute Gründe davonkommen zu lassen, der fast nichts gegen mich in der Hand hat und eine Gefahr für die ganze Menschheit darstellt?
Und dass jemand, der schlimmste Qual auf sich nimmt, um seine Freunde zu schützen, zum eigenen Vorteil keine Skrupel hat, seine Freundin tief zu verletzen, passt für mich nicht zusammen.

Fazit
„Die Weltenspieler“ ist ein spannender Sci-Fi-Jugendroman über Krieg, Freundschaft und Liebe in einem zukünftigen Amerika. Die Protagonisten sind Jugendliche in einer Welt, die von Wirtschaft und Machtkampf beherrscht wird und dafür über Leichen geht. Störend wirken vor allem logische Ungereimtheiten und blasse/ inkohärente Figuren.
Mit innovativen oder zumindest sehr gut durchdachten Büchern wie „Ready Player One“, „Enders Spiel“ oder Scalzis „Krieg der Klone“ kann dieses Buch nicht mithalten.
 
 
 


Mehr Rezensionen von pelaphina