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Amanda Stevens

Totenhauch

  • Autor:Amanda Stevens
  • Titel: Totenhauch
  • Serie:
  • Genre:Horror
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch)
  • Datum:20 September 2013
  • Preis:8,99 EUR

 
»Totenhauch« von Amanda Stevens


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(4)

 
 
Amelia Gray ist Restauratorin für alte Friedhöfe. Die Liebe zu diesem Beruf bekam sie von ihrem Vater mit auf den Weg, der Friedhofsgärtner ist und Amelia schon von klein auf mit in diese Welt genommen hatte. Doch es sind nicht nur die Friedhöfe, sondern auch die Totengeister, die die junge Frau zu diesem Beruf trieben. Denn Amelia kann sie sehen und spüren. Eine Welt neben unserer. Doch ob ihre Gabe ein Fluch oder ein Segen ist, ist ihr nicht klar. Ihr Vater stellt ihr klare Regeln auf, deren Einhaltung ihr bis jetzt leicht fiel.
Als eine brutale Mordserie auf dem Oak Grove Friedhof ihren Anfang nimmt, den Amelia Gray gerade restauriert, wird sie in die Mordermittlung mit hineingezogen. Doch nicht nur die Ermittlung hält sie gefangen, auch Detective John Devlin übt eine starke Anziehungskraft auf sie aus. Anfangs versucht sich Amelia dagegen zu wehren, denn wenn sie ihren Gefühlen nachgeben würde, würde sie eine Tür in die Geisterwelt öffnen, die sie womöglich nie wieder verschließen kann.

Das Cover zeigt einen Engel, der mit gütigem Gesicht ein Grab bewacht. Er ist verwittert, aber nicht vergessen; düster aber nicht dunkel. Auf mich wirkt das Bild beruhigend und endgültig, aber nicht bedrohlich. Es passt sehr gut zu Titel und Inhalt des Buches und ich hätte mir kein besseres Coverbild wünschen können.

Durch eine Leseprobe und die Vorgeschichte zu der bemerkenswerten Restauratorin Amelia Gray wurde ich auf dieses Buch aufmerksam; und wurde nicht enttäuscht. Amanda Stevens hat einen ruhigen, eindringlichen Schreibstil, der mich berührte und zu gleich gefangen nahm. Sie entführte mich in die wage und bedrohliche Welt der Totengeister, die uns umgeben, meist aber nicht sehen, bzw. wahrnehmen könne. Aber wer kennt das Gefühl nicht: Ein eisiger Hauch weht durch das Zimmer, man fühlt sich beobachtet, eine Ahnung wird wahr. Sendet das Unterbewusstsein uns Botschaften, oder stammen sie doch aus einer anderen Welt? Fasziniert begann ich mit dem Buch und Amanda Stevens verstand es meisterlich, diese Faszination das gesamte Werk über am Leben zu erhalten. Die Welt des Unerklärlichen kombiniert sie in ihrem Buch mit einer sehr realen und grausamen Mordermittlung, die, wie könnte es anders sein, auf einem Friedhof ihren Lauf nimmt. Kitschig, war mein erster Gedanke, der aber schnell zerstreut wurde. Ganz im Gegenteil! Ich hätte mir keinen besseren Schauplatz als den uralten Oak Grove Friedhof für die Handlung wünschen können. Die Autorin schildert ihn sehr anschaulich; die zu gewucherten Gräber, die dem Vergessen anheim gefallen sind und doch Liebe und Geborgenheit widerspiegeln. Dieses Gefühl intensivierte sich durch Amelia Gray, da mir ihre Liebe zu ihrem Beruf und ihre Fähigkeiten nahe gingen. Ich glaube sehr stark daran, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als wir wahrnehmen können und so traf dieses Buch mein Interesse voll und ganz.

Die Mordermittlung hingegen verleiht dem Buch Spannung. Amelia wird als Sachverständige angeheuert, um die örtliche Polizei zu unterstützen und zu gewehrleisten, dass sich keiner an den uralten Gräbern vergeht. Brutal, grausam und doch faszinierend nimmt die Ermittlung immer mehr an Fahrt auf, geht mal in diese, mal in jene Richtung. Und ich immer mittendrin. Jede Überlegung, die ich anstrebte, wurde von Amanda Stevens förmlich zerschmettert. Nichts ist vorhersehbar und ich tappte gemeinsam mit den Ermittlern im Dunkeln. Die Wendungen, die das Buch nahm, waren interessant und spannend, aber nie so, dass ich den Faden verlor.

Der mystischen und der spannenden Seite ihres Buches, setzt die Autorin eine ergreifende Liebesgeschichte entgegen. Detective John Devlin verlor Frau und Tochter bei einem tragischen Unfall. Seit dem verfolgen die beiden ihn. Als Totengeister saugen sie ihm die Lebensenergie aus, aber John kann einfach nicht los lassen und sie gehen lassen. Die innere Zerrissenheit, der Schmerz über den Verlust, die Trauer und Einsamkeit schilderte Amanda Stevens anschaulich und nachvollziehbar. Mir ging es stellenweise sehr nah und ich konnte mit Detective Devlin leiden. Zudem ging mir schier das Herz über, als der verschlossene Detective endlich wieder eine Perspektive in seinem Leben sieht, bzw. eine neue Liebe zu lässt, zu ahnen beginnt, dass der Tod seiner Familie zugleich ein Neubeginn für ihn sein könnte. Er soll sie nicht vergessen oder gar aus seinem Herzen streichen, aber nach vorne blicken wird immer wichtiger.
Dies zeigt ihm die Restauratorin Amelia Gray. Nicht bewusst, denn auch sie leidet, ist sich nicht sicher in ihrer Welt. Abgeschottet wegen ihrer Gabe, bleibt sie lieber für sich, aber in dem düsteren Detective scheint sie einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Beide harmonieren wunderbar und ich beobachtete die Entwicklung zwischen ihnen atemlos.

Mein Fazit

Eine sehr gelungene Mischung aus Mysterie, Spannung und Liebe, die mich voller Ungeduld auf den nächsten Band blicken lässt!
 
 
 


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