•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Andreas Brandhorst

Ewiges Leben: Thriller

  • Autor:Andreas Brandhorst
  • Titel: Ewiges Leben: Thriller
  • Serie:
  • Genre:
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Piper Paperback
  • Datum:02 Oktober 2018
  • Preis:16,99 EUR

 
»Ewiges Leben: Thriller« von Andreas Brandhorst


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Futuria ist der mächtigste Biotechnologie-Konzern der Erde. Führend im Kampf gegen Krebs und genteschnische Heilung von Krankheiten, ist das eigentliche Ziel des Unternehmens jedoch die biologische Unsterblichkeit für alle Menschen zu erreichen. Offiziell stehen die Wissenschaftler angeblich kurz vor dem Erreichen dieses wunderbaren Unterfangens. Inoffiziell jedoch, sind bereits einige Menschen durch die Futuria-Wissenschaftler zu Unsterblichen „gemacht“ worden. Diese bereiten nun alles vor, um die Welt nach ihren eigenen Maßstäben für die Zeit der Unsterblichkeit vorzubereiten. Unglücklicherweise sieht Futuria für die restliche Menscheit aber eine ganz andere Art von Unsterblichkeit vor als die der biologischen und derjenigen, welche sie den Menschen in aller Welt versprechen.

Als die Journalistin Sophia Marchetti und ihr Kameramann Borris Ekström von Futuria ausgewählt werden um eine Firmengeschichte zu verfassen, stoßen sie bei ihren Recherchen auf immer mehr Lücken und Widersprüche. Ein geheimnisvoller Unbekannter nimmt Kontakt zu ihnen auf und lässt ihnen unglaubliche Informationen zukommen, die alles ad absurdum führen, was Sophia und Borris zu wissen glaubten. Eine der Spuren führt nach Eden, einer von Futuria geschaffenen virtuellen Realität, in welche die Menschen überall auf der Welt ihre Träume und Wünsche ausleben können. Überwacht wird Eden von einer künstlichen Intelligenz namens Mutter, die gerade dabei ist, sich von ihren Erschaffern zu lösen und eigene Wege zu gehen.

---

Also, so langsam wird mir Herr Brandhorst richtig unheimlich. Was er in den letzten Jahren so an Büchern rausgehauen hat ist echt beachtenswert. Der vorliegende Band Ewiges Leben ist nach Die Tiefen der Zeit sogar der zweite Roman der von ihm in diesem Jahr erschienen ist. Das wirft natürlich die Frage auf, ob die Qualität auch mit der Quantität mithalten kann. Das vorliegende Buch hat mir eigentlich recht gut gefallen, auch wenn es nach dem Motto „Ready Player one meets Matrix – nur ohne Telefonzellen“ gestrickt ist.

Ich habe es eigentlich nicht so mit Geschichten aus dem Cyberspace, auch virtuelle Realität genannt. Ich arbeite zwar selber in der IT, mache aber doch in der Regel um solche Themen eher einen Bogen. Allein die Tatsache das der Roman von Andreas Brandhorst ist, und ich doch wieder gerne mal einen Thriller von ihm lesen wollte, hat mich umgestimmt. Das Buch war gut, hat mich aber nicht völlig mitnehmen können. Und dafür gab es einige Gründe.

Die Geschiche fängt zwar recht spannend an, läßt mich dann aber als Leser einfach zu lange im Regen stehen. Sprich, die Informationen fließen einfach zu langsam. Man ahnt, alleine schon durch den Klappentext, dass etwas bei Futuria im Argen liegt und die Firma nicht so astrein ist, wie es den Anschein hat. Licht in das Dunkel kann eigentich nur der Gründer der Firma bringen, Pascal Leclerq. Dieser gilt offiziell als tot, inoffiziell ist er jedoch als Gedächtnisaufzeichnung (sein Körper wurde getötet und sein Gedächtnis in die virtuelle Eden Realität hochgeladen) auf der Flucht vor seinem einstigen Compagnon und Firmenmitbegründer Vanheuver (der Futuria für seine eigenen Machenschaften benutzen will).

Leclerq, ein waschechter Altruist, will das dunkle Geheimnis von Futuria aufdecken, und Vanheuver ans Messer liefern. Das erhofft er durch ein Treffen mit der Journalistin Sophia zu erreichen. Auch als Leser wartet man sehnsüchtig darauf, nun eingeweiht zu werden. Quasi dreiviertel des Buches laufen auf dieses Treffen hinaus. Und was passiert als Sophia und Leclerq sich in Eden endlich gegenüberstehen? Leclerq wird endgültig getötet (bzw. seine Gedächtnisdaten werden gelöscht, er ist ja nur eine Aufzeichnung seiner selbst) bevor er auch nur Piep sagen kann. Tja, was soll man davon halten? Da kommt man sich doch etwas verarscht vor, oder?

