•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Jerry Pournelle

Black Holes

  • Autor:Jerry Pournelle
  • Titel: Black Holes
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Luebbe Verlagsgruppe
  • Datum:01 Mai 1994
  • Preis: EUR

 
»Black Holes« von Jerry Pournelle


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
In der Kurzgeschichtensammlung Black Holes (OT: Black Holes and other marvels) widmet sich der Herausgeber Jerry Pournelle in 17 Beiträgen, verteilt auf insgesamt 374 Seiten, dem damals noch recht neuen und relativ unbekannten Themenkomplex der Schwarzen Löcher. Nicht alle Beiträge der verschiedenen Autoren sind erzählerischer Natur, es finden sich unter ihnen auch einige Fachbeiträge und kleinere Anekdoten. Da sich im Jahre 1978 das Wissen über Schwarze Löcher noch in den Kinderschuhen befand, ist es daher nicht verwunderlich, dass es zu einigen recht obskuren Geschichten gekommen ist. Viele laden zum lachen ein, andere sind dermaßen im Genre Hard SF verwurzelt, dass man als Leser oftmals bei den Erklärungen nicht mehr mitkommt.

Hier die Beiträge im Einzelnen:

1. Schwarze Löcher und kosmische Zensur (Jerry Pournelle)
Wie die Überschrift schon vermuten lässt, handelt es sich bei dem Beitrag um einen rein wissenschaftlichen. Pournelle greift verschiedene Theorien auf und erklärt anhand einiger Beispiele die Funktion, Wirkungsweise und den Aufbau Schwarzer Löcher. Der Artikel ist zwar sehr informativ, aber für Laien eine harte Kost.

2. Er fiel in ein dunkles Loch (Jerry Pournelle)
Bartholomew Ramsey ist Kapitän eines Raumschiffes und hat jegliches Interesse am Leben verloren. Der Grund ist der Tod seiner Frau und seines Sohnes, die auf dem Rückflug zur Erde mit einem Passagierraumer in ein Schwarzes Loch gestürzt sind. Als seinem Schwiegervater Senator Martin Grant Jahre später und an gleicher Stelle ähnliches wiederfährt, leitet die Raumbehörde eine Rettungsmission ein, denn Grant ist ein wichtiger Mann und Fürsprecher der Raumbehörde. Mit Hilfe einer Wissenschaftlerin und ihrer obskuren Theorie über Schwarze Löcher soll Ramsey mit seinem Raumschiff ebenfalls den Sprung in das Schwarze Loch wagen. Ramsey ist begeistert – denn wenn Senator Grant tatsächlich noch am Leben sein sollte, warum dann nicht auch seine Frau und sein Kind?

3. Im freien Fall durch den Mars (Larry Niven)
Eine 14-köpfige Forschungsgruppe findet auf dem Mars Spuren außerirdischen Lebens. In der verlassenen Station der Außerirdischen entdecken sie ein kleines Schwarzes Loch, welches als Energiequelle dient. Als es zu einem Todesfall in der Forschungsgruppe kommt, wird die Vermutung laut, dass es sich um Mord handeln könnte. Als Tatwerkzeug kommt nur das Schwarze Loch in Frage.

4. Haarige Schwarze Löcher sind eigentlich unbehaart (Jerry Pournelle)
Bei dieser, vom Titel her recht zweideutigen Geschichte, handelt es sich wieder um einen rein wissenschaftlichen Beitrag. Pournelle gibt sehr spezifische Informationen über die Masse, Ladung, Lebensdauer und der Dynamik Schwarzer Löcher zum Besten. Er geht ferner auch auf die Theorien und Entdeckungen einiger absoluter Koryphäen auf dem Gebiet, wie Stephen Hawking oder Robert Forward, ein.

5. Kyrie (Poul Anderson)
Eine sehr schöne Geschichte über eine Expedition zu einem Schwarzen Loch. Die Expedition besteht aus Menschen und einem außerirdischen Flammenwesen namens Luzifer. Luzifer ist intelligent und lebt als eine Art Feuerkugel im Weltraum. Zudem ist er telepathisch mit der Frau Eloise Waggoner verbunden. Als das Raumschiff in den Wirkungsbereich eines Schwarzen Loches gerät ist nur noch Luzifer in der Lage es vor der Vernichtung zu retten. Dafür zahlt er jedoch einen schrecklichen Preis – und mit ihm Eloise Waggoner.

