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Neal Asher

Die Vergessenen

  • Autor:Neal Asher
  • Titel: Die Vergessenen
  • Serie:
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Bastei Lübbe (Bastei Verlag)
  • Datum:19 Juli 2013
  • Preis:9,99 EUR

 
»Die Vergessenen« von Neal Asher


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Ausgangspunkt der im Buch geschilderten Ereignisse ist der Planet Masada. Mit Hilfe der ausserirdischen Lebensform Drache, ist es der dortigen Widerstandsgruppe gelungen, sich gegen ihre despotische Regierung, der Theokratie, zu erheben und die Regierungsgewalt an sich zu reißen. Nachdem die nun neue Regierung ein Abkommen mit der Polis unterzeichnet hat, tritt Masada dieser bei.

Einer der führenden Mitarbeiter der Theokratie, Jeremiah Tombs, wird während den Kämpfen mit dem Widerstand von einer einheimischen Lebensform, einem Kapuzler - dem man dem Beinamen Der Techniker gab, angefallen und schrecklich entstellt. Er kann jedoch gerettet und in einem Hospital, zumindest körperlich, wieder hergestellt werden. Sein Geist bleibt allerdings verwirrt und Tombs somit nicht zurechnungsfähig. Auf Seiten der Polis vermutet man, dass der Kapuzler, dem man eine gewisse Intelligenz unterstellen kann, „irgendetwas“ mit Tombs angestellt hat. Was das jedoch genau sein könnte muss man erst noch herausfinden. Man vermutet jedoch, dass es etwas mit dem Ursprung der auf Masada beheimateten Kapuzler und Schnatterenten zu tun haben könnte – und somit auch indirekt mit den außerirdischen Athetern, deren Heimatplanet einst Masada gewesen ist. Von den Athetern weiß man auf Seiten der Polis nur, dass sie kollektiven Selbstmord verübt und das Dschaina Technik dabei eine große Rolle gespielt haben soll. Aber, war es wirklich Selbstmord ? Und welche Rolle spielt das automatische Atheterraumschiff im Zwischenraum, das Masada überwacht? Fragen, auf die man sich mit Hilfe von Jeremiah Tombs nun eine Antwort zu bekommen erhofft.

Mit Die Vergessenen (OT: The Technician) legt der 52jährige Brite Neal Asher bereits seinen elften Roman aus dem Polity Universe (Polis Universum) vor. Wie immer geht es auch hier blutig und actionreich zur Sache. Der Hauptcharakter ist in diesem Buch ein eher unsympathischer und religiös verbrämter Eiferer namens Jeremiah Tombs, der auf dem Planeten Masada die dort herrschende Theokratie unterstützt und seine Mitmenschen, mehr oder weniger, drangsaliert. Genau wie der biblische Saulus, wird auch Tombs im Laufe der Geschichte zum Paulus und entwickelt sich zum echten, aber eher ungewollten, Helden.

Die Zusammenstellung des Plots hat diesmal jedoch nicht die gleiche Sogwirkung auf mich ausgeübt, wie ich sie von den anderen Büchern Ashers her kenne. Es ist eine relativ komplizierte und bisweilen auch recht zähe Angelegenheit den Lebens- und Leidensweg der Atheter mitzuverfolgen. Wie Asher jedoch die altbekannten Schnatterenten und Kapuzler mit den Athetern in Verbindung bringt, dazu noch eine Atheter Ki auf Masada und ein autonomes Atheter Raumschiff im Zwischenraum damit verwebt, ist aller Ehren wert – auch wenn ich hinterher das Gefühl hatte, Asher hätte von hinten durch die Brust ins Auge geschossen. Aber selbst auf solche Zusammenhänge muss man erst einmal kommen. Es bleibt abzuwarten, wie Asher die Atheter in seinen zukünftigen Polis Büchern einbringen wird. Werden sie den Kampf gegen die Dschaina Technik erneut aufnehmen, oder sich erneut kollektiv umbringen?

