•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Daniel Suarez

Daemon 1
Die Welt ist nur ein Spiel

  • Autor:Daniel Suarez
  • Titel: Die Welt ist nur ein Spiel
  • Serie:Daemon 1
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:rororo
  • Datum:19 März 2010
  • Preis:15,00 EUR

 
»Die Welt ist nur ein Spiel« (Daemon 1) von Daniel Suarez


Besprochen von:
 
pelaphina
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Matthiew Sobol hat als genialer Programmierer für CyberStorm Entertainment die Spielewelt revolutioniert und ist dadurch reich geworden. Als er an einem Tumor stirbt, wird der "Daemon" auf die Welt losgelassen, ein Programm, das sich fremder Computer bemächtigt und das zwei Programmierer von CyberStorm über das Internet tötet. Detektiv Sebeck wird auf den Fall angesetzt wie auch Hacker/Identitätsdieb Jon Ross und Kryptographin Philips. Die Polizei wagt sich Sobols und Ross' Warnungen ungeachtet in das mit Todesfallen gespickte Anwesen, was zu einem Blutbad führt; Sebeck erhält derweil Anrufe von einem Verstorbenen.
Die Polizei ist machtlos, denn der Daemon agiert automatisch und ist nicht zu stoppen, da er physikalisch gar nicht existiert. Sein Erschaffer lenkt ihn über seinen Tod hinaus über vielfältige Scripts, welche Nachrichten auf bestimmte Schlüsselworte absuchen und daraufhin Ereignisketten auslösen. Scheinbar unbegrenzt mit Kapital und Technologie ausgestattet, sucht der Daemon Mitstreiter unter den Außenseitern und Unglücklichen der Gesellschaft. Niemand weiß, was dieses Programm eigentlich tun soll, doch eins scheint klar: Es stellt eine Bedrohung für die ganze Gesellschaft dar.

Altersempfehlung
Aufgrund einiger Szenen mit einem hohen Maß an Gewalt (Folter etc.) würde ich Jugendlichen unter 16 Jahren raten, mit dem Lesen lieber noch zu warten.

Meinung
Nachdem ich nicht nur "Daemon", sondern auch den Fortsetzungsband "Darknet" in Rekordzeit verschlungen habe, kann ich nur eindringlichst warnen: Buch nur aufschlagen, wenn man die nächsten Stunden/Tage nichts Wichtiges vorhat, und vorher mit Proviant ausstatten.
Zunächst einmal vermutete ich einen einfachen Thriller nach dem Schema "Virus wird auf die Menschheit losgelassen und wird von überdurchschnittlich cleveren Protagonisten gerade noch aufgehalten". Man merkt jedoch bald, dass es nicht so simpel ist.
Suarez wechselt zwischen verschiedenen Perspektiven, stellt einigen Kapiteln Nachrichtenmeldungen voraus und fügt gelegentlich Dialoge zwischen den amerikanischen Geheimdiensten ein, was einen sehr realistischen Eindruck schafft. Er beschreibt sehr plastisch eine komplexe Handlung; dabei gelingt ihm die Gratwanderung zwischen einem Zuviel und Zuwenig an Informationen.
Gerade am Anfang mag man sich überwältigt fühlen von der Vielzahl an PC/Hacking-Fachbegriffen, die weit über PC-Basiswissen hinausreichen. Ob ein Glossar dem abgeholfen hätte, ist fraglich, jedenfalls kann man der Handlung auch ohne tiefer gehende Kenntnisse folgen. Die Handlung hat definitiv Priorität vor der Figurenkomplexität. Es gibt zwar eine Vielzahl von Figuren, dabei konzentriert sich der Erzähler auf einige wichtige, die etwas genauer charakterisiert werden.
Das Fantastische an diesem Roman ist, dass er eine extrem glaubhafte Szenerie erschafft, und uns dadurch vor Augen hält, welcher Gefahr wir uns aussetzen, wenn wir uns Tag für Tag einer unsicheren Technologie ausliefern und ihr all unsere Daten, unsere Idenität anvertrauen. In dieser Hinsicht macht die Lektüre sehr nachdenklich. An einigen Stellen erhielt ich durchaus den Eindruck, dass der Autor den Bogen etwas überspannt, was Wahrscheinlichkeit betrifft, doch die meiste Zeit über erhält man den beängstigenden Eindruck, dass Suarez' Vision demnächst bevorstehen könnte. Was mich außerdem zum Suarez-Fan gemacht hat, ist seine unverblümte Gesellschaftskritik, die in Darknet weiter ausgebaut wird. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber Suarez begnügt sich nicht einfach mit Kritik, sondern entwickelt eine faszinierende Alternative.

Fazit
Daemon/Darknet ist vieles: ein unglaublich spannendes, gut recherchiertes Romanduo, aufrüttelnd in seiner Realitätsnähe und Aktualität. Es ist ohne Zweifel nicht nur für Fans von Romanen über Social Media, Computerspiele und die Gefahren moderner Technologie interessant.
 
 
 


Mehr Rezensionen von pelaphina