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Adam Nevill

Der letzte Tag

  • Autor:Adam Nevill
  • Titel: Der letzte Tag
  • Serie:
  • Genre:Horror
  • Einband:Hardcover
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:11 Februar 2013
  • Preis:14,99 EUR

 
»Der letzte Tag« von Adam Nevill


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(5)

 
 
Der ehemals erfolgreiche Dokumentarfilmer Kyle erhält von dem Produzent Max Solomon den Auftrag, eine Dokumentation über die Sekte Der letzte Tag zu drehen. Anfangs ist Kyle skeptisch, da all seine Wünsche auf freie Arbeit und ein großzügiges Budget ihm auf einem Silbertablet serviert werden, kann aber keine Fall erkenne. Zusammen mit seinem Mitarbeiter und bestem Freund Dan beginnt er die Dreharbeiten in London. Dort begegnen sie etwas, was nicht von dieser Welt zu sein scheint. Auf was für ein morbides Spiel sich die beiden eingelassen haben dämmert ihnen erst, als rings um sie Morde geschehen. Bestialische. Durch nichts zu erklärende Morde. Aber die beiden erkennen die Gefahr nicht und setzen ihre Dreharbeiten in Frankreich und den USA fort, auch, als ihrer beider Leben bedroht wird.

Das Cover zeigt ein verlassenes, halb verfallenes Farmgebäude, mitten in der Wildnis. Eine Schar Vögel umkreist das Gebäude, welches im abendlichen Rot unheimlich schimmert. Zusammen mit dem Klapptext war dies ein Garant, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe. Obwohl es dem Grauen nicht im Enferntesten gerecht wird, welches zwischen den Zeilen lauert.

Sofort mit dem ersten Satz des Buches, hat mich Adam Nevill in seinen Bann gezogen. Er schreibt unfassbar spannend und ich sah mich in einem Strudel aus Gewalt, Terror und Horror gefangen, der mich nicht mehr aus seinem Klammergriff entließ. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ein Spannungsbogen dermaßen straff gespannt sein kann, dass er das gesamte Buch über förmlich vibriert, aber Nevill ist dies gelungen.
Der Autor schildert die Ereignisse aus der Sicht des Dokumentarfilmers Kyle und seiner Freundes Dan. Die Schreibweise ist kurz, knapp und sehr nüchtern, was ein merkwürdiges Gefühl der Realität erzeugt. Spekulationen und weitschweifige Ausführung sucht man hier vergeblich; man erhält die nackte Realität, die die pure Angst im Leser auslöst. Poltergeister und paranormale Phänomene haben immer noch einen gewissen Stellenwert in unserer Gesellschaft und lassen so Spielraum, für die Wahrheit. Ich musste mich arg am Riemen reißen und mir oft vor Augen halten, dass dies nur ein Buch ist, um nicht wie wild im Internet zu forschen, ob nicht doch ein Funken Wahrheit an der Geschichte dran ist.
Die Örtlichkeiten sind ungewöhnlich gewählt, aber mehr als passend zu dem Inhalt des Buches. Der Start der Dreharbeiten ist in London, mitten in einer belebten Straße. Wohlstand und Egozentrik prägen das Bild. Und mitten drin ein leer stehendes Haus. Die Mieter sind alle förmlich geflüchtet vor dem morbiden Eigenleben, welches zwischen den Wänden haust. Auch Kyle und Dan ergreifen fast panisch die Flucht. Doch die Kamera lügt nicht: Es war etwas mit ihnen im Gebäude! Szenenwechsel nach Frankreich. Ein verlassener Bauernhof in der Normandie. Einsam, verfallen und mit Fallen ausgelegt, erzeugt dies für sich schon ein ungutes Gefühl. Wenn etwas passieren sollte, ist weit und breit keine Hilfe in Sicht. Und es passiert etwas. Der nächste Wechsel führt in die USA. In die Wüste Arizonas. Grenzenlose Weite, aber auch grenzenlose Einsamkeit. Jeder der drei Orte für sich ist spektakulär gewählt und ich konnte mir nicht vorstellen, dass es noch schlimmer kommen könnte, aber es kam schlimmer. Nevill lässt keine ruhige Minute zu und peitschte mich förmlich durch das Buch.
Sekten und paranormale Erscheinungen haben mich schon immer fasziniert. Beides in einem Buch mit dieser außergewöhnlich intensiven Hintergrundrecherche des Autors, ist ein höllischer Hochgenuss. Es wird schnell deutlich, dass Adam Nevill viele und intensive Nachforschungen für dieses Buch betrieben hat, da häufiger Bezug auf wahre Geschehnisse Bezug genommen wird. Die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit vermischen sich immer mehr.

Seine Charaktere hat Nevill interessant und lebensah geschildert. Der Dokumentarfilmer Kyle, ehemals erfolgreich durch Eigenproduktionen, krebst jetzt am Rande des Existenzminimums, die Schulden lassten schwer auf seinen Schultern. Mitten in diese triste Stimmung, die kaum Spielraum für Hoffnung lässt, kommt das Filmangebot von Max. Kyle schöpft neuen Mut, da ein Film über eine Sekte mit paranormalem Hintergrund wie für ihn gemacht ist. Voller Eifer stürzt er sich in die Arbeit, die interessant geschildert wurde. Für mich als Laie, waren die Hintergrundinformationen packend und ich staunte nicht schlecht, wie viel Arbeit hinter einem Film steckt! Der Autor schildert das Geschehen quasi durch den Sucher und man erlebt es hautnah mit. Doch nach und nach kippt die Stimmung: Panik macht sich breit. Unglaube wird zu Glaube. Paranormale Aktivitäten werden in die Wirklichkeit gezogen.
Dan hingegen ist der ruhende Pol. Sie sind zwar beste Freunde, aber Dan kommt auch ohne den Filmdreh zu recht. Er steht ihren Forschungen skeptisch gegenüber und lässt sich nur schwer aus der Ruhe bringen. Doch als es geschieht, ist es für eine Umkehr (fast) zu spät.

Mein Fazit
Buch nicht schief halten! Sonst tropft Blut raus! Einer meiner besten Horrorschocker der letzten Jahre!
 
 
 


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