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George Mann

Immorality Engine

  • Autor:George Mann
  • Titel: Immorality Engine
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Piper
  • Datum:10 September 2012
  • Preis:16,99 EUR

 
»Immorality Engine« von George Mann


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Ein Juwelendieb macht London unsicher. Sir Newbury und Chief Sir Bainbridge haben auch schon einen konkreten Verdacht wer es sein könnte. Dummerweise nur liegt eben jener Verdächtige, Edwin Sykes, tot im Leichenschauhaus der Polizei. Die beiden stehen vor einem Rätsel, einem Rätsel das umso größer wird als eine zweite Leiche, die ebenfalls einwandfrei als Edwin Sykes identifiziert werden kann, ermordet an einem Tatort gefunden wird. Als ob das nicht schon genug wäre, findet auch noch ein Mordanschlag auf Queen Victoria statt. Und zu allem Überdruss müssen sich Sir Newbury, Chief Bainbridge und Veronica Hobbes bei ihren Ermittlungen auch noch mit der Bastion Society herumschlagen, deren Mitglieder sich für die Inkarnationen einer Gruppe Kreuzritter aus dem 12. Jahrhundert halten und die ihre Art von Heiligem Krieg nach England tragen. Für die drei Ermittler steht also jede Menge Arbeit auf dem Plan.

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Die Geschichten von George Mann rund um das Ermittlerduo Newbury und Hobbes haben sich auch in den zwei vorherigen Büchern schon dadurch ausgezeichnet, dass es immer mehrere parallele Ereignisse gab. Zwei auf den ersten Blick voneinander unabhängige Handlungsstränge, die dann doch irgendwie miteinander zu tun hatten und stimmig miteinander verwoben wurden. Auch im dritten Buch bleibt Mann seinen Prinzipien treu. Ja, mehr noch, Immorality Engine entpuppt sich geradezu als wahres Feuerwerk von zufälligen Ereignissen die sich gegen Ende hin in einem großen Knall, und das meine ich nicht sprichwörtlich, offenbaren. Mann forciert das Tempo der Handlung enorm und lässt die Geschichte aller drei Bücher in eine völlig neue Richtung gehen. Und das auf gleich mehreren Ebenen. Es passiert so viel wegweisendes, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll.

Queen Victoria, der lebende Zombie, nur noch auf dieser Welt und im Amt weil sie von den Maschinen ihres Leibarztes Dr. Lucien Fabian nicht am Leben gehalten, sondern vielmehr am Sterben gehindert wird, entpuppt ihr wahres Gesicht. Es ist ein böses, menschenverachtendes Gesicht, das ihr ganzes Ausmaß an Skrupellosigkeit und Egoismus zeigt. Als Sir Newbury hinter ihr Geheimnis kommt ist sein Vertrauen in die Königin erschüttert und wird nicht mehr so sein wie es einmal war.

Aber auch ihr Leibarzt Dr. Fabian steht ihr in nichts nach. Um seine Experimente durchführen zu können geht er im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Und eine davon ist Amelia Hobbes, Veronicas Schwester. Nein, das ist jetzt kein Spoiler, denn mit der Beerdigung von Amelia beginnt das Buch. Im zweiten Kapitel gibt es dann den Sprung auf die Ereignisse die sieben Tage vorher stattfanden und die zu Amelias Tod und der Zerstörung des Grayling Institutes führten. Aber da ich hier niemandem die Vorfreude verderben und den genialen Plan von Veronica Hobbes vorweggreifen möchte, mache ich hier einfach mal halt.

Ein weiterer, geradezu skurriler, Punkt ist die Bastion Society, eine Gesellschaft von Männern die an die Inkarnation glaubt und den Okkultismus pflegt. Ihr Vorsitzender Enoch Graves ist ein Eiferer der die Grundfesten des Imperiums erschüttern möchte und auch noch die nötigen technischen Hilfsmittel dazu hat. Spätestens ab hier weiß man wieder, warum die Geschichte im Bereich Steampunk eingeordnet werden kann. Sowohl Dr. Fabian, wie auch Edwin Sykes waren Mitglieder dieser Gesellschaft.

Inmitten all dieser Schauplätze mutet sich die eigentliche Geschichte, die alles ins Rollen brachte, der Tod von Edwin Sykes, als völlig harmlos und als das kleinste Problem von allen an. Nur das was daraus wird, macht schon Spaß zu lesen. Ähnlich einer Lawine, die von einem kleinen Schneeball losgetreten und immer größer wird, überrollen die Ereignisse nicht nur den Leser, sondern auch die Protagonisten. Sir Newbury, von seinem Opium- und Laudanummissbrauch schwer gezeichnet, muss mächtig viel Prügel einstecken und gesteht endlich Veronica seine Liebe. Wurde aber auch Zeit. Veronica selber macht sich Vorwürfe ihre Schwester in die anfangs so umsorgenden Hände von Dr. Fabian gegeben zu haben. Und Sir Bainbridge bekommt es knüppeldick ab. George Mann verschont wirklich niemanden. Überhaupt ist auffällig, dass die Geschichte diesmal in eine recht brutale und ekelhafte Richtung tendiert. Sie ist härter geworden und macht auch vor schaurigen, aber richtig schaurigen, Passagen nicht halt. Das was Hobbes und Newbury in den Räumen der Bastion Society finden liest sich wie aus einem Werk von Jack Ketchum oder Tim Curren und ist einfach nur schrecklich. Das Blut spritzt mehr als in den beiden Büchern zuvor, aber irgendwie passt das auch zu der Stimmung die es mir als Leser vermittelt. Verrat, Intrigen und Zwietracht wo man nur hinschaut. Die Grundstimmung des Buches wird einfach nur duster und alles deutet daraufhin, dass das große Finale, welches Amelia und Newbury immer in ihren Träumen oder Rauschzuständen gesehen haben, ein riesiger alles verschlingender Moloch sein wird.

Die Schreibweise von Mann ist für mich immer noch etwas hausbacken. Es fehlt mir so ein bisschen das mitreißende und emotionale. Die Dialoge zwischen allen Beteiligten klingen an manchen Stellen etwas gestelzt und hölzern. Als positiv erachte ich das endlich auch mal Sir Bainbridge eine etwas ausgeprägtere Rolle spielen darf. Ganze Kapitel widmen sich endlich mal dem Chefinspektor von Scotland Yard und zeigen warum er ein Agent der Krone geworden ist und das sich hinter der Fassade des älteren Herrn mit Gehstock eine wahre Kämpfernatur verbirgt. Auch das hin und her zwischen Newbury und Hobbes wird beendet und beide stellen sich ihren Gefühlen. Das macht die ganze Sache für die Zukunft und hoffentlich noch weiterer Bücher etwas klarer und gradliniger.

Was bleibt ist ein actionreiches Buch, das sich angenehm positiv von den bisher erschienenen Büchern abhebt. Es wirkt etwas erwachsener und mir scheint fast, dass es mit Sicht auf die Vorgänger nach dem Motto "Schluss mit lustig" geschrieben wurde. Ab jetzt könnte die Handlung in eine neue Richtung laufen. Nicht mehr die kleinen Untaten und Verbrechen die zu lösen waren sind das Hauptproblem der drei Ermittler, sondern es zeichnet sich vielmehr eine neue Überhandlung ab die sich mit dem kommenden Finale auseinandersetzt und in dem die Queen selbst, sowie ihr neuer Leibarzt und ein noch unbekanntes kleines Mädchen, eine nicht gerade rühmliche Rolle spielen werden. Für mich ist Immorality Engine das bisher beste aller drei Bücher.
 
 
 


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