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Julian Frost

Last days on Earth

Autor: Julian Frost
Titel: Last days on Earth
Serie: .
Genre: SF
Einband: Taschenbuch
Verlag: Piper
Datum: 01 April 2012
Preis: 16,99 EUR


 



Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:

 
 
Um einen Bücherraub und die damit begangenen Morde aufzuklären, bekommt die weiße Hexe und Mitarbeiterin im MID (Magische Informationsdienst) Karla van Zomeren, den Schwarzmagier und freien Mitarbeiter der ZMA (Zentrale Magische Aufklärung) Raoul Winter zur Seite gestellt. Als bekannt wird das Karlas Liebhaber ein Untergebener des Hauptverdächtigen Vittore Perfido ist, verliert sie ihren Job. Dennoch führt sie die Ermittlungen mit Winter weiter. Im Laufe der Untersuchung stellt sich jedoch heraus, dass nicht der Bücherraub und die Morde die eigentlichen Verbrechen sind, sondern vielmehr der Grund warum die Bücher gestohlen wurden. Denn dieser entpuppt sich als Auftakt zu einer riesigen Verschwörung die den Weltuntergang herbeiführen und alles Leben vernichten soll - pünktlich zum 21. Dezember. Dem Tag, an dem laut Maya Kalender angeblich der Weltuntergang stattfindet.

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Bei der Autorin des Buches handelt es sich um die 1958 geborenen Susanne Gerdom. Laut ihrer eigenen Homepage wuchs sie in Düsseldorf, bzw. am Niederrhein auf und absolvierte später eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Bekannt geworden ist sie durch ihre Bücher im Bereich Phantastik.

Wenn sie sich nun fragen sollten warum ich die Autorin kurz vorstelle, dann möchte ich einfach auf den Klappentext am Ende des Buches hinweisen, denn dort beginnt eigentlich schon das Verhängnis mit dem ich das Buch auch zukünftig in Erinnerung behalten werde. Die Autorin wird als Julian Frost, gebürtig in Schottland vorgestellt. Nur, warum ist das für mich so ein Verhängnis, wenn der Geburtsort der Autorin mal eben von Deutschland nach Schottland verlegt wird? Nun, weil genau hier bereits die große Mogelpackung beginnt. Aufgrund der Kombination Klappentext / Cover wird dem Leser etwas anderes suggeriert als das, was er schlussendlich vorgesetzt bekommt. Auch die Einordnung in den Bereich Thriller / Weltuntergang bestärkte mich in der Vermutung es mit einem spannungsgeladenen Endzeitthriller, wie ich ihn aus der Feder von Matthew Reilly, Steve Alten oder Brian D’Amato kenne, zu tun zu bekommen. Doch weit gefehlt. Hätte ich geahnt was ich statt dessen bekomme, wäre das Buch nicht auf meiner Leseliste gelandet.

Das Buch entpuppt sich als ein wilder Mix in dem sich sprechende Drachen, Zauberer, weiße Hexen, Vampire, Trolle, Daimonen, Werwölfe und andere phantastische Gestalten nur so die Hand geben. Nichts gegen die Kombination aus diesen unheimlichen Elementen, aber für mich tritt alles viel zu kompakt, zu überflutet auf. Es wimmelt im wahrsten Sinne des Wortes davon und schon nach kurzer Zeit hatte ich mir gewünscht, endlich mal einen normalen Menschen vorzufinden. Die Spitze des Eisbergs bildete der von einem Daimon „beherrschte“ Raoul Winter, der, quasi als Kraftfutter für seinen Daimon, eine Leiche auf einer Seite im Kühlschrank hängen hat (gleich neben der Butter, der Marmelade und dem Käse auf der anderen Seite) und die immer dann, wenn er mal wieder „beherrscht“ wird, weiter aufgefressen wird. Und das ganze bekommt er als Service aus dem nächsten Leichenschauhaus geliefert. Ich empfinde so etwas weder als lustig noch als netten Einfall, sondern einfach nur völlig daneben.

