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John Ringo

Planetenkrieg
Das letzte Tor

  • Autor:John Ringo
  • Titel: Das letzte Tor
  • Serie:Planetenkrieg
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:09 April 2013
  • Preis:9,99 EUR

 
»Das letzte Tor« (Planetenkrieg) von John Ringo


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4)

 
 
Nach langen Jahren der Auseinandersetzung haben es die Menschen geschafft, sich mit ihren Widersachern, den außerirdischen Horvath und den Rangora, zu Friedensverhandlungen zu treffen. Diese Verhandlungen finden unter der Führung der neutralen Ogut im Epsilon Eridani System statt.

Gleichzeitig laufen im Solsystem die Vorbereitungen an, um eine dritte Raumstation, die MALTA, in Betrieb zu nehmen. Eine wesentliche Frage ist hierbei, unter welcher Flagge die Raumstation künftig betrieben werden soll. Die bereits vorhandenen Stationen TROY und THERMOPYLAE werden von der Allianz, hier in erster Linie von den Amerikanern, betrieben. Ein Zusammenschluss von mehreren Nationen des südamerikanischen Kontinents beansprucht die Führung für sich. Das Problem dabei ist jedoch, dass sowohl die Arbeitsmoral, wie auch die Kenntnisse in technischen Belangen der Südamerikaner, eher zweitklassig sind. Um das zu ändern, werden einige Unteroffiziere, darunter auch Dana Parker, von der TROY abgezogen und auf der THERMOPYLAE, dem momentanen Aufenthaltsort der einzuweisenden südamerikanischen Staffel, stationiert. Doch die Zusammenarbeit wird für alle Beteiligten zu einem kulturellen Schock und artet in gegenseitiger Ablehnung aus.

Inzwischen haben, unbemerkt von den Menschen, die Horvath und die Rangora im Epsilon Eridani System die Gunst der Stunde und die ins stockenden geratenen Friedensgespräche dazu genutzt, um zu einem weiteren Angriff auszuholen und die Menschheit endgültig zu besiegen. Die Chancen dazu stehen diesmal wirklich nicht schlecht.

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Tja, im vorerst wohl letzten Band seiner Planetenkrieg Reihe, Das letzte Tor (im Original The hot gate), lässt es Ringo gegen Ende hin noch einmal mächtig krachen. Dennoch sei auch hier wieder angemerkt, dass es bis zum finalen Kampf ein langer, und mitunter für Actionfans wohl auch langweiliger, Weg ist. Wer das allerdings nach den ersten beiden Bänden immer noch nicht geschnallt hat, ist selber schuld und hat kein Recht sich nun zu beschweren. Dem leider arg zu kurz geratenen Kampf der Raumschiffe geht ein wesentlich längerer Kampf der Kulturen voraus. Das mag vielleicht für ein Buch aus der Reihe Space Action recht langweilig klingen, liest sich jedoch, zumindest für mich, wirklich recht interessant. Das einzige Manko ist halt, dass dieser Kulturkampf sich über rund ¾ des Buches hinzieht – und das ist wesentlich zu lang. Auch die Kampfszenen sind altbekannt. Liest man nur diese, könnte man vermutlich nicht sagen, in welchen Band der Reihe man sich gerade befindet. Das klingt alles so ein wenig nach 08/15 mit viel Wiederholungen und kommt dazu noch recht statisch rüber. Pausenlos werden Raketen im Sekundentakt verschossen und schlagen hier ein oder dort. Ohne Frage interessant, aber nicht wirklich mitreißend. Man kennt es halt schon aus den Vorgängerromanen.

Dennoch muss ich sagen, dass mir der dritte Teil noch am besten von allen gefallen hat. Das Ringo eine rechte Labertasche ist war mir klar, aber zumindest hat er mich diesmal nicht mit technischem Krimskrams und dergleichen mehr vollgetextet. Das nahm zwar auch wieder einen Teil der Story ein, wurde aber glücklicherweise nicht allzu sehr ausgewalzt. Die Probleme des Fabbers Granadica, bei der Herstellung diverser Schiffsteile, ließen sich zumindest recht flüssig lesen. Ebenfalls positiv anzumerken ist die Konzentration auf nur eine Hauptprotagonistin, Dana Parker. Allerdings muss ich gestehen, dass mir Dana, trotz aller Sympathie, doch eine Spur zu taff und zu allwissend daherkommt. Für wirklich jedes Problem findet sie eine Lösung und erinnert in diesen Eigenschaften zu sehr an Tyler Vernon. Kein Wunder, dass sich die beiden so gut verstehen.

