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Isaac Asimov

Ein Sandkorn am Himmel: Roman (Roboter und Foundation - der Zyklus, Band 8)


 
»Ein Sandkorn am Himmel: Roman (Roboter und Foundation - der Zyklus, Band 8)« von Isaac Asimov


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Durch einen Unfall wird der zweiundsechzigjährige Joseph Schwartz aus dem Jahr 1949 um mehrere Jahrtausende in die ferne Zukunft geschleudert. Er landet auf einer radioaktiv verseuchten Erde, die sich im Würgegriff des Imperiums von Trantor befindet. Da Schwartz der auf der Erde gesprochenen Sprache nicht mächtig ist und zu dem noch unter Schock steht, landet er auf Umwegen in der Klinik von Dr. Shekt. Dieser hat eine Maschine entwickelt, mit der die Intelligenz eines Menschen gesteigert werden kann. Da man Schwartz aufgrund seiner Unfähigkeit sich zu verständigen (und der sich daraus ergebenden Hilflosigkeit) für schwachsinnig hält, wird er von Dr. Shekt mit dem Synapsifikator einer „Intelligenzsteigerungsprozedur“ unterzogen.

Gleichzeitig trifft der aus dem Sirius System stammende Archäologe Dr. Bel Arvardan auf der Erde ein. Hier will er seine umstrittene Theorie, dass alle Menschen in der Galaxis von einem einzigen Planeten (der Erde) abstammen, untermauern. Niemand sonst im Imperium ist von dieser Theorie besonders angetan, gilt die Erde doch als ein Dreckloch und die Bewohner als unzivilisierte Störenfriede, die in der restlichen Galaxis nicht gern gesehen werden.

Wie es der Zufall so will, hat just in dem Augenblick, in dem Dr. Arvardan und Joseph Schwartz fast gleichzeitig auf der Erde eintreffen, die Regierung derselbigen den folgenschweren Entschluss gefasst, sich nicht mehr vom Imperium unterdrücken zu lassen. Es wurde ein Plan ausgearbeitet, der alles Leben, das nicht auf der Erde beheimatet ist, vernichten soll. Durch das unerwartete Erscheinen von Schwartz und Dr. Arvadan sind die Verantwortlichen jedoch ins Grübeln gekommen und vermuten nun, dass ihr Plan aufgeflogen ist und die beiden als Agenten auf die Erde geschickt wurden um diesen zu durchkreuzen.

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Mit Ein Sandkorn am Himmel (OT: Pebble in the sky) erscheint nun der chronologisch letzte Band aus der Imperiums-Reihe, auch bekannt als Die frühe Foundation – und, mit Verlaub gesagt, mein Lieblingsband. Vor Jahren ist dieses Buch auch schon im Goldmann Verlag unter dem Titel Radioaktiv..! erschienen.

Das Imperium von Trantor hat sich über die Galaxis ausgedehnt und herrscht nun über alle von Menschen besiedelten Planeten – auch über die Erde. Diese genießt jedoch einen kleinen Sonderstatus. Da es sich bei den Erdlingen um ein streitbares und nicht besonders hoch angesehenes Volk von Eigenbrödlern handelt, hält sich das Imperium weitestgehend aus dessen Innenpolitik heraus. Man will dem ohnehin schon brodelnden Hass der Erdlinge auf die Außenweltler nicht noch zusätzliche Nahrung geben.

Die Erde selber ist ein dem Verfall preisgegebener Planet. Weite Teile sind radioaktiv verseucht und unbewohnbar. Eine Folge davon ist, dass die Erde nicht mehr als 20 Millionen Menschen ernähren kann. Um diese Zahl konstant zu halten wurde ein Gesetz erlassen, das es den Menschen nicht erlaubt länger als 60 Jahre zu leben. Hat man dieses Alter erreicht, muss man sich bei der zuständigen Behörde melden um „entsorgt“ zu werden. Was auf den Außenweltler Dr. Arvardan auf den ersten Blick barbarisch wirkt, ist für die Erdlinge jedoch gang und gäbe. Menschen die länger als sechzig Jahre leben wollen, werden als Verräter angesehen und gnadenlos den Behörden gemeldet. Aber auch hier gibt es natürlich die Ausnahme von der Regel.

