Ebook-Piraterie

Alles frisch von der Leber talken, Hauptsache es ist Fantasy, Science-Fiction, Horror oder Du glaubst, es wäre welches.
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minkey
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Ebook-Piraterie

Beitrag von minkey » So 15. Sep 2013, 21:18

Hmm, ich meine ich hätte von keks_fussel einen Beitrag zu diesem Thema hier gelesen, aber ich finde den Thread nicht. Wieder gelöscht?

Hier ein Link zum Thema:
Bücher stehlen als Geschäftsmodell

Ein Interview mit einem EBook-Piraten der so'n Unsinn von sich gibt, wie: "Wir verkaufen unsere Produkte für Null Euro."
Was mich erschreckt ist, dass eine Handvoll Verrückte mal eben mehr oder weniger unbehelligt einen riesigen Schaden anrichten kann.

In der Musikbranche haben Musiker wenigstens noch die Möglichkeit ihr Geld mit Konzerten zu verdienen. Können Autoren hingegen mit dem Verkauf von Büchern kein Geld verdienen, stehen sie schlicht nackt da.

Und:
"Das machen professionelle Software-Entwickler nebenher, als Hobby. Das finden Sie häufig in unserer Szene, dass Informatiker in ihrer Freizeit solche Projekte unterstützen."
Als Hobby andere Branchen arbeitslos machen. Schönes Hobby...
Teeren und federn sollte man sie. Mindestens!!!

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Hexodus
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Re: Ebook-Piraterie

Beitrag von Hexodus » Mi 18. Sep 2013, 12:40

Das werde ich mir gerne durchlesen. Die von Dir erwähnten Passagen klingen tatsächlich sehr scheinheilig. Die Debate um geistiges Eigentum und Raubkopien wird seit den Anfängen der Elektronischen Medien geführt. Erstmals wurden Ideen und Inhalte in einer von außen kaum einsehbaren abstrahierten Form auf Datenträgern gespeichert. Den überlegt mal. Bis dato konnte man ein Objekt und seinen Inhalt direkt Prüfen. In die Hand nehmen, wiegen messen und somit gut einschätzen. Selbst Bücher lassen sich mittels Durchblättern und Anfassen als einen direkten handhabbaren Wert einordnen. Das ist auf Datenträgern hingegen unmöglich. Selbst auf dem kleinsten Trägermedium können Unmengen gespeichert werden. Auf einem 1GB großen Stick passen locker 1000 Ebooks! Das ist eine ausgewachsene Bibliothek, nur würden wir einem vollgestopften Bibliotheksraum einen hohen Wert beimessen, währen wir einen kleinen USB-Stick eher gering schätzen würden. Im Prozess der Digitalisierung ging unser Sinn für den Wert der Inhalte verloren und das sieht man dann in Form von Raubkopien. Unrecht empfindet dort scheinbar niemand. Die Daten sind schließlich nicht in einer Stofflichen Form vorhanden, demnach keine Gegenstände die man klauen kann und da sich Daten ohne Verlust duplizieren kann ist scheinbar niemanden etwas abhanden gekommen. Früher hätte man wenigstens noch gemerkt wenn einem ein Buch geklaut wird :?
Wir können Dinge die wir nicht in die Hand nehmen können nicht verstehen. Das Wort "Begreifen" beinhaltet das in die Hand nehmen und den dadurch eingeleiteten Verstehensprozess. Das hat bis heute kein einziger Verlag kappiert. Wenn ich etwas kaufe, möchte ich es begreifen in einer physikalischen Form also für mein Geld etwas physikalisches erstehen, das ich anfassen, ins Regal stellen, verkaufen oder tauschen kann. Ein Gegenstandswert. Das gibt es durchaus bei Filmen - eine DVD oder BlurRay kann man kaufen. Ein Ebook gibt es in einer solchen Form nicht zu erstehen. Daher verwundert es nicht, dass das Raubkopienproblem wächst und damit einhergehende Unrechtsbewußtsein schwindet. Ein Raubkopierer kannt behaupten NICHTS geklaut zu haben ... und das Säugetier in uns wird zustimmen. Beim Ebook sind wird endgültig in der Datenwelt angekommen und haben die Inhaltstranszendenz eingeleitet. Fast könnte ich meinen, dass wir bei Ebooks mit der Seele der Bücher zu tun haben, möchte mich aber nicht auf theologische Diskussionen einlassen :mrgreen:

Aber wozu diese Aufregung - die jüngere Generation liest nicht so gerne, heißt es doch schon seit immer. Was passiert also, wenn die Raubkopien niemand downloadet? :lol:

Nur so zur Volksbelustigung möchte ich einen Raubkopierer zitieren, der irgendwann seine Page aufgegeben hat mit den Worten "...schließlich gibt es im Leben mehr als die ganze Nacht vor dem Computer zu hocken". Wie wahr. Jetzt hockt der Kerl sicher vor dem iPad oder sowas *lol*

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Nina
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Re: Ebook-Piraterie

Beitrag von Nina » Di 29. Okt 2013, 11:02

Dass die jüngere Generation nicht liest, kann durch Statistiken ganz klar wiederlegt werden. Dazu sollte man auch die Rahmenbedingungen bedenken: Bücher sind heutzutage durchaus leistbar - mindestens leistbarer als für die Kinder der Nachkriegsgeneration. Und davor dürften sich Jugendliche auch nicht so einfach ein Buch gekauft haben. Da hat man halt vielleicht eins zu Weihnachten bekommen. Und für die Bücherverkäufe zählen letztendlich die verkauften Exemplare und nicht ein Buch, das zwanzig Mal rumgeht. Als Beispiel, wie es in den guten alten Zeiten war, werden da auch meiner Erfahrung nach wenige Familien herangezogen, die zur absoluten Oberschicht gehört haben. (Aber wie es so schön heißt: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral" - wenn auf meinen Mittagsteller ein paar verrunzelte Kartoffeln liegen, hält sich die Begeisterung für den Bücherkauf auch in Grenzen.)

