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Neil Gaiman

Niemalsland

  • Autor:Neil Gaiman
  • Titel: Niemalsland
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:01 August 1998
  • Preis:EUR 8,95 EUR

 
»Niemalsland« von Neil Gaiman


Besprochen von:
 
BelleCarys
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Richards Aufbruch nach London steht unter keinem guten Stern, denn sein Abschiedsabend endet in einem kolossalen Besäufnis und eine Obdachlose warnt ihn vor Türen.
Jahre später stellt sich diese Warnung als mehr als gerechtfertigt hinaus, denn er begegnet Door, genauer gesagt: der Lady Door. Eines Abends taucht sie plötzlich auf, liegt schutzlos und verletzt auf der Straße und als Richard sie mit zu sich nach Hause nimmt um sich um sie zu kümmern tut er mehr, als sich zum ersten Mal seiner Verlobten und ihren Wünschen zu widersetzen. Er öffnet eine Tür in eine andere Welt. Denn unter London – liegt London. Ein anderes, ein abenteuerliches, ein nahezu magisches London. Hier gibt es Engel und Ungeheuer, Heilige und Huren, Schönheit und Grauen zu Hauf. Nichts davon interessiert Richard, und alles was er will ist, schleunigst in sein gewohntes Leben zurück zu kehren. Zu seinem Entsetzen muss er jedoch feststellen, dass er in der Welt jenseits verlassener U-Bahnhhöfe und Geisterzüge nur noch ein Schatten ist. Der Tatsache geschuldet, dass es in „seinem“ London kein Leben mehr für ihn gibt, ergibt er sich in sein unterirdisches Schicksal und heftet sich stur an die Fersen von Door, die auf der Suche nach dem Auftraggeber des Mordes an ihrer Familie ist - immer in der Hoffnung, trotz permanent anderslautender Versicherungen seiner Wegbegleiter, einen Weg zurück nach Hause zu finden. Auf dieser Reise findet Richard weit mehr als nur ein Stückchen Wahrheit und am Ende muss er sich entscheiden, welches London das seine ist.

Leseeindrücke:
Gaiman ist ein fantastischer Erzähler im wahrsten Sinne des Wortes. Er spielt mit menschlichen Schwächen und Eitelkeiten, mit den kleinen und großen Helden und mit der Ambiguität eines jeden menschlichen Charakters. Die von ihm geschaffenen Figuren sind alle ebenso absurd wie realistisch und es gelingt ihm, sich auf dem schmalen Grad zwischen Klamauk und Humor immer auf der richtigen Seite aufzuhalten. Er reichert seine Geschichten mit genau soviel fantastischen Elementen an, wie es braucht um den Leser zunächst einmal in beruhigender Sicherheit zu wiegen, dass nichts dergleichen ihm je passieren könnte, denn dafür müsste es tatsächlich Engel und Heilige und insektenvertilgende, nahezu unsterbliche Massenmörder geben. Trotzdem sind all seine Figuren in ihren Eigenschaften nahe genug an der Realität um unbehaglichen Vergleichen mit Menschen standzuhalten, die dem einen oder anderen von uns im Alltag vermutlich schon begegnet sind.
So auch der Protagonist. Richard ist ein klassischer Jedermann. Solide durch und durch, in einer Beziehung von der er nicht recht weiß wie er zu ihr gekommen ist, in einem Job, den er nicht mag, der aber Sicherheit bietet, in einer Wohnung, die nicht großartig, aber ausreichend ist. Richard weiß dass das Leben vermutlich mehr zu bieten hätte, aber seine Natur verbietet ihm, allzu gründlich danach zu suchen.
Eine einzige Tat stellt sein komplettes Leben auf den Kopf. Der schlichte Wille, einem schutzlosen Mädchen Hilfe zu leisten, löscht den Jedermann aus und den Großteil des Buches ist Richard parallel zu der abenteuerlichen Suche nach der Antwort auf die Frage, warum Doors Familie sterben musste, auch unterwegs zu sich selbst.

Fazit:
Es ist sowohl Gaimans wunderbar leichtem Erzählstil, seiner ausgeprägten Fantasie, der Tatsache dass er sich auch nicht davor scheut das Hässliche und vermeintlich Abnorme mit der gleichen Hingabe zu beschreiben wie das Schöne, als auch seiner ausgezeichneten Menschenkenntnis geschuldet, dass es so ein großes Vergnügen ist, ins Niemalsland abzutauchen. Absolut uneingeschränkte Leseempfehlung.

 
 
 


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