Auch wenn die Geschichte ein klein wenig konstruiert wirkt, der Zeitsprung Schwartz schon sehr phantastisch anmutet und irgendwie auch nicht wirklich nachvollziehbar ist, liest sich das Buch doch sehr erfrischend und geradezu unbekümmert. Asimov schreibt hier munter drauf los und zieht alle Register seines Könnens. Er, der es wie kein zweiter versteht Intrigen zu spinnen und Hinterhalte zu legen, überlässt diesmal seine Rolle einem seiner Protagonisten.

Nur stellt sich Balkis, der Sekretär des höchsten Ministers, nicht ganz so klug an. Da er ein kleiner Paranoiker ist, vermutet er Spione und Agenten des Imperiums an jedem Ort und reimt sich eine Verschwörungstheorie zusammen die seinesgleichen sucht – und liegt natürlich völlig falsch damit. Da wir als Leser aber die wahren Umstände kennen, wirken Balkis Versuche die verworrene Situation zu deuten, recht erheiternd. Allerdings hören sich seine Deutungsversionen so plausibel an, dass er es schafft, auch seine staunenden Vorgesetzten davon zu überzeugen. Wer so einen Sekretär hat, braucht in der Tat keine Feinde mehr.

Etwas überzogen wirkt auf mich der Hass den die Außenweltler auf die Erdlinge haben und umgekehrt. Erdenfrauen werden von den Angehörigen des Imperiums abfällig Squaws genannt, die Erdenmänner sind in ihren Augen mehr oder weniger Ungeziefer. Angesichts dessen verwundert es nicht, dass die Erdregierung einen Plan ausheckt um sich alle Menschen, die nicht auf der Erde leben, vom Hals zu schaffen. Das dieser Plan jedoch ausgerechnet von einem Erdenmenschen vereitelt wird, zeigt das nicht alle Menschen gleich denken. Auch der Außenweltler Dr. Arvardan ist von ehrbarer Gesinnung und versucht die Menschen als Gleichberechtigte zu behandeln.

Dem Zeitsprung von Schwartz setzt Asimov allerdings noch die Krone auf. Nicht nur das Schwartz durch die Manipulation mit dem Synapsifikator überdurchschnittlich intelligent wird, nein, er wird auch noch zum Telepathen und kann Menschen kraft seiner Gedanken übernehmen. Wie schon gesagt, alles sehr konstruiert und teilweise herrlich überdreht. Passend dazu die Ungläubigkeit die Dr. Shekt bei der ersten Untersuchen von Schwartz erlebt, hat dieser doch wirklich zweiunddreißig Zähne, einen acht Zentimeter langen Blinddarmfortsatz und Haarwuchs im Gesicht und am ganzen Körper. Attribute, die kein anderer Mensch mehr aufweisen kann.

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man leicht zu dem Entschluss kommen das Asimov hier eine herrliche (Verwechslungs-)Komödie geschrieben hat. Manche Situationen sind geradezu bizarr und absonderlich. Die Unfähigkeit des imperialen Militärs und des Botschafters von Trantor die Situation auch nur ansatzweise zu begreifen oder gar sinnvoll zu handeln, ist hanebüchen. Fast könnte man laut lachen, wäre die Situation nicht so ernst. Denn all dieser Slapstick ergibt sich aus der Tatsache, dass ein verzweifeltes, diskriminiertes und zutiefst verletztes Volk nur noch eine Möglichkeit sieht sich zu wehren – nämlich den bedingungslosen Massenmord an ihren Unterdrückern.

In diesem Zusammenhang erhält der am Anfang und am Ende des Buches zitierte Text von Robert Browning

„Komm, werde alt mit mir!
Das Beste liegt vor dir,
des Lebens letztes Stück, des Anfangs Lohn …“


nicht nur im Leben von Joseph Schwartz eine tiefe Bedeutung, sondern gilt auch für die Erde, die im Laufe der Zeit der Vergessenheit anheimfallen und nur noch als ferner Mythos existieren wird. Irgendwie macht mich das traurig.
 
 
 


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