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Dirk van den Boom

Tentakelreich

  • Autor:Dirk van den Boom
  • Titel: Tentakelreich
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Ebook
  • Verlag:Atlantis Verlag Guido Latz
  • Datum:18 Juni 2014
  • Preis:8,99 EUR

 
»Tentakelreich« von Dirk van den Boom


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Die Tentakel sind weiter auf dem Vormarsch. Nichts und niemand kann sie jetzt noch aufhalten und daran hindern, dass sie aus dem Rest der noch lebenden menschlichen Bevölkerung der Erde kleine Blumenbeete machen um ihre Nachkommen in diesen heranzuzüchten. Die wenigen Menschen die es geschafft haben entweder an Bord eines der Generationenschiffe zu gelangen und das heimische Sonnensystem zu verlassen oder von der Allianz evakuiert wurden, dürfen sich glücklich schätzen.

Als eines der Generationenschiffe, die Hopeful Vengeance, etwas abseits ihres Kurses ein unbekanntes Raumschiff (oder Raumstation) entdeckt, wird Roby hellhörig. Da es weder ein Schiff der Erde, noch eines der Tentakel ist, vermutet er etwas ungewöhnliches und geheimnisvolles in dem Objekt. Etwas, das vielleicht helfen könnte, der Erde im Kampf gegen die Tentakel einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Mit einer kleinen Expedition macht er sich auf den Weg.

In etwa zeitgleich erfährt Slap, im System der Allianz weilend, die Story seines Lebens. Fischer-im-Trüben, ein hohes Mitglied innerhalb der Allianz, offenbart sich ihm und erzählt die wahre Geschichte über die Allianz und die Tentakel - und diese Geschichte hat es für Slap einfach nur in sich und wirft sein komplettes Weltbild über den Haufen.

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„Geil“, war mein erster Gedanke als ich den letzen Satz im Buch vollendet und es grinsend in mein Regal zurückgestellt hatte. Und damit meinte ich nicht die mal wieder obligatorischen sexuellen Anspielungen und Eskapaden des Protagonisten namens Slap. Nein, das Buch ist aus zwei Gründen so richtig „geil“. Zum einen weil Dirk sein Versprechen wahrgemacht und mich als Nebenfigur eingebaut und verbrutzelt hat, und zum anderen aus dem Grund, weil er einfach, mal eben so, die Handlung der letzten Bände komplett ad absurdum geführt hat. Wenn der Leser bis dato noch geglaubt hat das er zumindest den Hauch einer Ahnung hat, so zeigt Dirk ihm nun, was wirklich Sache ist. Und das haut nicht nur Slap aus den Socken, sondern auch mich als Leser.

Überhaupt zeigt Dirk wieder einmal was so alles in ihm steckt. Die Handlung ist nicht nur aufregend, sexuell anregend und überaus spannend, sondern auch ziemlich verzwickt und gespickt mit immer neuen Erkenntnissen. Sie fährt dreigleisig, aber das ist ja nichts neues in den Tentakelromanen und sollte einen daher auch nicht sonderlich überraschen.

Als erstes wären da die Abenteuer rund um Roby und seine Gefährten. Nachdem diese ihr beschädigtes Raumschiff verlassen mussten und an Bord eines Tentakelraumes nicht nur einige Abenteuer bestehen, sondern auch neue außerirdische Freunde finden konnten, verschlägt es sie an Bord der Hopeful Vengeance. Wäre nicht die Sichtung des unbekannten Raumers dazwischen gekommen, hätte es sogar ein guter Tag für Roby und seine Bella werden können. In der Tat macht er einige wichtige Entdeckungen, aber leider hat er persönlich nichts mehr davon. In einem zerstörten Raumschiff, hoffnungslos verloren und durchs All treibend, kann er sich noch zumindest über die Möglichkeit eines schnellen und schmerzlosen Todes erfreuen. So bleibt es denn auch maximal ein guter Tag zum sterben für ihn – wenn er denn will.

