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Ken Liu

Die Götter von Dara: Seidenkrieger (Die Legenden von Dara, Band 2)


 
»Die Götter von Dara: Seidenkrieger (Die Legenden von Dara, Band 2)« von Ken Liu


Besprochen von:
 
Korlat
Deine Wertung:
(4)

 
 
Am Ende des letzten Buches verließen wir Kaiser Kuni, jetzt Kaiser Ragin, am Beginn seiner Herrschaft. Zehn Jahre sind vergangen. Er hat einige der Reformen in Gang gebracht, die er sich vorgenommen hatte. Er fördert die Bildung. Frauen haben unter seiner Herrschaft die Möglichkeit, wichtige Positionen einzunehmen. So können Sie an den landesweiten Prüfungen für den Staatsdienst teilnehmen, die auch armen Menschen nun offen stehen.
Es ist nicht so, dass die traditionellen Elemente der chinesischen Gesellschaft den Reformen des Kaisers immer gerne folgen. Letztendlich werden ja ihre Privilegien beschnitten. Ihre Kinder bekommen Konkurrenz beim Streben nach wichtigen Positionen, wenn jetzt auch die Armen und, die Götter mögen es verhindern, Frauen dazu zugelassen werden.
Weitere Probleme kommen auf Ragin zu. Er wird entscheiden müssen, welchen seiner Söhne – oder vielleicht doch seine Tochter? – er zum Nachfolger ernennt. Und auch die traditionellen Feinde des Reiches, die Lyucu erheben sich wieder. Eine Invasion droht.

Der Autor fährt damit fort, wie bereits im ersten Band „Die Schwerter von Dara“, wichtige Elemente der chinesischen Geschichte, der Kultur und der Gesellschaft etwas verändert in seine eigene Geschichte einzubauen. So hat Kaiser Ragin viel vom Reichseiniger Kaiser Qin. Die „wilden“ Steppenhorden erinnern natürlich an die Mongolen, mit denen sich die Chinesen lang andauernde Auseinandersetzungen lieferten. Die Adelskaste und ihr Beharren auf den Traditionen werden bunt und anschaulich geschildert. Die landesweiten Examina für künftige Beamte sind bekannt. Zwei philosophische Lehren und deren Lehrer sind doch sehr deutlich an Konfuzius und Lao-Tse angelehnt. Gegen Ende gibt es auch schöne Schlachtszenen.

Die Figuren aus dem ersten Band sind gut weiterentwickelt, soweit sie eine Rolle spielen. Der Kampf der weiblichen Haupt- und Nebenfiguren um Anerkennung in einer patriarchalischen Gesellschaft hat mir besonders gefallen. Hier hat Ken Liu einige bemerkenswerte Figuren erschaffen, auch solche, die bisher nicht Teil der Geschichte waren. Ebenso griffig ist der Einfluss der unterschiedlichen Philosophischen Schulen auf die Gesellschaft dargestellt.

Was gibt es zu kritisieren? Etliche Figuren aus dem ersten Band sind da, der Autor hat aber keine wirkliche Rolle für sie gefunden. Die Intrigen der Kaiserin Jia sind leider nicht immer nachvollziehbar. Sie scheint oft zu handeln, ohne die Gefahren für das Reich zu bedenken. Da sich ein großer Teil des Buches mit innenpolitischen Vorgängen – den Machtkämpfen des alten Adels, der Durchsetzung der kaiserlichen Reformen etc. – beschäftigt, fällt das gelegentlich sehr irrationale Verhalten der Kaiserin irgendwann auf.
Magie gibt’s es, wie bereits im ersten Band, kaum. Götter kommen vor, sie scheinen aber nicht wirklich einzugreifen. Ich bin mir nicht sicher, welche Rolle sie insgesamt spielen können, so wie der Autor seine geschichte angelegt hat.
Die Vielzahl an handelnden Personen trübt manches Mal den Überblick. Das am Beginn stehende Register ist da leider nicht ausführlich genug. Ich hätte mir auch für diesen Band eine kleine Karte gewünscht. Dies hatte ich schon beim letzten Buch vermisst.
Der Autor scheint mir gelegentlich zu viel wirkliche Geschichte in seine Story hineinpacken zu wollen. Einige Straffungen hätten dem Buch sicher gut getan.

Was mich aber wirklich ärgert ist, dass es sich bei „Die Götter von Dara“ um die erste Hälfte des zweiten Bandes handelt. Leider merkt man das nicht bis zum Ende des Buches. Erst das abrupte Ende ließ mich nachforschen. Warum Verlage immer wieder ihre Leser im Unklaren lassen über solche verlegerischen Entscheidungen, mag ich nicht wirklich nachvollziehen.

 
 
 


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