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Alex Marshall

Blut aus Silber

  • Autor:Alex Marshall
  • Titel: Blut aus Silber
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Piper
  • Datum:05 Oktober 2015
  • Preis:19,99 EUR

 
»Blut aus Silber« von Alex Marshall


Besprochen von:
 
NannyOgg
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Vor 20 Jahren hat die Kobaltblaue Zosia zusammen mit ihren fünf Schurken Krieg gegen das Scharlachrote Imperium geführt. Sie hat von Reformen geträumt, von einer Welt, in der Bauern wie Adlige gleichberechtigt sind. Als sie die Krone erobert hat, musste sie allerdings erkennen, dass Reformen nicht durchzusetzen sind, wenn zu viele Menschen dadurch zu viel zu verlieren haben und zu mächtig sind. Desillusioniert lässt sie sich auf ein Duell mit der Erbin des ursprünglichen Königs ein, täuscht ihren Tod vor und zieht sich aus der Welt zurück.

20 Jahre später sitzt Königin Indsorith, Hüterin des Scharlachroten Imperiums auf dem Thron. Die Schwarze Kette mit ihrem Oberhaupt, der Schwarzen Päpstin, ist dabei, ihre Glaubensmacht auf alle Reiche und Völker auszudehnen. Zosia lebt unerkannt mit ihrem Ehemann in einem kleinen Dorf, abseits aller Politik. Doch dann holt sie die Vergangenheit ein: ein Regiment des Scharlachroten Imperiums erscheint im Dorf und tötet sämtliche Bewohner. Zosia muss hilflos zusehen, kann aber selbst entkommen. Voller Schmerz schwört sie Rache und macht sich auf den Weg, Königin Indsorith und sämtliche Soldaten, die an der Auslöschung ihres Dorfes beteiligt waren, zu töten. Auf ihrem Weg muss sie allerdings erkennen, dass nicht alles so ist, wie es scheint und nicht jeder ihrer alten Verbündeten und Freunde sich freut, sie zu sehen.

Währenddessen taucht eine neue Kobaltblaue Kompanie in der Welt auf, um Krieg gegen das Imperium zu führen. Die Anführerin hat blaues Haar und gibt sich als Zosia aus, ihre wahren Pläne sind aber den wenigsten bekannt.

Maroto, einer der alten Schurken, lebt ein armseliges Leben mit kaputter Vergangenheit und verdingt sich als Reiseleiter dekadenter Adliger. Als er hört, dass seine einstige Liebe Zosia von den Toten zurückgekehrt sein soll, macht er sich auf den Weg, sie zu finden, im Gepäck ein paar der Adligen, die sich ein großes Abenteuer erhoffen.

Marotos Neffe macht sich dagegen mit seinem Großvater auf den Weg, um sich endlich mit seinem Onkel auszusprechen. In einer verlassenen Stadt begegnet er allerdings der Gesichtslosen Herrin, die ihm ein ganz anderes Ziel für seine Reise nennt.

Während eine große Schlacht zwischen der Kobaltblauen Kompanie und dem Scharlachroten Imperium immer näher rückt, versucht jeder der Beteiligten, auf seine Weise zu überleben. Es werden Intrigen gesponnen, Morde befohlen und Rache geschworen. Währenddessen hat die Schwarze Kette eigene Pläne und sendet einen ihrer Kettenmeister aus, um die Spielregeln zu ändern...


Kommentar:
„Blut aus Silber“ ist nicht schön. Es gibt keine Helden und keine Heldentaten. Die Welt ist hart und grausam, Fehler werden bestraft, Barmherzigkeit gibt es nicht. Menschen sterben, es gibt kaum Hoffnung und viel Tod. Die Menschen trinken, rauchen, nehmen Drogen, bluten, kotzen sich voll und leiden, statt unbesiegbar zu sein. Auch der Tod ist alles andere als heldenhaft. Er ist schmutzig, meist sinnlos und oftmals nur einem dummen Zufall geschuldet. Manchmal ist die Welt so düster und hoffnungslos, dass es einem beim Lesen schmerzt. Die Sprache des Buches passt zum Inhalt, sie ist teilweise hart und oftmals sehr derb, trotzdem nimmt sie den Leser gefangen.