Neue Freunde der nicht für möglich gehaltenen Art findet auch der Kontaktavatar Mirinda. Tentakel die auf Menschen stehen und diese als Freunde ansehen, wer hätte das gedacht? Aber, ist diesen tentakeligen Typen wirklich zu trauen? Nur weil sie von den Menschen in einer Forschungsstation herangezüchtet und indoktriniert wurden? Insbesondere dann, wenn sie ihre menschlichen Freunde mitten in ein Gartencenter, einer Todeszone für Menschen, führen?

Die wirklich umwerfenden Ereignisse jedoch erlebt Slap. Sex, irgendwie jedenfalls, mit einem außerirdischen Gallertklumpen und der Kontakt zu einer Gruppe die sich Letzte Instanz nennt und die sich nicht nur erfolgreich gegen die Angriffe der Tentakel erwehren konnte, sondern die Ihnen auch durchwegs ebenbürtig ist. Zum ersten Mal, dass wirklich so etwas wie Hoffnung aufkeimt die Tentakel endlich besiegen zu können. Umso schockierender dann die Geschichte die Fischer-im-Trüben Slap erzählt und ihm damit sämtliche Hoffnung raubt. Alles nur Lug und Trug, Lügen ohne Ende. Slap ist zu einem Schicksal verdammt wie es schlimmer nicht sein könnte. Aber, paradoxerweise, einem Schicksal, das auch die Lösung aller Probleme mit den Tentakeln in sich birgt. Slap hätte die einmalige Gelegenheit, das Tentakelimperium von innen heraus zu zersetzen. Vorausgesetzt jedoch, er könnte sich einen Teil seiner Menschlichkeit und seines Ichs bewahren. Was das genau heißt fragt ihr? Nun, selber lesen, es lohnt sich auf jeden Fall.

Der Schreibstil von Dirk macht es mir als Leser einfach am Ball zu bleiben. Er ist eine gesunde Mischung aus Humor und Zynismus, gut zu lesen und eigentlich sehr kurzweilig. Der Mann, der einmal von sich behauptet hat er möge kein Rumgeschwurbel (so habe ich es jedenfalls in Erinnerung), kommt schnell zur Sache und treibt die Handlung actionmäßig voran, was allerdings ja auch kein Wunder bei dem Thema ist. Die sexuellen Eskapaden von Slap halten sich glücklicherweise etwas im Hintergrund und sind nicht mehr ganz so ausufernd wie in den vorangegangenen Bänden. Ein Segen wie ich finde, denn was Slap mit der außeridischen Botschafterin Rhy'a erlebt, möche ich auch ehrlich gesagt in so einer Deutlichkeit gar nicht lesen. Brrrr.... Aber was kann man von jemandem, dessen Parole "Raumschiffe, Titten und Tentakel" lautet, schon anderes erwarten? :-)

Nachdem er bei seinen Protagonisten sensenmäßig tabula rasa vollzogen hat, konnte ich mir die Frage, ob er eine Bindung zu seinen Figuren aufbaut, einfach nicht verkneifen. Seine Antwort war (wie gewohnt) knapp und prägnant: "Manchmal fühlt man sich verbunden, manchmal nicht so. Aber das darf einen niemals davon abhalten, das Nötige zu tun." (So ein herzloser Tentakel!)

Euch liebe Leser kann ich auch nur empfehlen das Nötige zu tun. Wer bisher seine helle Freude an der Tentakelreihe hatte, sollte sich nicht abhalten lassen, auch diesen Band zu kaufen - natürlich nicht nur weil ich darin mitspiele (was aber durchaus ein guter Grund wäre). Nein, Tentakelreich (OT: Tentakelreich), der sechste Band der Tentakelreihe und somit die zweite von drei Trilogien, ist ein actionbeladenes Spektakel in bester Dirk van den Boom Manier. Kurzweilig, feucht und gespickt mit Überraschungen wie man sie als Leser nicht erwartet hätte. Definitiv eine Leseempfehlung.
 
 
 


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