•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Andreas Brandhorst

Das Schiff

  • Autor:Andreas Brandhorst
  • Titel: Das Schiff
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Piper
  • Datum:05 Oktober 2015
  • Preis:14,99 EUR

 
»Das Schiff« von Andreas Brandhorst


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Nachdem vor rund 6000 Jahren der Krieg zwischen Menschen und Maschinen auf der Erde beendet und ein gewisser Status Quo erreicht wurde, kehrt auf der Erde wieder etwas Ruhe ein. Mit Hilfe der zuvor bitter bekämpften Maschinen ist es den wenigen überlebenden Menschen, ihre Zahl bemisst ein paar Millionen, endlich gelungen den Alterungsprozess zu stoppen und so eine relative Unsterblichkeit zu erreichen. Aber nicht allen Menschen ist diese Unsterblichkeit vergönnt. Der mysteriöse Omega Faktor sorgt dafür, dass bei einigen wenigen Hundert die Therapie nicht anschlägt und sie somit „normal“ altern müssen.

Während sich die unsterbliche Menschheit mehr auf die Erde konzentriert, erkunden die Maschinen statt dessen das All und stoßen bis zu einem Radis von rund eintausend Lichtjahren weit vor. Gefunden hat man dabei die Überreste einiger ausgestorbener Zivilisationen und eine Art Transmittenetz, das von den ebenfalls untergegangenen, aber ungemein hoch entwickelten, Muriah installiert wurde und mit dessen Hilfe sie das All durchstreift und erkundet haben.

Da den Maschinen viel daran gelegen ist Zugang zu diesem Transmitternetz zu erhalten, sie aber in den Weiten des Alls nur beschränkt agieren können und ihnen zudem das fehlt, das die Menschen auszeichnet, nämlich Intuition, beschließen sie, auf die Hilfe der Menschen zurück zu greifen. Es besteht die Möglichkeit, ein menschliches Bewusstsein über einen Quantenlink ins All zu transferieren und dort in einem künstlichen Körper zu integrieren. Allerdings sind dazu nur die „normalsterblichen“ Menschen in der Lage. So werden diese, sofern sie denn wollen, zu sogenannten Mindtalkers ausgebildet.

Auf einer der Expeditionen wird ein riesiges Raumschiff entdeckt. Nachdem es sich von selbst aktiviert hat, zerstört es den Außenposten der Maschinen und nimmt Kurs auf die Erde. Die Aufgabe des Schiffes ist klar definiert: Vernichtung allen organischen Lebens.

---

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Mit Das Schiff hat Andreas Brandhorst wieder einen spannenden und ungemein interessanten Roman abgeliefert. Mittlerweile entwickelt sich der gebürtige Westfale zu einem ausgesprochenen Vielschreiber, ist doch das vorliegende Buch, neben Ikarus, bereits das zweite das 2015 von ihm erschienen ist – und wie auch alle seine Vorgänger eine (fast) gelungene und runde Sache.

Das Buch beginnt für „einen Brandhorst“ schon fast ungewohnt. Der Leser wird nicht, wie sonst üblich, in die Handlung hineingeworfen und muss sich irgendwie zurecht finden, sondern er darf sich diesmal auf eine ruhige und unhektische Art und Weise in die Geschichte einlesen. Auch das anhängende Glossar musste ich dieses Mal nicht pausenlos durchblättern um bestimmte Namen, Orte oder Begriffe nachzuschlagen. Überhaupt wirkt die gesamte Geschichte nicht so überladen wie manch anderes Buch von Brandhorst

Der Plot ist zwar nicht unbedingt neu oder besonders innovativ, dafür aber sehr interessant. Die von Menschen entworfenen Maschinen haben sich im Lauf der Zeit weiterentwickelt und nun eine den Menschen gleichwertige Stufe erreicht. Ähnlich wie in den Kinofilmen Terminator und Matrix kommt es zum Krieg zwischen Mensch und Maschine, der hier aber ein für beide Seiten akzeptables Ende genommen und zu einer offensichtlich friedlichen Koexistenz geführt hat. Der Einhalt des Status Quo wird durch eine neutrale Instanz auf dem Mars, Supervisor genannt, überwacht. Den wenigen überlebenden Menschen, deren relative Unsterblichkeit der Maschinentechnik zu verdanken ist, gehört die Erde - den Maschinen das Weltall.

