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Joe Haldeman

Herr der Zeit

  • Autor:Joe Haldeman
  • Titel: Herr der Zeit
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Mantikore Verlag
  • Datum:22 Juni 2012
  • Preis:12,95 EUR

 
»Herr der Zeit« von Joe Haldeman


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Matthew Fuller, Lehrassistent und Doktorand am Massachusetts Institute of Technology (MIT) gelangt durch Zufall in den Besitz einer Zeitmaschine. Eigentlich handelt es sich dabei nur um einen einfachen Kalibrator. Was Matthew jedoch nicht weiß ist, dass er beim Zusammenbau dieses Gerätes ein Bauteil benutz hat, welches mehrdimensional arbeitet und in einer dieser höheren Dimensionen fehlerhaft funktioniert. Durch diese fehlerhafte Funktion, wird der Zeitreiseeffekt hervorgerufen.

Matthew nimmt einige Experimente vor und entdeckt, dass der Kalibrator, nach der Aktivierung, bei jedem neuen Versuch jeweils zwölfmal länger verschwindet als bei dem vorhergehenden. Ist es bei dem ersten Versuch noch eine Sekunde, so steigert sich die Dauer mit der Zeit auf Monate, Jahre und Jahrtausende. Das Problem ist nur, dass die Maschine in der Zeit nicht rückwärts, sondern nur vorwärts reisen kann. Nachdem Matthew sich zu einem Selbstversuch entschlossen hat, springt er durch die Jahrhunderte und Jahrtausende in der Zeit vorwärts. Bei einem Aufenthalt während seiner Reise trifft er das Mädchen Martha, die ihn fortan begleitet.

Da Matthew, bedingt durch ein Ereignis welches ihm bei einem seiner Aufenthalte in der Zukunft widerfuhr, überzeugt ist das die Zeitmaschine auch in die andere Richtung, also in die Vergangenheit, reisen kann, sucht er eine Zeit in dem die Bewohner der Erde in der Lage sind ihm zu helfen. Diese Zeit scheinen er und Martha Jahrmillion in der Zukunft gefunden zu haben. Nur, wie sollte es anders sein, gibt es bei der nun möglichen Reise zurück in die Vergangenheit einen gravierenden Haken.

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Ich muss gestehen, dass mich das vorliegende Buch doch ein kleinwenig enttäusch hat. Es ist ohne Frage recht interessant, aber das kann das Wetter von morgen oder die Lohnabrechnung des vergangenen Monats auch sein. Was mir einfach fehlt ist der Pep, die Spannung, das Staunen über die Welt von morgen. Das was Joe Haldeman hier abliefert ist eher ein nüchterner Reisebericht, denn ein fantasievolles Abenteuer - doch genau das sollte für mein Dafürhalten ein Zeitreiseroman sein. Vorbilder gibt es genug, ich denke da nur an Die Zeitmaschine von H. G. Wells, Timeline von Crichton, Doctor Who oder Zurück in die Zukunft. Egal was man von den Vorlagen hält, unterhaltsam sind sie allemal.

An den Hauptpersonen kann der fehlende Spaß auf jeden Fall nicht liegen. Mit Matthew Fuller hat Haldeman einen sympathischen, dafür aber auch recht unbedarften, Helden geschaffen. Auch die Figur Martha kann überzeugen. Bezeichnend vielleicht, dass ausgerechnet immer dann, wenn das von Matthew erbeutete Porno-Notebook in den Mittelpunkt rückt, die ganze Geschichte locker und beschwingt wird. Leider ist das nicht allzu oft der Fall.

Schwachpunkt des ganzen Buches ist für mich ohne Frage die relativ unspektakuläre Zukunft in die Matthew und Martha reisen. Haldeman hätte so viele Möglichkeiten gehabt sich etwas wundervolles, grauenhaftes oder schillerndes auszudenken und liefert dann so etwas ab. Die Zukunft in der Matthew Martha kennenlernt ist zwar nicht gerade langweilig, dafür aber doch relativ dröge. Wenn Matthew wenigstens etwas interessantes erleben würde, etwas fesselndes, aber nein, er stolpert durch die Zeit und liefert einen nüchternen Reisebericht ab. Nicht zu vergleichen mit den Filmabenteuern von Rod Taylor im unterirdischen Reich der Morlocks.

Haldemans Fehler war es die Geschichte unbedingt über Jahrmillionen spielen zu lassen. Dabei fing alles so prachtvoll an. Matthew landet bei einem seiner ersten Selbstversuche mit einem 1965er Ford Thunderbird, ohne Räder (die wurden bei der Zeitreise automatisch zurückgelassen), bekleidet mit einem Taucheranzug und seiner Schildkröte Hermann auf dem Beifahrersitz, mitten auf einer Hauptstraße in der Zukunft. Dabei verursacht er einen Unfall, wird festgenommen und kommt ins Gefängnis. Und genau zu diesem Zeitpunkt hat er ein Erlebnis, das in ihm die Meinung stärkt mit der Zeitmaschine auch in die Vergangenheit reisen zu können. Denn so wie es aussieht, hat er sich selbst in dieser Zeit besucht und Kaution gestellt, so dass er aus dem Gefängnis kommt. Statt sich auf diesen Faden der Handlung zu konzentrieren, der hätte wirklich gut werden können, schickt Haldeman seinen Helden weiter in eine literarisch trostlose Zukunft.

Ich weiß, das klingt alles gar nicht wirklich gut. Trotzdem möchte ich unbedingt eine Lanze für das Buch brechen. Ich liebe Zeitreisegeschichten, egal wie gut oder schlecht sie sind. Für mich ist eine Zeitreisegeschichte einfach das Salz in der Suppe und Haldeman macht seinen Job dennoch gut. Das Buch liest sich flüssig, auch wenn das Lektorat wirklich schlecht gearbeitet hat. Es wimmelt von Rechtschreibfehlern und der Lektor scheint mit dem Personalpronomen - er - nicht wirklich viel anfangen zu können, denn ein ums andere Mal fehlt es schlichtweg im Satz.

Vom Schreibstil her würde ich das Buch eher als eines der Frühwerke von Haldeman vermuten, auch wenn es aus dem Jahr 2007 ist. Es fehlt mir etwas die Brillianz die Haldeman in seinem All-time-Klassiker von 1975, Der ewige Krieg, geliefert hat. Es spricht aber auch für die Routine und Klasse des Autors wenn das vorliegende Buch gegen Ende hin noch einmal mächtig aufdreht und die sprichwörtliche Kurve kriegt. Denn die Alternative vor die Matthew und Martha am Ende der Geschichte gestellt werden, und damit quasi ungewollt in ihr nächstes Zeitabenteuer stolpern, ist klasse und schon fast wieder ein eigenes Buch wert.

Es ist dem Mantikore Verlag auf jeden Fall hoch anzurechnen das er sich den neueren Werken des mehrfachen Nebula und Hugo Award Preisträgers (um nur die wichtigsten seiner Preise zu nennen) Joe Haldeman angenommen hat. Auch das Interview am Ende des Buches mit Haldeman ist sehr aufschlussreich. Er erzählt über seine Kindheit und Jungend, seiner Motivation zum Schreiben, seinen Erlebnissen im Vietnamkrieg und über seine Werke an sich, hier darf sein bestes und bekanntestes Buch Der ewige Krieg natürlich nicht fehlen. Für November ist im Mantikore Verlag ein weiteres, bisher noch nicht auf deutsch erschienenes Buch des Autors, Camouflage, geplant. Ich freue mich jedenfalls drauf.
 
 
 


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