Kaum einer der Charaktere ist durchweg sympathisch. Sie haben alle ihre Fehler, Schwächen und grausamen Züge. Sie sind nicht wie in manch anderem Fantasy-Buch jung, stark und unbesiegbar. Alle Protagonisten sind gebrochene Figuren, alt und des Kämpfens müde oder jung und naiv, blind für die Schrecken, abgestürzt durch Drogen und Alkohol, ohne Freunde oder mit falschen Freunden. Es gibt keine Gewinner, nur Verlierer. Niemand weiß, wem er vertrauen kann, welche Ziele die anderen verfolgen und wer für was verantwortlich ist. Das gilt auch für den Leser, der nie weiß, wer auf wessen Seite steht. Verbündete und Freunde werden plötzlich zu Verrätern, die „Bösen“ sind nicht so böse wie es scheint. Die Motive sind oft unklar und eigentlich ganz anders, als erwartet.

Zosia ist eigentlich schon zu alt für das Kämpfen. Sie hat graue Haare, wird von Arthritis geplagt und ihr Körper ist anfangs alles andere als kampfgestählt. Dafür hat sie eine scharfe Zunge und eine aufbrausende Art, raucht, trinkt, ist ruppig und flucht auch gerne. Wie die anderen auch besitzt sie einen teilweise trockenen Humor, das einzige, was bleibt, um in dieser Welt zu überleben und nicht wahnsinnig zu werden.

Bis auf zwei der Nebenfiguren, Purna und Choi, empfand ich eigentlich alle Charaktere als mehr oder weniger unsympathisch. Selbst Zosia hat Charakterzüge, die sie kalt und unnahbar erscheinen lassen. Immer, wenn mir etwas gefallen hat und ich anfing, die Person liebzugewinnen, tut sie irgendetwas, um die Sympathien wieder zu zerstören. Umgekehrt gab es Figuren, die plötzlich sympathisch erschienen, wenn auch nur für einen kurzen Moment. Trotzdem habe ich mit den Charakteren mitgefiebert und -gelitten; einige habe ich für das gehasst was sie tun. Überhaupt war es leichter, sie zu hassen als zu lieben. Doch egal wie trostlos die Lage ist, wie lange sich die Protagonisten treiben lassen und wie oft sie Rückfälle haben, eigentlich gibt keiner von ihnen auf. Jeder kämpft für irgendetwas oder irgendjemanden, statt sich der Hoffnungslosigkeit hinzugeben.

Anfangs werden sehr viele Namen und Orte genannt, sodass es schwierig war, den Überblick zu behalten. Es dauert, bis der Leser mit der Welt vertraut ist, die Geschichte und die Charaktere kennt. Die Handlung erschließt sich erst nach und nach. Es gibt mehrere Erzählstränge, die zuerst unabhängig voneinander sind, sich schließlich nach und nach verbinden. Durch die komplexe Welt und die vielen Personen, die eine Rolle spielen, hätte ich es sinnvoll gefunden, wenn eine Karte der verschiedenen Reiche und Orte sowie ein Personenverzeichnis dem Buch hinzugefügt worden wären. Da beides fehlte, fiel es mir anfangs schwer, mir die Welt vorzustellen, bis der Aufbau nach und nach erklärt wird. Während das Buch am Ende Fahrt aufnimmt, hat es anfangs gedauert, bis ich mich hineinfinden konnte.

Am Ende des Buches wurde eine Schlacht geschlagen und einige offene Fragen zumindest ansatzweise beantwortet. Allerdings sind im Laufe des Buches noch mehr Fragen aufgetaucht, sodass ich das Gefühl hatte, dass es am Ende noch viel mehr offene Fragen als am Anfang gab. Ich kann nur hoffen, dass das nächste Buch möglichst schnell veröffentlicht wird, damit ich einige Antworten bekomme.

Fazit:
Dieses Buch wird nicht jedem gefallen. Es ist düster, grausam und trostlos. Es gibt keine Helden, sondern nur gebrochene Gestalten. Die Sprache ist dem einen oder anderen vielleicht auch zu derb. Trotzdem – oder gerade deswegen – hat das Buch einen Sog auf mich ausgeübt, dem ich mich nicht entziehen konnte. Ich hoffe, der nächste Teil lässt nicht lange auf sich warten.
 
 
 


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