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Tim Curran

DEAD SEA - Meer der Angst

  • Autor:Tim Curran
  • Titel: DEAD SEA - Meer der Angst
  • Serie:
  • Genre:Horror
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Festa
  • Datum:22 Oktober 2013
  • Preis:13,95 EUR

 
»DEAD SEA - Meer der Angst« von Tim Curran


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Die Mara Corday ist ein Frachtschiff, das sich auf seinem Weg Richtung Südamerika mühsam durch die kabbelige Sargassosee kämpft. Als das Schiff in einen leuchtenden und unheimlich anmutenden Nebel eindringt geschehen seltsame Dinge. Damit aber nicht genug. Durch eine Kollision mit einem anderen Schiff schlägt die Mara Corday leck und versinkt im Meer. Nur wenigen Besatzungsmitgliedern und Passagieren gelingt es sich in die Rettungsboote zu flüchten. Völlig orientierungslos sind sie nun dem Nebel und allem was darin keucht und fleucht ausgesetzt. Schnell wird den Überlebenden klar, dass sie sich nicht mehr in der ihnen bekannten Welt befinden können. So wie es ausschaut, fungiert der Nebel als eine Art Tor, das sie auf eine unbekannte Welt verschlagen hat. Auf ihr begegnen sie dem namenlosen Grauen und müssen nicht nur um ihr Übeleben kämpfen, sondern auch versuchen einen Weg zurück auf die Erde zu finden.

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„Gut gemeint und schlecht gemacht, oberflächlich ausgedacht…“ so beginnt ein Song der Liedermacher Jörg Svoboda und Theo Lehmann. Auch wenn es sich bei dem Lied inhaltlich natürlich um etwas völlig anderes handelt als das, was Tim Curran in dem vorliegenden Buch Dead Sea – Meer der Angst (OT: Dead Sea) behandelt, so lassen sich dennoch einige Parallelen ziehen. So ist das Buch vom Thema her zwar hoch interessant, krankt jedoch in der Ausführung. Oder anders gesagt: Es ist erheblich zu lang. Hätte Curran es geschafft die Handlung zu straffen, wäre vermutlich ein durchwegs unheimlicher und spannender Roman dabei herausgekommen. Statt dessen liefert er ein ums andere Mal einen erneuten Aufguss der Fragen: Was hat denn da gerade unser Boot gerammt oder Was ist das nur für ein Schatten im Nebel? Auch die theoretischen Überlegungen was denn genau passiert ist und was es mit dem Nebel auf sich hat, werden viel zu oft diskutiert, da jeder der Überlebenden eine eigene Meinung dazu hat und diese auch kundtut. Allein den zweiten und dritten Teil des Buches hätte man radikal kürzen und bequem zu einem Teil zusammenfassen können, da gerade dort die Handlung nur sehr mühsam voranschreitet.

Genau wie H. P. Lovecraft oder Barbara Büchner, ist bei Curran ein inflationärer Gebrauch von Adjektiven auszumachen. Durch plastische Beschreibungen des Grauens und des Unheimlichen versucht er Stimmung und Atmosphäre aufzubauen. Oftmals gelingt ihm das recht gut, manchmal aber nicht. Als Leser möchte man ihm oftmals sagen: Ja, ich habe es jetzt kapiert das es ein schrecklicher, glitschiger, unheimlicher, todbringender Nebel aus einer fernen Dimension des Grauens und des Abscheulichen ist. Es ist manchmal einfach zu ausufernd was Curran dem Leser zumutet. Man muss nicht alles und jedes mit fünf oder sechs Adjektiven umschreiben – insbesondere dann nicht, wenn man es pausenlos macht.

Die Charakterzeichnungen der Akteure sind relativ oberflächlich, was ich allerdings nicht als negativ ansehen möchte, da die meisten das Ende des Buches eh nicht erleben und somit, mehr oder weniger, lediglich als Kanonenfutter dienen. Nervig wird mit der Zeit allein Saks, der durch seine obszöne Ausdrucksweise und seinen ständigen Geplänkeln mit Fabrini das Niveau des Buches und die Stimmung der Überlebenden herunterzieht. Ganz im Gegenteil dazu stehen Cushing, George oder Gosling, ohne Frage die Sympathieträger in der Geschichte.

Bevor ich jedoch zu sehr rummeckere, möchte ich die positiven Aspekte des Buch nicht unerwähnt lassen. Und davon gibt es für mich ebenfalls jede Menge. Der Plot ist sehr interessant und ich mag Geschichten in denen Leute auf engstem Raum zusammengedrängt sind und um ihr Überleben kämpfen müssen - ohne die Möglichkeit zu haben, ihre Umgebung zu verlassen. Sei es weil sie sich an Bord eines Raumschiffs (Alien) befinden, in der Antarktis (Das Ding, Der eiskalte Tod) oder an Bord eines Schiffes auf hoher See (Virus, Ghost Ship). Auch das durcheinander verschiedener Genre im Buch gefällt mir. Es ist genauso gut ein Horrorroman wie auch ein SF Buch. Curran lässt nichts außen vor.

Das Buch ist eine Ausgeburt an durchgeknallten und aberwitzigen Ideen. Ein UFO, eine schwangere Außerirdische, Zeitreisen und Zeitportale werden genauso berücksichtigt wie ein Nebelmonster, welches auf dem Grundstoff radioaktiver Elemente aufgebaut ist und alles verstrahlt was sich ihm in den Weg stellt. Eine Kommunikation mit diesem Nebelmonster ist nicht möglich, selbst wenn man es wollte. Wen wundert es, wenn anschließend noch ein paar menschliche Überlebende, die es sich seit Jahren in den fremden Gefilden bequem gemacht haben, und ein durchgeknallter Wissenschaftler, der, wie auch immer, mit der Lösung aller Probleme aufwarten kann, dazukommen. Auch wenn sich das alles völlig abstrus liest, macht es dennoch Sinn und das große Ganze, das sich Curran hier zurecht gesponnen hat, wirkt sogar noch irgendwie logisch.

Auch die Schreibweise von Curran ist gefällig. Mal abgesehen von einigen, schon oben genannten kleineren Macken, liest sich das Buch gut und flüssig. Da ist nichts kompliziertes oder sprachlich anspruchsvolles, bzw. doppeldeutiges, dessen Sinn man erst durch längeres Nachdenken begreifen könnte. Gerade die Einfachheit des Stils und des Plots machen das Buch zu einer angenehmen Nachtlektüre, die vermutlich genau dann, wenn es draußen bereits dunkel und neblig geworden ist, am besten funktioniert.

Fazit:
Obwohl das Buch ziemliche Längen hat und dadurch beizeiten etwas langweilig wirkt, schafft es Tim Curran dennoch eine halbwegs stimmige und düstere Geschichte zu erzählen - auch wenn ich der Meinung bin, dass er so manchen Schwerpunkt falsch gesetzt hat . Der Grundtenor stimmt, aber am Rest hätte der Autor besser noch etwas gefeilt.
 
 
 


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