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James S. A. Corey

Expanse 4
Cibola brennt

  • Autor:James S. A. Corey
  • Titel: Cibola brennt
  • Serie:Expanse 4
  • Genre:SF
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:11 Mai 2015
  • Preis:14,99 EUR

 
»Cibola brennt« (Expanse 4) von James S. A. Corey


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Der Planet Neuterra, auch Ilus genannt, droht für die Menschheit zur Zerreißprobe zu werden. Als das Portal der Protomolekülerschaffer sich öffnet und der Menschheit den Weg zu unzähligen neuer Planeten weist, packen einige Bewohner Ganymeds die Gelegenheit beim Schopf und siedeln sich auf Ilus an. Dumm nur, dass der Erdkonzern Royal Charter Energy das gleiche vorhat. Auch er will Ilus für sich beanspruchen um dort Erze und Mineralien abzubauen. Der Konzern kann zudem noch einen offiziellen, von der UN genehmigten Antrag, vorweisen. Die Siedler jedoch können lediglich das Recht des Ersten für sich in Anspruch nehmen. Als die ersten Konzernlandefähren auf Ilus niedergehen, kommt es zum Unglück und Menschen sterben.

Damit der Konflikt nicht weiter eskaliert, wird James Holden an Bord der Rosinante von der UN und der AAP nach Ilus geschickt. Doch kaum ist Holden auf Ilus gelandet, werden plötzlich Alienartefakte, die ein systemumspannendes Verteidigungsnetz bilden und sich tief im Innern des Planeten befinden, aktiv. Zuerst löscht eine unterseeische Kernexplosion den halben Planeten aus und dann versagen die Fusionsreaktoren aller drei im Orbit befindlichen Schiffe. Diese drohen nun, ohne ihren Antrieb, auf den Planeten zu stürzen. Holden sieht nur eine Möglichkeit den endgültigen Untergang abzuwenden. Er muss jenen „blinden Fleck“ auf dem Planeten erreichen, von dem Joe Miller ihm erzählt hat, dass dort die einzige Möglichkeit besteht die Alienartefakte wieder zu deaktivieren.

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Cibola brennt (OT: Cibola burn) ist der vierte Band der Expanse Serie und hat, wie auch schon in allen Bänden zuvor, James Holden und die Crew der Rosinante als Protagonisten. Da es sich in erster Linie um ein lokales Kolonistenabenteuer handelt, kann man, mit viel gutem Willen, die Geschichte auch für sich alleine lesen. Besser wäre es aber dennoch, auch die Vorgängerbücher zu kennen, denn Corey (Daniel Abraham und Ty Franck) hat ein wirklich komplexes und vielschichtiges Universum entworfen. Die vielen verschiedenen Parteien und Interessengruppen machen es einem als Leser oftmals nicht immer einfach den Überblick zu behalten.

Obwohl mir das vorliegende Buch recht gut gefällt, komme ich aber nicht umhin auch ein bisschen Kritik zu üben. Ab und an sind die ewigen Auseinandersetzungen von Holden mit dem Sicherheitschef des Konzerns Murtry, etwas zu ausufernd. Das sich beide nicht leiden können, wird schnell klar. Zu unterschiedlich sind ihre Ziele. Während Holden versucht die Situation zu entspannen, heizt Murtry sie mit seinem rücksichtslosen Vorgehen gegen die illegalen Siedler noch zusätzlich an. Man wartet auf den großen Knall zwischen den beiden, der aber nicht so richtig kommen will.

Zudem fehlt mir so etwas der „kosmische Flair“ in der Geschichte oder auch der Sense of wonder. Das Portal hat sich geöffnet und Tausende von neuen Welten stehen den Menschen nun zur Verfügung. Da mutet es schon fast lächerlich an, dass ausgerechnet der erstbeste Planet bereits zum Zankapfel wird. Wer eine epische Reise der Rosinante, quer durch die neuen Welten erwartet oder gar weitere Hinweise auf die Protomolekülerschaffer oder deren Feinde, wird daher auch enttäuscht werden. Was man statt dessen bekommt ist ein etwas zu lang geratenes planetares Abenteuer.

