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Alan Dean Foster

Genom

  • Autor:Alan Dean Foster
  • Titel: Genom
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Bastei Lübbe (Bastei Verlag)
  • Datum:16 November 2012
  • Preis:8,99 EUR

 
»Genom« von Alan Dean Foster


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(3)

 
 
Die beiden Verbrecher Whispr und Jiminy sind auf der Flucht vor der Polizei. Kurz zuvor hatten sie einen Mann umgebracht, ihm chirurgisch die Hand vom Arm getrennt und eine Art Chip, in Form eines dünnen Fadens, gestohlen. Bei dem Versuch die Waren an den Hehler zu bringen, werden sie von der Polizei aufgespürt und das Gebäude in dem sie sich befinden umstellt. Beiden gelingt unabhängig und getrennt voneinder zwar die Flucht, doch Jiminy, im Besitz der abgetrennten Hand, während Whispr den Chip bei sich trägt, kann von der Polizei gestellt werden und wird anschließend nach dem Verhör von ihr liquidiert. Die Suche nach Whispr wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln fortgesetzt. Das macht Whispr etwas stutzig. War der von ihnen getötete Mann vielleicht doch kein einfacher Tourist? Ist vielleicht doch nicht die abgetrennte Hand der Hauptgrund warum die Suche nach ihm so systematisch und unter großem Aufwand betrieben wird? Und wenn nicht die Hand der Grund ist, birgt vielleicht der von ihm entwendete Chip, in Form eines dünnen Fadens, irgendein Geheimnis?

Szenenwechsel:
Die Ärztin Dr. Ingrid Seastrom entfernt aus dem Kopf einer ihrer Patientinnen einen dünnen Faden der eigentlich gar nicht existieren dürfte. Er besteht aus metastabilem metallischem Wasserstoff und unterliegt einer verzögerten Quantenverschränkung. Bevor ihn Dr. Seastrom genauer untersuchen kann, verschwindet er quasi im Nichts. Beunruhigt und neugierig geworden, wendet sie sich nach dem Verschwinden des mysteriösen Objekts wieder der Arbeit in ihrer Praxis zu.

Durch Zufall macht sie die Bekanntschaft von Whispr der, mittlerweile durch eine Schusswunde verletzt, in ihrer Praxis auftaucht. Beide kommen ins Gespräch und Whispr zeigt ihr, eher ungewollt, den Chip. Dr. Seastrom erkennt ihn sofort wieder. Es ist zwar nicht der gleiche den sie hatte, aber dennoch aus dem gleichen Material und somit eine technische Unmöglichkeit. Beide schließen sich zusammen, Dr. Seastrom, weil sie als Wissenschaftlerin unbedingt das Geheimnis des Chips erkunden möchte, und Whispr, der davon überzeugt ist, dass die Informationen auf dem Chip von großem Wert sein könnten und daher finanziellen Reichtum versprechen. Um an diese Daten jedoch gelangen zu können, braucht er die Hilfe von Dr. Seastrom.

Unterdessen setzen die rechtmäßigen Eigentümer des Fadens, der Südafrikanische Handelsverbund SAHV, welcher den Faden unbedingt wieder zurückhaben möchte, den Auftragsmörder Napun Molé auf die beiden an. Molé gewährt niemandem Pardon und so beginnt eine mörderische Jagd quer durch Amerika.

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Tja, was will man großartig zu dieser unvollendeten Geschichte schreiben? Genom (Original The human blend) ist der erste Teil der „Tipping point“ Trilogie. Was es allerdings mit diesem ominösen „Umkipp-Punkt“ auf sich hat bleibt vorerst abzuwarten. Benutzt wird der Begriff im Allgemeinen immer dann, wenn eine bisher lineare und stringente Entwicklung abrupt abbricht und sich in eine andere Richtung entwickelt. Auf den Roman gemünzt, bezieht sich dies vermutlich auf die Auswirkungen die diese ominösen Fäden, die in tausenden von menschlichen Körper gefunden wurden, auf das menschliche Genom haben könnten. Konjunktiv deshalb, weil man aus der bisherigen Entwicklung im Buch nicht besonders viel ableiten und daher auch momentan wirklich nur rätselraten kann. Worauf das ganze schlussendlich herausläuft, bleibt abzuwarten.