6. Todesvektor (Charles Sheffield)
Die Mannschaft des Raumschiffs Assembly soll den Massenmörder Yifter in Gewahrsam nehmen. Auf dem Flug zum Ziel wird der Assembly jedoch von den Anhängern Yifters eine Falle gestellt und das Schiff gekapert. Bevor Yifter und seine Leute jedoch das Schiff verlassen können, greift der Ingenieur und überzeugte Pazifist McAndrew ein. Wer sagt denn, dass man sich mit Hilfe eines Schwarzen Lochs, dessen Energie der Assembly als Antrieb dient, nicht auch gegen eine Schar Verbrecher wehren kann?
Eine nette und kurzweilige Geschichte die zeigt, dass auch der größte Massenmörder eine ansonsten recht umgängliche Person sein kann.

7. Im Grenzland der Sonne (Larry Niven)
Fans der Ringwelt oder der Kzinti Reihe werden hier voll auf ihre Kosten kommen, denn die drei Hauptcharaktere sind keine geringeren als Sigmund Ausfaller, Beowulf Shaeffer und der unvergleichliche Carlos Wu. Die drei befinden sich an Bord der Hobo Kelly und müssen das Verschwinden mehrerer Raumschiffe im nahen Bereich der Erde aufklären. Grund für das Verschwinden könnte eine Station sein, die mit einem Schwarzen Loch experimentiert. Oder sind es doch monströse Hyperraummonster wie Beowulf Shaeffer vermutet?

8. Pluto ist schwarz! (Robert L. Forward)
Hierbei handelt es sich wieder um einen rein wissenschaftlichen Beitrag, der das ehemalige Rätsel um den äußersten Planeten unseres Sonnensystems, Pluto, zum Thema hat. Wie wurde der Planet entdeckt und warum verflixt noch mal, dürfte Neptun nach Bodes Gesetz, eigentlich gar nicht existieren? Tja, eine Geschichte aus der guten alten Zeit als Pluto noch ein Planet war und nicht nur der Hund von Goofy.

9. Quelle der Kraft (Grant Carrington und George Zebrowski)
Die Aufgabe des Perzepten Fleming Mayhew besteht darin Schwarze Löcher zu erforschen. Als er von seinen Vorgesetzten erfährt das sein Kollege Hans Pavel vermisst wird, begibt er sich zusammen mit seiner Assistentin an Bord des Raumschiffs Robert B. Leighton zum Unglücksort. Dort wird sein Gehirn mit dem Computer des Schiffes verbunden und zu einer Einheit verschmolzen. Auf diese Weise kann Mayhew das Schwarze Loch auf eine besondere Art erkunden und Rückschlüsse auf das Schicksal Pavels ziehen.
Eine nette Geschichte zu einem interessantes Thema, jedoch recht spröde umgesetzt. Hier fehlt eindeutig der Clou, der Aha-Effekt.

10. Papa Schimmelhorns Yang (Reginald Bretnor)
Papa Schimmelhorn soll für die Millionäre Mr. Peng und Mr. Plantagenet einen Zeittunnel in eine vergangene Epoche der Weltgeschichte öffnen, damit wieder Sitte und Moral in unsere Welt einkehren. Zudem möchte Mr. Peng ein Mandarin höchsten Ranges und Wärter der kaiserlichen Drachenzucht werden und Mr. Plantagenet nichts geringeres als der neue König von England. Schimmelhorn kann den Durchgang mit Hilfe eines Schwarzen Loches zwar öffnen, die Begegnung mit der vergangenen Kultur jedoch läuft anders als erwartet. Und dann taucht auch noch Mama Schimmelhorn auf und rettet die Situation.
Das soll vermutlich eine lustige Geschichte sein, aber ich werde weder mit ihr, noch mit Papa Schimmelhorn warm. Auch wenn die Figur bei der Leserschaft wohl eine große Zuneigung genießt, für mich war diese Geschichte die konfuseste und leider auch die langweiligste.

11. Gloria (Gail Kimberley)
Eine Gruppe Priester versucht auf dem Planeten Cithira den dortigen Eingeborenen den christlichen Glauben nahe zu bringen – ein Unterfangen, dass offensichtlich nicht immer von Erfolg gekrönt ist. So auch in diesem Fall. Dennoch gelingt es dem letzten Überlebenden ein Fanal zu setzen, das bis in alle Ewigkeit vom Schicksal der Priestergruppe kündet und weithin für alle raumfahrenden Völker sichtbar ist.
Auch wenn mir bis dato der Name der Autorin gänzlich unbekannt gewesen ist, so hat sie für mich doch eine der nachhaltigsten und anschaulichsten Geschichten in diesem Buch geschrieben.

