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Kate Harrison

Soul Beach 1
Frostiges Paradies

  • Autor:Kate Harrison
  • Titel: Frostiges Paradies
  • Serie:Soul Beach 1
  • Genre:Horror
  • Einband:Hardcover
  • Verlag:Loewe Verlag
  • Datum:17 Juni 2013
  • Preis:17,95 EUR

 
»Frostiges Paradies« (Soul Beach 1) von Kate Harrison


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Als Alice am Tag der Beerdigung ihrer älteren Schwester Meggie eine Email von dieser erhält, ist Alice verunsichert und sauer. Wer kann nur so gemein zu ihr sein? Oder ist es wirklich eine Mail ihrer verstorbenen Schwester? Alice lässt sich auf das Spiel ein und loggt sich auf Soul Beach ein, wo sie tatsächlich Megan trifft. Denn auf Soul Beach stranden alle jungen Erwachsenen, deren Tod noch offen, bzw. ungeklärt ist. Alice droht sich in der virtuellen Parallelwelt zu verlieren und merkt nicht, wie sie immer mehr Abstand zur Realität gewinnt.

Das Cover ist in blutrot gehalten, die Ränder ziert ein Inselparadies mit Palmen. Ich finde es sehr ausdrucksstark und einfach genau richtig für das Buch und vor allem den Inhalt. Ich hätte mir kein besseres Bild vorstellen können, da es genau die richtige Mischung aus perfektem Paradies und düsterem Grauen widerspiegelt.

Der Tod eines Angehörigen und dann auch noch der Tod der eigenen, geliebten Schwester, ist ein gewagtes Thema für ein Buch, welches Kate Harrison sehr intensiv und mit viel Gefühl umsetzt. Das Geschehen ist zwar düster und von Trauer umwoben, aber es wirkt nicht depressiv, sondern im Gegenteil verblüffend lebendig. Die Vorstellung, dass man nach dem Tod als perfekte Erscheinung an einem immerwährenden tropischen Strand landet, fand ich zu Beginn sehr reizvoll und ansprechend. Doch genau wie Alice, blickte ich erst nach und nach hinter diese perfekte Welt. Perfektionismus des Körpers ist zwar gut und schön, aber wenn alle perfekt sind, verwischen sich die Ränder und alles wirkt gleichmäßig, förmlich öde. Wo mag der Sinn hinter dem Paradies stecken? Einzig eine Dauerparty kann es nicht sein. Diesen und ähnlichen Gefühlen, stellen sich den Protagonisten bald in den Weg. Ich fand die Grandwanderung zwischen trister und verzweifelter Wirklichkeit und der perfekten Traumlandschaft unglaublich kraftvoll und gelungen. Nach und nach scheint dies jedoch zu kippen, sich ins Gegenteil zu wenden, was ich mit absoluter Spannung beobachtete. Kate Harrison wagt sich in ein interessantes Gebiet: Der Tod von jungen Erwachsenen, die ihr Leben eigentlich noch vor sich haben sollten. Doch mit viel Einfühlungsvermögen und Esprit gelingt es der Autorin, dass man den ernsten Hintergrund verdrängt und sich einzig auf die spannende Handlung konzentriert. Dank des sehr flüssigen und gut zu lesenden Schreibstils, konnte ich in die Handlung eintauchen und das Buch erst wieder zur Seite legen, als die letzte Seite verschlungen war.

Kurze Sequenzen des Mörders wirken wie ein Peitschenschlag und rissen mich förmlich in die Wirklichkeit zurück. Verblüfft hat mich, dass ich nach der ersten Sequenz sofort wusste, wer der Mörder ist. Dies verwarf ich in der nächsten und war felsenfest davon überzeugt, dass es nun ein anderer ist, nur um auch diesen Gedanken wieder als Hirngespinst zu verwerfen. Kate Harrison spielt mit ihren Lesern. Nicht perfide, sondern mitreißend! Schnell wird klar, nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint!

Ich hätte nie damit gerechnet, dass in einem Jugendbuch die Charaktere dermaßen authentisch und lebensnah wirken können. Ich konnte mich, auch wenn ich keine Geschwister habe, jeder Zeit in die Protagonisten hineinversetzen, mit ihnen lachen und weinen.
Alice wirkt anfangs wie eine ganz normale und durchschnittliche Jugendliche: Freund, beste Freundin, der Weg auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens. Es ist kein langweiliges Leben, aber besonders herausstechen tut es nicht, auch wenn ihre Schwester Megan gerade als Fernsehstar und Sängerin berühmt wird. Alice steht nicht in ihrem Schatten, ist viel mehr froh, dass der Kelch des Berühmtseins an ihr vorüber geht. Als ihre Schwester ermordet wird, bricht für sie eine Welt zusammen, aus deren Trauer und Verzweiflung sie sich kaum befreien kann. Als Alice die Einladung zu Soul Beach erhält und dort ihre Schwester wieder trifft, droht sie den Bezug zur Realität zu verlieren. Für Alice gibt es keinen Anker, der sie in der Wirklichkeit hält; der Tod scheint verlockender. Besonders, nachdem sich Alice in Soul Beach auch noch verliebt, ihren Seelenverwandten findet.

Interessant fand ich die Darstellung von Megan. Sie konnte zwar ihren Tod akzeptieren und vergeht nicht in Selbstmitleid oder bösartigen Vorwürfen, aber trotzdem wirkt sie schwer fassbar. Immer wenn ich dachte, dass ich ihren inneren Antrieb endlich verstehe, weicht sie wieder in eine andere Richtung aus und entgleitet mir aufs Neue. Sie wirkt stark, ist aber verletzlich. Dickköpfig und unbeugsam, aber dann doch wieder leicht beeinflussbar. Ein wirklich sehr gelungener Charakter, der mir schnell ans Herz gewachsen ist.

Es gibt noch einige weitere, sehr strake Persönlichkeiten, über die ich sehr gerne gelesen habe. Keiner wirkt unwichtig und ich bin schon sehr gespannt, ob sie sich so entwickeln, wie ich es mir in meinem Kopf zurecht gelegt habe, oder doch eine völlig andere Richtung einschlagen.

Mein Fazit

Ein unglaublich intensives Buch, welches mich gedanklich noch lange begleiten wird. Lesenswert!
 


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