Mit seinen Zeitsprüngen und relativ vielen Nebenhandlungen zu Beginn des Buches, wird die Geschichte beizeiten doch recht unübersichtlich und wirkt zerfasert. Glücklicherweise ändert sich das mit fortschreitender Handlung jedoch. Viele Fäden laufen zusammen und entwickeln sich zu einer Geschichte, die Zeitsprünge enden und die Story bleibt in der Gegenwart verankert. Wenn das von Asher als stilistisches Mittel gedacht war um die Handlung vielschichtiger zu gestalten, so hat es für mich nicht wirklich geklappt, denn einige seiner Handlungsfäden waren schlichtweg nicht nötig. Besser gearbeitet hat Asher bei seinen Charakteren. Egal ob Tombs, Chanter, Grant oder die Drohne Amistad, die man u. a. aus Der eiserne Skorpion schon kennt, alle sind wieder recht gelungen und tragen ihren nicht unerheblichen Beitrag zum gelingen des Buches bei.

Ich glaube, ich habe es schon zig mal geschrieben, aber ich mag nicht nur die Schreibweise und Ideenvielfalt Ashers, sondern ich mag auch sein komplettes Polis Universum. Die Bücher sind in der Regel sehr spannend und ungemein unterhaltsam geschrieben. Das Universum ist hervorragend ausgearbeitet, vielschichtig und bunt. Ich mag die KIs, die nicht nur schnöde Computer sind, sondern in ihren Eigenarten und Spleens oftmals menschlicher als die Menschen selbst geschildert werden. Sei es nun ob sie als Runcible Ki, als Kommandant eines kilometergroßen Raumschiffes - das ganze Planeten ins All blasen kann oder als Kriegsdrohne daher kommen. Diese KIs fungieren nicht etwa „nur“ als Werkzeuge, sondern „leben“, besser existieren, gleichberechtigt neben den Menschen der Polis. Durch diese Gleichberechtigung entsteht auch der kollegiale und laxe Umgangston zwischen den KIs und Menschen, der auf mich immer wieder so erfrischend wirkt.

Gute und kurzweilige Unterhaltung ist für mich bei Asher immer garantiert. Auch wenn es diesmal etwas zäher geworden ist, so bleibt der Spaß- und (teilweise) Ekelfaktor gegeben. Denn seien wir mal ehrlich, wo sonst gibt es noch eine SF Reihe (von Dirk van den Booms Tentakelkriege mal abgesehen), in der wir Menschen Außerirdischen als Nahrung dienen und genüsslich verspeist werden (Prador) oder, wie im vorliegenden Buch, von Kapuzlern gehäutet, ausgelutscht und verstümmelt, bzw. lebendig von Schnatterenten verspeist und anschließend von deren Magensäure zersetzt werden? Nein, wer kindergerechte oder heimelige SF lesen will, der ist bei Asher an der falschen Adresse. Seine Bücher sind hart und kompromisslos, mitunter brutal, und gaukeln uns Menschen keinen liebenswürdigen Kosmos vor der nur darauf gewartet hat, dass wir unsere breiten Ärsche dort platt sitzen. Es kommt nicht von ungefähr das die Polis Raumschiffe militärische Giganten sind, die alles und jeden ausradieren können. Wenn es nicht die Prador sind, dann ist es Dschaina Technik die den Menschen das Leben zur Hölle machen kann. Und wer weiß was sonst noch auf uns Menschen dort draußen lauert.

Neueinsteigern in Ashers Polis Universum kann ich das Buch allerdings nur bedingt empfehlen. Für meinen Geschmack gibt es zu viel, dass als Wissen vorausgesetzt wird. Wenn ich dieses Wissen mit Verrücktheit gleichsetze, fällt mir folgendes Sprichwort ein „Man muss nicht verrückt sein um hier zu arbeiten, aber es erleichtert die Sache ungemein“. Und genauso ist es auch hier. Man muss vielleicht nicht unbedingt wissen wer Drache ist oder was Dschaina Technik genau heißt oder wer Amistad und Penny Royal sind, aber wenn man es weiß, ist der Spaß- und Unterhaltungswert ungleich größer.

Wie alle anderen Bücher von Asher auch, kann ich Die Vergessenen nur empfehlen.
 
 
 


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