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Terry Pratchett

Keine Serie
Aus der Tastatur gefallen: Gedanken über das Leben, den Tod und schwarze Hüte


 
»Aus der Tastatur gefallen: Gedanken über das Leben, den Tod und schwarze Hüte« (Keine Serie) von Terry Pratchett


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Diese Anthologie versammelt die besten und unterhaltsamsten Essays, Artikel und Reden Terry Pratchetts. Hier findet man alles, was ihn im Lauf seines Lebens bewegt hat: Erinnerungen an seine Großmutter, Gedanken zu Gandalfs Liebesleben oder die Frage, welche Bücher, sein eigenes Werk inspiriert haben. Er spricht über seine Liebe zu Weihnachten, gibt Einblicke in seine Schulzeit oder verrät, zu welcher Tageszeit man am besten schreibt. Selbst die ernsten Themen, denen er sich widmet, sind stets durchdrungen vom Humor und der Lebensklugheit dieses wundervollen Autors.

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Das Buch beginnt, mehr oder weniger, mit einem Vorwort von Neil Gaiman, einem langjährigen Freund von Terry Pratchett. Nachdem ich dieses gelesen hatte, ahnte ich in etwa was auf mich zukommen würde. Ehrlich gesagt, habe ich hier zum ersten Mal begriffen, dass Terry Pratchett nicht einfach nur der lustige alte Mann mit einem dunklen Hut ist, dessen Scheibenweltbücher ich immer sehr gerne gelesen habe, sondern dass sich in seinem Innern wohl auch ein tiefer Zorn verborgen hat. Ein Zorn auf seine Krankheit (was leicht verständlich ist) und ein genereller Zorn, eigentlich auf Gott und Welt. Aus der Tastatur gefallen war also nicht nur witziges Buch über einen witzigen Mann, sondern ein Buch mit vielen, sehr vielen, ernsten Untertönen, was ich so nicht erwartet hatte.

Davon einmal abgesehen wird das Buch in vier Abschnitte unterteilt, die jeweils eine unterschiedliche Anzahl von Episoden, Geschichten, Anekdoten, Gedanken, Erinnerungen und Erfahrungsberichten beinhalten:

1. Der Störer mit dem Stift
2. Ein weltfremder Träumer
3. Tage des Zorns
4. Und zum Schluss…

Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind insgesamt rund 57 Geschichten in diesen vier Abschnitten zu finden, auf die man natürlich nicht im Einzelnen eingehen kann. Ich selbst aber würde das vorliegende Buch schlicht und ergreifend in drei Abschnitte einteilen. Die mit den lustigen Geschichten, die mit den eher langweiligen Geschichten und die mit den ganz persönlichen Geschichten, in denen er tief in seine Psyche und in sein Gefühlsleben blicken lässt.

In den wirklich persönlichen Geschichten reflektiert Pratchett seinen eigenen, von der Krankheit geprägten Zustand und gibt uns Einblicke in sein Gefühlsleben. Darüber hinaus schwadroniert er über das Gesundheitssystem in England, die Sterbehilfe im Allgemeinen und den Umgang mit seiner Krankheit, bezogen auf Menschen wie du und ich, auf Politiker und auf Ärzte. Man kann seinen Weg vom Betroffenen zum Aktivisten nachverfolgen und seinen Kampf um ein würdiges Sterben und das Recht auf einen selbstbestimmten Tod.

Natürlich sind diese Abschnitte sehr düster und hier spürt man dann auch den zuvor schon erwähnten Zorn von Pratchett ganz deutlich. Ob man diese Erinnerungen quasi direkt mit den teilweise dann wieder sehr witzigen Anekdoten vermischen kann, bleibt für mich manchmal recht fraglich. Wie verträgt sich das Lachen auf der einen Seite des Buches mit der Trauer über den Tod geliebter Menschen (zum Beispiel seines Vaters) nur zwei oder drei Seiten später. Allerdings soll das vorliegende Buch ja alle Aspekte Pratchetts abdecken und somit geht der schmale Grat dann schon wieder in Ordnung.

In den eher langweiligen Geschichten muss man Passagen lesen, die man in vorherigen Anekdoten bereits so oder so ähnlich schon gelesen hat. Das sind dann wirklich nur noch Wiederholungen, die bei ähnlichen Anlässen zum Besten gegeben worden sind und die man sich eigentlich hätte sparen können. Man ahnt dann immer sehr schnell, worauf Pratchett hinaus will und ein Nicht-schon-wieder- Effekt stellt sich ein. Solcherart Geschichten sind im Buch aber glücklicherweise nicht ganz so oft anzutreffen und deshalb auch verzeihlich.

Ein ganz anderes Kaliber sind hingegen die witzigen Geschichten und Anekdoten. Bereits die erste Geschichte Denkfortschritte hat mich so zum Lachen gebracht, dass ich unbedingt weiterlesen musste. Einfach herrlich. Auch immer dann, wenn Pratchett von seinen Buchlesungen, Cons oder ganz allgemeinen Treffen mit Fans schreibt, sind der Humor und der Lacher schon vorprogrammiert. Da ist er für mich dann wieder der „alte“ Terry Pratchett. Der Mann mit dem komischen Hut und der so verrückte Geschichten von einer flachen Welt schreibt, die auf den Schultern von vier Elefanten ruht, die ihrerseits auf dem Rücken einer Schildkröte stehen, welche durch das Weltall fliegt. Und erst da begreife ich, welchen Verlust seine Familie, die vielen Leser, Freunde, Kollegen und auch ich durch den Tod dieses Menschen erlitten haben. Wieviele neue Scheibenweltbücher hätte es wohl noch gegeben, wenn Terry Pratchett nicht vor über 5 Jahren (ist das wirklich schon so lange her?) verstorben wäre.

Beim Lesen des Buches habe ich also durchaus eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchlebt. Auf der einen Seite Geschichten die schreiend komisch und unglaublich witzig sind, auf der anderen Seite Geschichten die betroffen machen und zum Nachdenken anregen. Dies alles gemixt mit teilweise eher langweiligen Wiederholungen, die vermutlich niemand gebraucht hätte. Mit rund 400 Seiten ist das Buch auch glücklicherweise nicht ganz so bescheiden ausgefallen wie Ernsthaft lustig (128 Seiten) oder Mrs Bradshaws höchst nützliches Handbuch für alle Strecken der Hygienischen Eisenbahn Ankh-Morpork und Sto-Ebene (144 Seiten), die ich beide schrecklich fand und bei denen ich das Gefühl hatte, man wolle mit dem Tode des Autors noch einmal einen dicken Reibach machen.

Fazit
Mir hat das Buch gut gefallen und es hat mir Aspekte von Terry Pratchett gezeigt, die ich so noch nicht kannte und die ich bei ihm auch nicht vermutet hätte. Auch wenn es etwas ähnliches wohl mit dem Buch Der ganze Wahnsinn (ich habe es noch nicht gelesen) schon gegeben hat, kann ich Aus der Tastatur gefallen weiterempfehlen.
 
 
 


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