Der religiöse Aspekt des Buche ist für mich etwas überbewertet. Auch wenn das Thema Unsterblichkeit durchaus mit dem Leben nach dem Tod (entweder in der Hölle oder bei Gott) einhergeht, hätte man nicht gleich den Papst vorschicken und eine Nebenhandlung um ihn kreieren müssen. Sollte die heutige verkommene Welt die Wahl haben zwischen Unsterblichkeit und Gott, wäre das Ergebnis wohl glasklar. Die Empfehlungen des Papstes wären da wohl für die überwiegende Mehrheit der Menschen mehr oder weniger bedeutungslos. Und wenn ich schon ein Statement der christlichen Religion einbinde, sollte ich doch vielleicht auch die anderen großen Religionen nicht außen vorlassen. Das hat Brandhorst jedoch getan.

Ferner ist das Buch etwas überladen wie ich finde. Brandhorst versucht hier zu viele Themenkomplexe miteinander zu kombinieren: Virtuelle Welten, eine künstliche Intelligenz, Religion, Unsterblichkeit, genetische Züchtungen, ein Komplott und, wenn man es etwas lockerer betrachtet, auch eine Art von postapokalyptischem Szenario.

Die Protagonisten (Sophia, Borris und Casper) und ihr großer Antagonist Jossul, samt seinem Gefolge, sind durchaus gut gelungene Charaktere. Casper ist insbesondere durch seine Vorgeschichte eine sehr interessante Figur, für mich sogar noch interessanter als Sophia, die eigentliche Heldin des Buches. Mit Jossul, einem religiösen Fanatiker, und seinem Gequatsche, dass er die Stimme Gottes hört und mit seiner Autorität spricht, habe ich mich Anfangs sehr schwer getan. Erst gegen Ende hin, als man erfährt was es mit Jossul genau auf sich hat, wird einiges klarer. Möglicherweise wäre es jedoch besser gewesen das Geheimnis um Jossuls Identität bereits früher aufzudecken. Dann hätte es vielleicht nicht den Aha-Effekt gegeben, aber zumindest das Gehabe um seine Stimme, das mich einfach nur genervt hat, wäre mir erspart geblieben. Und ich kann mir gut vorstellen, dass ich nicht der einzige Genervte war.

Die Geschichte selber ist recht unterhaltsam und kurzweilig geschrieben. Das Geheimnis, welches es zu lüften gilt, bleibt bis zum Schluß im Verborgenen. Brandhorst führt den Leser auf viele falsche Fährten bevor er ihm dann reinen Wein einschenkt. Ebenfalls ist der wiederholte Wechsel der Erzählperspektive eine gelungene Sache. Diese schwankt in der Regel zwischen den Ermittlungen von Sophia und Borris, dem Handlungsstrang um Jossul und seiner Untergrundbewegung um die Unsterblichkeit zu sabotieren und dem „weiteren“ Leben von Papst Pius in Eden. Wie schon geschrieben, alles recht unterhaltsam geschildert, aber leider auch etwas überfrachtet.

Fehlende Aktualität kann man Herrn Brandhorst auch nicht vorwerfen, wie eigentlch in keinem seiner Bücher. Die von ihm geschilderte CRISPR/CAS Methode, welche die Wissenschaftler von Futuria anwenden um genetische Anomalien zu korrigieren, wurde dieses Jahr von dem chinesischen Wissenschaftlers He Jiankui angewandt, um die ersten genmanipulierten Babys auf die Welt zu bringen. Eine äußerst umstrittene Methode, die ihm eher Tadel als Lob eingebraucht hat. Interessanterweise passierte das aber erst nach der Veröffentlichung des Buches. Brandhorst war seiner Zeit also durchaus etwas voraus.

Fazit
Kurzweilig und unterhaltsam geschrieben, aber leider auch thematisch etwas überfrachtet. Das nimmt einem als Leser aber dennoch nicht die Freude an dem Buch. Als SF und Thriller Autor gehört Brandhorst für mich auf jeden Fall zur ersten Wahl.
 
 
 


Mehr Rezensionen von D. Vallenton