Wesentlich schlechter versteht sich die Amerikanerin Dana allerdings mit ihren südamerikanischen Kollegen. Ringo selber begründet diesen Konflikt mit dem Hinweis auf die unterschiedlichen Kulturen und Lebenseinstellungen beider Völker. Er führt an, dass die Söhne der elitären südamerikanischen Oberklasse es als unter ihrer Würde ansehen, niedere Arbeiten (Wartung und Reparatur von Maschinen) zu verrichten. Er unterstellt ihnen darum Faulheit, Standesdünkel und Vetternwirtschaft, kurzum eine Art elitäres Parasitentum. Hinzu kommt noch, dass auch noch ausgerechnet eine Frau, die keinen Offiziersrang inne hat, ihre Vorgesetzte wird. Das geht in den Augen der reichen Söhne, die eigentlich nur darauf warten selber in nächster Zeit in den Offiziersrang aufzusteigen, schon mal überhaupt nicht. Der Ärger ist vorprogrammiert. Ich weiß nicht, ob man das alles auf so einen kleinen Nenner runterdividieren kann oder darf, aber vieles, das Ringo anführt, klingt einleuchtend. Die Söhne reicher und einflussreicher Leute sind oftmals halt auch nur das – eben die Söhne reicher Leute. Selber nichts geschafft oder erreicht, aber mit Papas Geld den dicken Max markieren. Das Problem findet sich jedoch in wohl allen Kulturen wieder und ist somit kein speziell südamerikanisches. Dennoch gehört Südamerika zu einem anderen Kulturkreis als etwa Nordamerika oder Europa. Und das daraus Konflikte entstehen können ist nicht ganz unwahrscheinlich, wie man schon allein an der EU sehen kann, in der die nördlichen Ländern den südlich gelegenen Ländern regelmäßig eine etwas „unkompliziertere“ und „unbeschwingtere“ Arbeitsauffassung bescheinigen. Ob dieser Themenkomplex jedoch überhaupt in einem SF Werk dieser Art sinnvoll oder zielführend ist, lasse ich mal dahingestellt.

Interessant sind für mich immer wieder jene Passagen, in denen die Schiffsfabber oder Künstliche Intelligenzen agieren. Seit der Polis Reihe von Neal Asher habe ich eine starke Sympathie für witzige und vorlaute KIs. Das lockert die Handlung nicht nur ein wenig auf, sondern schafft auch einen positiven Effekt gegenüber dem zahlreichen militärischen Gehabe. Klar, vermutlich wird eine Kommunikation zwischen Vorgesetzten und Untergebenen so ablaufen wie Ringo es beschreibt, der Mann war immerhin jahrelang beim Militär und sollte es daher wissen, aber für den Leser liest sich das alles doch recht martialisch und mit der Zeit auch ziemlich nervig.

Das Ende ist wie jedes Ende eines Buches aus der Reihe, ein finaler Kampf mit viel Ballerei, aber nichts wirklich neues. Keine Ahnung auf wie viele Bände die Reihe von Ringo angelegt wurde, aber wenn er nicht mehr als das immer wiederkehrende Schema F zu bieten hat, kann er sich die Reihe auch sparen. Die Empfehlung würde dann lauten, sich den ersten und den letzten Band zu kaufen, denn alles was dazwischen liegt ist lediglich Redundanz und somit nicht nötig. Dennoch, wie schon gesagt, gefiel mir Das letzte Tor von den drei bisher erschienenen Bücher am besten. Bleibt zu hoffen, dass Ringo wieder die Kurve bekommt und in den nächsten Bänden dem Leser eine erkennbare Weiterführung der Storyline bietet. Hauptsache jedoch ist, dass es keine Endlosserie ala Honor Harrington wird und Ringo irgendwann nicht nur den Absprung schafft, sondern den auch noch überzeugend hinlegt.
 
 
 


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