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Mike Mignola

Joe Golem und die versunkene Stadt


 
»Joe Golem und die versunkene Stadt« von Mike Mignola


Besprochen von:
 
Heiner Stiller
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Im Jahre 1925 erschüttert ein verheerendes Erdbeben Amerikas Ostküste, verschiebt die Geografie und lässt New York um viele Meter absinken. Das einströmende Meer verwandelt die Metropole in ein überflutetes Gewirr aus Inseln, Lagunen und macht aus New York die versunkene Stadt. Wer kann verlässt die gefluteten Stadtteile, die Zurückbleibenden arrangieren sich mehr schlecht als recht mit den neuen Gegebenheiten. Die versunkene Stadt wird für viele Gaunerbanden und schlimmere Gestalten zum idealen Rückzugsgebiet.

Die Gegenwart: Der alte Bühnenzauberer Felix Orlov kann die versunkene Stadt nicht verlassen, denn außerhalb der Stadtgrenzen suchen ihn schrecklich Träume heim. Orlov, der auch über eine ausgeprägte mediale Begabung verfügt, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreitet, weiß, das seine Visionen nicht nur Träume sind. Mit der vierzehnjährigen Molly, die er aus der Gosse gerettet hat, lebt er in der versunkenen Stadt. Eines Tages entwickelt sich eine von Orlovs Seancen zu einem Debakel, das, als auch noch eine Horde Helmtaucheranzüge tragender und mit Gasmasken vermummter Angreifer auf den Plan tritt, in Orlovs Entführung gipfelt. Bis auf Molly werden alle anderen Anwesenden ermordet! Eindeutig: Hier braut sich etwas zusammen. Molly kann fliehen, wird aber von einem Entführer verfolgt, der während er dem Mädchen nachstellt schier übermenschliche Fähigkeiten zu Schau stellt. Erst der im letzten Moment auf den Plan tretende geheimnisvolle Joe Golem kann Molly vor ihrem Verfolger retten …

Hellboy Erfinder Mike Mignola und Christopher Golden kollaborieren bei Joe Golem nicht zum ersten mal und so viel sei schon mal gesagt, hoffentlich auch nicht zum letzten mal. Wer Mike Mignolas Comicwerke kennt, der weiß um die Faibles des Mannes Bescheid: Geistergeschichten, Folklore, Sagen und Legenden, urbane Legenden und alles andere was im weitesten Sinne in dieser Richtung orientiert ist, treibt diesen Mann um. Dazu kommt noch eine fast schon ostentativ zur Schau gestellte Vorliebe für klassische Schauergeschichten, insbesondere jene von H. P. Lovecraft sowie eine nostalgische Ausrichtung auf die ausgehenden 60er Jahre.
Mit diesen Elementen und Einflüssen spinnt Mignola seine Geschichten, die er als Zeichner in seinem einzigartigen minimalistischen Strich in Szene setzt. Mit Christopher Golden hat er einen Mitstreiter gefunden, der sich in den migniolaschen Welten bestens zurecht findet und es versteht sie in Worte zu kleiden. Natürlich ist ein Roman nie mit einem Comic zu vergleichen, aber Golden und Mignola schaffen es, aus beiden Medien das beste zu derivieren: Golden erzählt die Geschichte flott und ohne allzu große Umschweife während die vielen Illustrationen Migniolas die Atmosphäre der Geschichte ganz wesentlich mit gestalten.

Joe Golem trägt eindeutig die Handschrift Mignolas und unumwunden muss man feststellen, dass Hellboy und Joe doch sehr nahe Verwandte sind, was aber nichts ausmacht, denn wer Hellboy kennt, kennt Mignola und weiß worauf er sich einlässt. Wer neu hinzukommt, und sich Aufgrund von Titel oder Klappentext zu Kauf motivieren ließ, wird bestens mit einer Story bedient, die sich zwischen Horror und Steampunk hin und her bewegt und ausgezeichnet unterhält. Auch die Aufmachung des Buches als Hardcover ohne Schutzumschlag ist gelungen und verleiht dem ca. 300 Seiten starken Band für 15 € eine gediegene Bücherschrankoptik.

 
 
 


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