Eine gute Idee war es auch sich nicht ausschließlich auf einen Handlungsstrang zu konzentrieren, sondern zwei parallele aufzubauen. Zum einen wird der Mindtalker Adam von den Maschinen ausgeschickt um einen Zugang zum Transporternetzwerk der Muriah zu bekommen und zum anderen versucht die Unsterbliche Evelyn, im Dienste der Morgenrot Organisation, herauszufinden, warum die Maschinen beginnen unzählige Waffen herzustellen und warum so viele Unsterbliche auf mysteriöse Art und Weise verschwinden. Beide Handlungsebenen sind recht interessant und greifen immer wieder ineinander und ergänzen sich.

Die Hauptprotagonisten, Adam und Evelyn, sind vielschichtig angelegt und sympathisch, auch wenn letztere etwas zu übermotiviert erscheint. Von Adam erfährt man recht viel über seine tragische Vergangenheit, die von Evelyn bleibt leider etwas im Dunklen. Alle anderen Pro- und Antagonisten bleiben dafür leider recht eindimensional und sind austauschbar, was sich auch an den Schicksalen der Organisation Morgenrot Mitglieder deutlich zeigt. Sowohl bei den Menschen, wie auch bei den Maschinen, finden sich unterschiedliche Vorstellungen wie es mit dem Zusammenleben mit der jeweils anderen Zivilisation weiter gehen soll. Ein neuer Konflikt bahnt sich an.

Das Szenario in dem die Geschichte spielt ist gut gewählt. Es gibt eine Vielzahl an Artefakten ausgestorbener Zivilisationen die es zu erkunden gibt, ein Transmitternetz das den Zugang in noch unentdeckte Bereiche des Universums verspricht und eine dunkle Bedrohung die über allem liegt und die vor Millionen von Jahren einst ganze Reiche zerstört haben muss. Auch die Idee mit dem Quantenlink ist sehr einfallsreich und für das Funktionieren der ganzen Geschichte unerläßlich. Das liest sich alles sehr kurzweilig und spannend, genau so, wie man es von Brandhorst gewohnt ist.

Um so enttäuschender für mich die dann doch recht banale Auflösung um die Herkunft / Entstehung dieser dunklen Macht und die Motive die hinter dieser rasenden Zerstörungswut zu finden sind. Ein simpler Maschinenkrieg, in dem sich die Geschöpfe gegen ihre Schöpfer gerichtet haben ist die Erklärung hierfür. Genau so, wie es auch vor 6000 Jahren auf der Erde passiert ist. Allerdings will mir nicht ganz einleuchten, warum es zu diesem Krieg kommen mußte. Im Gegensatz zu dem Krieg auf der Erde, bei dem beide Zivilisationen um die Ressourcen eines Planeten kämpften, stand den Muriah und ihren Maschinen, dank des Transmitternetzes, ein ganzes Universum, mit Milliarden von Planeten zur freien Entfaltung, zur Verfügung. Man hätte sich also durchaus auch friedlich trennen und an den entgegengesetzten Ecken des Universums ansiedeln können – ohne sich jemals wieder begegnen zu müssen. Da Maschinen in der Regel logisch und nicht emotional handeln, wäre das doch wohl die einfachste und somit auch die praktischste Lösung gewesen.

Das Ende ist mir etwas zu aufgesetzt und zu zuckersüß. Es werden aber auch wirklich alle Probleme zufriedenstellend gelöst und ein "heile Welt" Szenario kreiert - selbst der im Sterben liegende Adam bekommt seine zweite Chance. Hier habe ich von Brandhorst einfach mehr erwartet, auch Angesichts der Tatsache, dass alle seine Bücher irgendwie in "Friede, Freude, Eierkuchen" enden. Aus diesem Grund bleibt auch leider ein etwas fader Beigeschmack zurück – was eigentlich sehr schade ist, finde ich das vorliegende Buch doch sonst eigentlich gelungen und recht lesenswert.
 
 
 


Mehr Rezensionen von D. Vallenton