12. Singularität (Mildred Downey Broxon)
Das Schicksal des Epsilon Eridani Systems ist besiegelt. In wenigen Wochen wird es von den Ausläufern eines Black Holes verschlungen und vernichtet werden. Für die Rettung der eingeborenen Mancken, liebenswerte und hilfsbereite Wesen, bleibt keine Zeit. Selbst wenn man diese hätte, wohin sollte man die Bevölkerung eines ganzen Planeten evakuieren? So werden der Wissenschaftler Carl Thorstensen und die Pilotin Nina Leclerc nach Mancken geschickt um so viel wie möglich von der sterbenden Kultur aufzuzeichnen und für die Nachwelt zu bewahren.
Eine tiefgehende und sehr nachdenklich stimmende Geschichte, die von der Autorin mit viel Fingerspitzengefühl geschrieben wurde. Es stimmt einen traurig zu wissen, dass das Schicksal von Spahi und seinen Kindern besiegelt ist. Obwohl er weiß das er sterben wird, hat er dennoch Hoffnung für die Zukunft und hadert keine Sekunde mit dem Schicksal.

13. Zwei Gedichte (Peter Dillingham)
Die Vorgeschichte wie es dazu kam das Jerry Pournelle diese beiden Gedichte in diese Sammlung aufgenommen hat, ist fast noch interessanter als die Gedichte selbst. Das erste Gedicht Cygnus X-1 ist … interessant und sehr kurz. Das zweite Gedicht Der Händler der es sich mit dem Universum verdarb ist irgendwie witzig – vorausgesetzt man weiß, dass sich M. im Einflussbereich eines Schwarzen Loches befunden hat und für seine offensichtlich falsche Zeit- und Kilometerabrechnung gar nichts kann.

14. Ein Fleckchen Nichts (Dian Girard)
Was macht eine Hausfrau die entdecken muss, dass sich mitten in ihrem Wohnzimmer ein winzig kleines Schwarzes Loch befindet? Ist doch klar – sie wickelt ein paar Vorhänge darum um es zu verstopfen damit die Kinder nicht reinfallen. Aber, Cheryl Harbottle hat noch eine zweite und viel praktischere Idee.
Eine sehr amüsante Geschichte mit einem Ende, wie es wohl nur einer Frau einfallen kann.

15. An die Geliebte eines Physikers (Michael Bishop)
Ein Gedicht zum zweiten. Was schreibt Jerry Pournelle in seinem Vorwort dazu: „Ich weiß nicht, ob ich dieses Gedicht überhaupt verstehe. Ich weiß nicht einmal warum es mir gefällt. Aber es gefällt mir, und ich hoffe, daß es auch anderen gefällt.“
Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Der tiefere Sinn bleibt auch mir verbogen, aber es liest sich flüssig und wirkt sehr poetisch. Es war mit Sicherheit nicht ganz einfach dieses Gedicht ins deutsche zu übertragen – aber es ist gelungen.

16. Die Rache (Greg Bear)
Was für die einen einfach nur ein Schwarzes Loch ist das man erforschen sollte, ist für die anderen heilig und bedeutet den Übergang ins Jenseits. Diese Erfahrung muss auch der Diplomat Disjohn Fairchild machen. Da er unfreiwillig für die Entweihung eines Schwarzen Loches verantwortlich zeichnet, steht er nun auf der Abschussliste seines außerirdischen Diplomatenkollegen Kamon, der glaubt, diesen Frevel nur mit der Ermordung von Fairchild wieder rückgängig machen zu können. Eine wilde Verfolgungsjagd die im Weltraum beginnt und die für Fairchild in einem sterbenden Universum endet.

17. Am Anfang (Jerry Pournelle)
Eine interessante Anekdote die davon handelt, wie Jerry Pournelle und Larry Niven in eine Vorlesung Stephen Hawkings geraten. Was ihnen dieser Mann dort über die Grundlagen der Physik, der Relativität und von Schwarzen Löchern mitteilt, lässt ihnen die Haare zu Berge stehen. Ja, es verleitet Pournelle sogar zu der Aussage: „Entweder brauchen wir ein paar grundsätzliche Neuansätze in der theoretischen Physik, oder wir müssen anfangen, wieder über den Glauben nachzudenken.“ Eine Aussage, die mich frappierend an die des bedeutenden Physikers Werner Heisenberg erinnert: „Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“

In diesem Sinne: Amen und aus!
 
 
 


Mehr Rezensionen von D. Vallenton