Auch wenn der Anfang sich etwas zieht, wird die Geschichte spätestens ab der Aktivierung des Verteidigungsnetzwerkes recht spannend. Da der Fusionsantrieb der drei im Orbit befindlichen Raumschiffe ausfällt, drohen diese nun in der Atmosphäre des Planeten zu verglühen. Während die Rosinante versucht das Kolonistenschiff zu retten, planen die Angehörigen auf dem Konzernschiff hingegen die Vernichtung der beiden. Rettung naht ausgerechnet aus den Reihen der Konzernsicherheit, wo der stellvertretende Sicherheitschef, ein alter Bekannter aus dem ersten Buch Leviathan erwacht, nicht nach der Pfeife Murtrys tanzt, sondern seinem Gewissen folgt.

Als großes Plus entpuppt sich die Tatsache, dass Corey hier die verschiedenen Parteien nicht schwarz / weiß zeichnet. Es gibt die Guten und die Bösen sowohl unter den Kolonisten, wie auch unter den Konzernangehörigen. Da die ganze Situation sich als äußerst verzwickt erweist, und keine der Parteien freiwillig einen Rückzug machen will, steht Holden vor einer schwierigen Aufgabe. Das diese ausgerechnet durch die Aktivierung der Alientechnik sowohl ent- wie auch verschärft wird, ist ein glücklicher Umstand. Auch wenn es paradox klingt, aber durch die Gefahr die nun allen auf dem Planeten droht, rückt man näher zusammen und unterstützt sich gegenseitig (zumindest vorläufig).

Die Besatzung der Rosinante, die mich immer irgendwie an die von Joss Whedon entworfene Serie Serenity erinnert, hat wie gewohnt alles fest im Griff, auch wenn es mal etwas chaotischer wird. Lediglich Holden selber erscheint mir etwas zu ängstlich und zu besorgt dargestellt. Alles was irgendwie mit dem Protomolekül und deren Erschaffern zusammenhängt, Joe Miller eingeschlossen, jagt ihm eine Heidenangst ein.

Damit die ganze Geschichte nicht doch irgendwann einschläft und der Leser bei Laune gehalten wird, entwirft Corey zudem noch zahlreiche Bedrohungsszenarien. Seien es nun eine Kernexplosion, tödliche Schnecken, ein Virus der die Infizieren erblinden lässt oder ein schmelzender Mond, über Langeweile können sich Holden und Co nicht gerade beklagen. Genau so wenig wie auch die restliche Menschheit, die nun eine Auswanderungswelle durch das Portal befürchten muss. Der Mars oder der Gürtel drohen geradezu entvölkert zu werden. Spätestens in diesem Zusammenhang erfährt man auch, dass die eigentliche Mission Holdens gar nicht der Befriedung beider Parteien galt, sondern einem gänzlich anderem Ziel dienen sollte. Aber Holden, ehrlich und integer wie er nun mal ist, torpediert unwissentlich die eigentlichen Ziele der UN, der AAP und der Marsregierung.

Von den bisher vier erschienenen Büchern der Expanse Serie halte ich Cibola brennt für das schwächste – obwohl es immer noch gute Unterhaltung bietet. Es ist kurzweilig und mitunter sehr spannend, aber halt auch sehr auf einen starren Plot beschränkt. Die handelnden Charaktere wie Basia, Havelock, Elvi oder Murtry sind zwar nicht besonders tiefgründig, man kann jedoch ihre Taten und Handlungen nachvollziehen - auch wenn einem als Leser, ob deren Verhalten, oftmals nur noch den Kopf zu schütteln übrigbleibt. Die Geschichte ist in der Regel aus ihrer und Holdens jeweiliger Sicht geschildert und bietet schon allein dadurch diverse Perspektiven auf ein und dieselbe Sache. Der Spruch "Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe", passt wie die Faust aufs Auge.

Wer die ersten drei Bände gelesen hat, wird um den vierten wohl auch nicht herumkommen. Und da die beiden Autoren wohl eine etwas längere Reihe geplant haben, ist bereits schon der fünfte Band, Nemesis Games, in Amerika erschienen. Ich will mal hoffen, dass ich nicht zu lange auf die Übersetzung warten muss. Mir hat Cibola Burn auf jeden Fall gut gefallen.
 
 
 


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