Auf den ersten Seiten passiert nicht wirklich viel. Ein seitenlanges Geplänkel der beiden, sich hier zum ersten Mal gegenüberstehenden, Hauptcharaktere Karla van Zomeren und Raoul Winter. Das liest sich zwar recht nett und zeigt auch schon mal auf, was von den beiden auf den restlichen Seiten noch zu erwarten ist, trägt aber nicht wirklich etwas zur Handlung bei. Überhaupt konzentriert sich das Buch mehr auf die Beziehung der beiden untereinander, beziehungsweise auf die Bekanntschaften die Karla so im Laufe des Buches hat. Sei es ihr Vampirliebhaber, der sie infiziert oder ihrem, zu Anfangs noch, Hauptverdächtigen Vittore Perfido. Wirkliche Ermittlungsarbeit um den Bücherdieben und Mördern habhaft zu werden findet eigentlich nicht statt. Statt dessen stolpern Karla und Raoul von einem Geschehen ins andere. So ist auch die letztendliche Auflösung des Falles eher Zufall. Sie fällt Karla irgendwie in den Schoss, als sie den Fall bereits für sich ad acta gelegt hat. Auch sind für mich die Hintergründe der Tat nicht wirklich nachvollziehbar. Die Maschine mit der besagter Weltuntergang herbeigeführt werden soll, um die sich also alles dreht, wird bewusst schwammig dargestellt und die Funktionsweise mit erfundenen und daher nicht nachvollziehbaren Worten erklärt – gerade so, wie es passt damit der Leser auch wirklich nichts kapiert und hinterfragen kann. Hauptsache es klingt irgendwie phantastisch.

Ein weiteres Problem habe ich, wenn z.B. diese, von solch einer Fülle von phantastischen Wesen bevölkerte Welt, einfach so ins hier und jetzt platziert wird. Da auf den Reaktorunfall von Fukushima angespielt wird, kann ich den Schauplatz dieser Geschichte nicht nur in unserer Welt, sondern auch in unserer Zeit vermuten. Nur, würde diese Welt, wie wir sie kennen, tatsächlich existieren (können) wenn es Drachen, Werwölfe, Vampire und Zombies in solch einem Ausmaß gibt? Diese leben nicht im Verborgenen, sondern mitten unter uns, die „normale“ Bevölkerung weiß um ihre Existenz. Da stünde es besser an, wenn die Autorin eine Art „alternativer Welt“ erschaffen hätte. Hier aber in der Geschichte passt es meines Erachtens nicht wirklich und wirkt deplaziert.

Die Charaktere sind zwar lebhaft und emotional, gehen dafür aber nicht besonders tief. Man erfährt nur das nötigste von ihnen. Auf ihre persönlichen Hintergründe oder ihre Vita wird nur begrenzt eingegangen. Das ganze wirkt dazu noch zu künstlich und gezwungen, wie von einem Datenblatt abgeschrieben (Erwähnung der Schwester, dem komatösen Ex-Partner von Karla, ...). Das alles ist nicht harmonisch in die Geschichte integriert und es bleibt in der Regel auch nur bei der Benennung dieser Fakten, die sich in ihrer Gesamtheit dann auch als unwichtig entpuppen.

Einen positiven Aspekt möchte ich aber auch noch anführen. Die Story ist wirklich gut zu lesen und Frau Gerdom hat eine recht gute und flüssige Schreibweise. Kein unnötiges Rumgeschwurbel oder komplizierte und verschachtelte Satzkonstruktionen. Sie versteht es Dinge auf den Punkt zu bringen und die Dialoge lesen sich teilweise doch recht witzig. Ihre Hauptcharaktere sind zwar relativ oberflächlich, wirken aber weder hölzern noch aufgesetzt.

Ich habe lange überlegt ob ich dem Buch überhaupt eine Wertung geben sollte. Es war für mich eine Mogelpackung (die Gründe habe ich zu Anfangs genannt), für die ich die Autorin aber nicht verantwortlich machen möchte. Zwar aufgemacht als Endzeitthriller aber dennoch eine Fantasygeschichte mit für mich relativ uninteressantem Inhalt. Es wäre einfach nur wünschenswert, wenn die Verlage mehr Gewicht auf den Klapptext legen würden und nicht wesentliche Teile außen vorlassen, bzw. falsche Erwartungen wecken. Aber dennoch, auch wenn ich mit diesem Zweig der Fantasy eher weniger anfangen kann, kann ich zumindest die Geschichte an sich und den Schreibstil bewerten. Und das habe ich dann auch gemacht.

Das Buch wird seine Leser finden oder hat sie schon gefunden. Aber Fans des Buches oder auch der Autorin mögen mir verzeihen, ich kann nichts damit anfangen. Das passiert schon mal wenn man sich über ein Buch nicht kundig macht, sondern sich einfach nur auf den Klappentext verlässt. Ich habe meinen Teil der Lektion gelernt.
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