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Andrzej Sapkowski

Etwas endet, etwas beginnt: Erzählungen


 
»Etwas endet, etwas beginnt: Erzählungen« von Andrzej Sapkowski


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
In die Herzen der nationalen und internationalen Fans konnte sich der Autor Andrzej Sapkowski durch seine Bücher rund um den Hexer Geralt schreiben. Bereits schon fünfmal durfte er den in seinem Heimatland Polen sehr begehrten und preisträchtigen Janusz-A.-Zajdel Preis, vergleichbar mit dem Deutschen SF Preis, entgegennehmen. Dreimal bekam er dabei die Auszeichnung für seine Novellen, zweimal für seine Bücher. Das war für den dtv Verlag offensichtlich Grund genug, eine Sammlung mit acht Novellen, quer durch den ganzen Bereich der Phantastik, herauszubringen. Die doch sehr abwechslungsreichen Geschichten wurden im Zeitraum von 1988 bis 2000 geschrieben und zuvor in diversen polnischen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Zu jeder seiner Geschichten hat Sapkowski in einem Vorwort jeweils eine kleine Anekdote oder Anmerkung geschrieben.

Ich muss gestehen, dass mir die Geschichten qualitätsmäßig recht gut gefallen haben. Sapkowski, den ich hier zum ersten mal gelesen habe, entpuppt sich als versierter Erzähler, der mir durch seinen humorvollen Stil und seine sehr eigenen Auslegungen bekannter Erzählungen (Alice im Wunderland) und Legenden (Tristan und Isolde) wohl in Erinnerung bleiben wird. Allerdings muss ich gleichfalls gestehen, dass mir seine fantasylastigen Novellen inhaltlich erheblich besser gefallen haben als die, die eher im Bereich SF und Horror anzusiedeln sind. So bin ich etwa mit der Novelle Tandaradei!, welche für mich gleichzeitig auch die schwächste ist, nicht wirklich klargekommen. Sapkowski selbst ordnet die Geschichte rund um seine Protagonistin Monika Szreder in den Bereich Horror ein, ebenso wie die Novelle Die Musikanten. Letztere erinnert mich sehr stark an die Geschichte Die Musik des Erich Zann von H. P. Lovecraft, in der auch das Böse im Hintergrund einer fremden Dimension lauert und nur mit Hilfe von Musik daran gehindert werden kann in unsere einzudringen. Allerdings liefert Lovecraft einen menschlichen Musiker, während es bei Sapkowski eine Gruppe von Tieren, aber hauptsächlich die Katze Debbe, ist.

Eine Katze spielt ebenfalls in Der goldene Nachmittag die Hauptrolle. Bei der Katze handelt es sich um keine geringere als die bekannte Cheshire Katze (Grinsekatze) aus Lewis Carrols Erzählung Alice im Wunderland. Die Geschichte ist zwar recht humorvoll und unterhaltsam, aber dennoch nicht so ganz mein Fall. Etwas kriegerischer und moderner geht es in Im Bombentrichter zu, eine Novelle, für die Sapkowski 1993 den zuvor erwähnten Janusz-A.-Zajdel Preis erhielt. Im einem vom Krieg gebeutelten Warschau einer zukünftigen Zeit, treffen sich drei Jungendliche auf ihrem Weg zur Schule, in einem Bombentrichter und erfahren dort die Absurditäten des Krieges.

Als Höhepunkte im Buch betrachte ich unter anderem die Geschichten Der Weg von dem niemand zurückkehrt, Etwas endet etwas beginnt, Ein Vorfall in Mischief Creek und Maladie. Letztere ist eine Art „Liebeserklärung“ an die Tristan und Isolde Legende, dem Paar, dem es nie bestimmt war zusammen zu kommen und das sich doch so innig liebte. Genau wie das Vorbild endet auch Sapkowskis Fassung, erzählt durch die Augen des Ritters Morholt und der Lady Branwen, tragisch. Wesentlich heiterer geht es in Etwas endet, etwas beginnt zu. Hier dreht sich alles um die Vorbereitungen zur Hochzeit von Hexer Geralt mit seiner Auserwählten Yennefer. Genau wie im richtigen Leben, geht auch hier so manches schief und tummeln sich die seltsamsten Gäste am Hof. Eine Art „Running Gag“, rund um den Gnom Schuttenbach, hat Sapkowski auch gleich mit eingeflochten. Die Geschichte liest sich wirklich gut und ich konnte oftmals herzlich lachen.

Weniger lustig geht es hingegen in der Geschichte Ein Vorfall in Mischief Creek zu. Hier soll im Jahr 1692 eine Gruppe Hexenjäger eine aus der Haft entflohene Hexe fangen. Ihr Weg führt sie in die gleichnamige kleine Siedlung, die von recht schönen Frauen und einer Schar recht schwachköpfiger Männer bewohnt wird. Das die wackeren Hexenjäger hier ihre(n) Meister(in) finden werden, wird zumindest dem Leser schnell klar, nur leider nicht den Jägern. Was man so nebenbei noch alles über die Hexenverfolgung und den Methoden zur Geständniserzwingung lernt, macht betroffen und kann einem schon den Schauer über den Rücken laufen lassen.

Die erste Geschichte des Buches, Der Weg von dem niemand zurückkehrt, hat mir persönlich am besten gefallen. Eine spannende Fantasygeschichte rund um den Ritter Korin und der Zauberin und Heilerin Visenna, die sich mehr zufällig an einer Weggabelung treffen. Aus Dankbarkeit für die Heilung seiner Wunde (und natürlich in der Hoffnung auf Profit) schließt sich Korin Visenna an. Diese ist auf dem Weg in einen kleinen Ort der sie um Hilfe gerufen hat. Ein Monster, ein Knoch, macht den Gebirgspass in der Nähe unsicher und zerstört die Karawanen, die ihn überqueren müssen. Durch die ausbleibenden Karawanen ist der Ort in eine wirtschaftliche Misere gerutscht und erhofft sich nun von Visenna Hilfe. Im Vorwort zur Geschichte, erwähnt Sapkowski, dass es sich bei Korin und Visenna um die Eltern des Hexers Geralt handelt. Somit entpuppt sich diese Geschichte und Etwas endet, etwas beginnt, als ein Teil der Geralt Saga.

Fazit:
Auch wenn der Stil von Sapkowski mitunter etwas gestelzt anmutet, was aber auch dem Versuch geschuldet sein kann sich einer mittelalterlichen Erzählweise zu befleißigen, lustigerweise wies Sapkowski in seinem Vorwort zur ersten Geschichte darauf hin, dass er genau dies nicht wollte, hat mir das vorliegende Buch gut gefallen. Es bietet acht abwechslungsreiche und unterschiedliche Geschichten aus dem Bereich Fantasy, Horror und SF. Inhaltlich gesehen hatte ich zwar ab und an so meine Schwierigkeiten der Handlung zu folgen (liegt aber wohl eher an mir persönlich als an dem Autoren), aber dennoch ist Sapkowskis Art zu schreiben recht angenehm zu lesen. Da ich ohnehin ein Fan von Kurzgeschichten und Novellen bin, kam mir diese Art der ersten Begegnung mit Sapkowski doch sehr entgegen und weckt durchaus das Interesse in mir, sich mal in die Hexer Geralt Reihe einzulesen. Mir hat es auf jeden Fall gefallen.
 
 
 


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