Auch wenn das alles recht unbefriedigend klingen sollte, so machte mir das Buch dennoch recht viel Spaß. Es liest sich ausgesprochen angenehm, ist spannend und unterhaltend - ebenso wie die Welt die Foster entworfen hat. Die medizinische und kosmetische Technik ist sehr weit fortgeschritten, die Menschen können so aussehen und sich gestalten lassen wie sie wollen. Die Menschen, die solch eine kosmetische Operation an sich vornehmen lassen, werden Melds genannt. Manchmal nimmt das schon skurrile Züge an und man fragt sich unwillkürlich, wo die Grenze zwischen Mensch und „Irgendetwas“ aufhört, bzw. beginnt. Als Leser macht man die Bekanntschaft von Alligatormenschen, Insektoiden oder jenen, die sich nach dem Körper vergangener Filmstars haben gestalten lassen. Nichts ist hier unmöglich, der Begriff -menschlich-, als Definition für den Körperbau ist nur noch hypothetischer Natur und reine Ansichtssache. Aber nicht alle Menschen haben sich in Melds verwandelt, es gibt noch die Naturals. Menschen, ohne künstliche Modifikationen oder chirurgischen Eingriffen.

Einer dieser Melds ist der Protagonist Whispr, der eigentlich Archibald Kowalski heißt. Er hat sich künstlich verschlanken lassen und ist somit spindeldürr. Er kann in Ecken und Spalten gelangen, wo sonst kein normalgewichtiger Mensch hin kann. Das hat als Dieb, der er nun mal ist, schon so seine Vorteile. Whispr ist chronisch pleite, nicht gerade der klügste, dafür aber mit einer ziemlichen Bauernschläue ausgestattet. Die muss er auch haben, will er die Jagd auf ihn überleben. Der krasse Gegensatz zu ihm ist Dr. Ingrid Seastrom. Sie ist äußerst hübsch, ohne kosmetische Veränderungen (also ein Natural), hochintelligent, dafür aber, was das Leben auf der Straße betrifft, recht einfältig. Beide ergänzen sich auf ihre Art also hervorragend, auch wenn ab und an mal der Haussegen schief hängt, und bilden eine gewollte Schicksalsgemeinschaft. Ob es nun nachvollziehbar ist das sich jemand wie Dr. Seastrom, die in Wohlstand und der entsprechenden gesellschaftlichen Oberschicht lebt, freiwillig in Todesgefahr und der Primitivität der Straße begibt, nur um das Geheimnis des Drahtes zu erforschen, sei mal dahingestellt. Foster begründet das zwar mit ihrem unstillbaren wissenschaftlichen Drang, aber so ganz will mich das nicht überzeugen. Aber, man muss sich überraschen lassen, vielleicht steckt ja noch mehr dahinter als der Autor momentan preisgibt.

Bisweilen zieht sich die Geschichte allerdings auch etwas in die Läge. So stellt sich das Lesen des vermeintlichen Speicherchips als ziemlich schwierig heraus. Fortan reisen also Dr. Seastrom und Whispr immer von Hinz nach Kunz, nur um dann zu hören: Tja, da kann ich ihnen auch nicht weiterhelfen. Diese zahlreichen und nicht erfolgbringenden Reisen bremsen die Geschichte etwas aus. Allerdings ist das nicht ganz so schlimm, da Foster auf diese Weise dem Leser zumindest einen kleinen Einblick in die mehr als interessanten Landschaften Nordamerikas, die sich doch in einigen Dingen vom Hier und Jetzt unterscheidet, gewährt. Auch das ständige Auftauchen ihres Verfolgers Napun Molé ist irgendwie nicht nachvollziehbar. Oftmals bleibt die Frage wo der Kerl denn jetzt schon wieder her kommt, da er den Aufenthaltsort von Dr. Seastrom und Whispr gar nicht kennen dürfte. Molé jedenfalls sorgt dafür, dass es dem Leser nicht langweilig wird. Zusätzlich scheint ein weiteres Konfliktpotential noch verborgen im Hintergrund zu lauern - eine mögliche Konfrontation zwischen Melds und Naturals.

Fazit:
Nach einigen nicht ganz so dollen Romanen kehrt Foster mit dem vorliegenden Buch wieder in die Erfolgsspur zurück und liefert eine spannende und interessante Geschichte ab. Wer sich für den Kauf entschließt, muss sich allerdings darüber im klaren sein, dass er bei Interesse für die Folgebände noch zweimal in die Tasche greifen muss. Nach dem ersten Buch zu urteilen, könnte sich das durchaus lohnen.
 
 
 


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