Ich muss gestehen, obwohl ich selbst schreibe, dass ich jemanden, der sich ein E-Book illegal runterlädt, jetzt auch nicht den großen Verbrecher sehen kann. Es ist auch irgendwo so eine Sache, die sehr viele (fast alle?) Menschen schon einmal im Leben getan haben. Es ist nicht in Ordnung, aber für mich rangiert das irgendwo in der Liga kleinerer Verkehrsdelikte wie z.B. bei Rot über eine Ampel zu laufen. Und ja, ich stimme dem zu: Es ist halt mit materiellen Produkten anders, denn dann hat der Besitzer nach dem Diebstahl die Sache nicht mehr. Und manche Raubkopiergegner buhlen auch nicht gerade um Sympathien, wenn sie beispielsweise die Weitergabe unter Freunden und Familienmitgliedern kriminalisieren. Es gibt auch immer wieder Pläne, verschiedene Produkte nur mehr für ein Gerät nutzbar zu machen. Dazu muss man bedenken, dass viel, was kostenlos erhältlich ist, auch im Endeffekt gesammelt, aber nie konsumiert wird. Ich kenne Leute mit Unmengen an Filmen und Co. auf der Festplatte, die fast überhaupt nichts davon gesehen haben. Die errechneten Schadenssummen sind daher meist lächerlich, weil nie und nimmer die ganzen Produkte tatsächlich gekauft worden wären.

Kommerzielle Nutzung von Raubkopien finde ich natürlich eine ausgemachte Sauerei und wer das im großen Stil macht, soll auch bestraft werden.

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Nazena
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Re: Ebook-Piraterie

Beitrag von Nazena » Mi 30. Okt 2013, 20:11

Ich kenne den Bericht und halte es auch für absolut unverschämt. Ich kann nachvollziehen, warum viele aus einer gewissen Geisteshaltung heraus (Wissen sollte frei sein; es ist möglich, also mache ich es; ich tausche gegen andere Sachen...) Raubkopien auf diversen Seiten ins Netz stellt und sehe es relativ gelassen. Ich habe einen anderen Bericht gelesen, in dem auf einen Raubkopierbericht verwiesen wurde und der als Quintessenz "Viel Lärm um Nichts" aussagt. Siehe dazu auch Wikipedia:

Im Jahr 2011 stieg der Umsatz bei E-Books laut GfK im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 77 Prozent an. Damit erreichten E-Books erstmals einen Anteil von etwa einem Prozent des Gesamtumsatzes der Buchindustrie.[2]

Der Anteil von ebooks am Buchverkauf ist gering. Viele ebooks sind außerdem "Low Budget Produktionen", also Bücher, die von Hobbyautoren geschrieben und für Kleinstpreise auf Amazon gehandelt werden.

Ich finde allerdings, dass man dem Käufer nicht die "Alleinschuld" zuweisen darf. Ebooks stellen nunmal wie Adrian geschrieben hat keinen gegenständlichen Wert dar, bieten aber auch eine Menge Vorteile, die Papierbücher nicht haben. Zum Beispiel kann man zusätzliche Medien einblenden- wenn in der Handlung des Buches ein bestimmtes Lied oder Bild oder was auch immer erwähnt wird, wäre es doch toll dieses mit einem Knopfdruck ebenfalls hören oder sehen zu können. Fachbücher und auch Lexika müssen permanent überholt werden, gerade in den Naturwissenschaften muss man alle 3 Jahre neue Bücher kaufen. Warum keine "Wissensflatrate": man bezahlt jeden Monat einen bestimmten Betrag (oder auch ein Jahr) und dafür werden die Fach-ebooks jeden Monat geupdatet? Ich hätte noch jede Menge solcher Ideen und denke, dass der große Umbruch erst noch kommen wird, wenn sich ebook und Printbuch stärker voneinander abgrenzen werden. Auch in der Schule gibt es tolle Einsatzmöglichkeiten- Schüler machen ihre Hausaufgaben im ebook auf dem Tablet, nach Fertigstellung werden sie per Knopfdruck zum lehrer geschickt. Für die Kinder eher schlecht, da man sich nicht mehr herausmogeln kann :lol: , grundsätzlich aber möglich und wahrscheinlich bald realistisch- schon jetzt nutzen Universitäten Clouds und Datenteilung innerhalb von Seminaren und Tutorien.

Bücher stellen immer noch einen Wert dar. Ein Taschenbuch kann man am Strand gemütlich lesen, ohne Angst zu haben, dass Sand, Wasser oder Sonnenmilch das teure Gerät beschädigen. Man muss auf ein Buch längst nicht so sehr aufpassen wie auf einen Reader, da der Wert geringer ist. Es kann aber nicht angehen, dass man nur eine Leseberechtigung erhält, die nur 1 oder 2 € weniger kostet als ein gegenständliches Buch!
Leseflatrates und ähnliches, wie schon im Bereich der Video on demand Filme, werden sich sicher mehr etablieren- prinzipiell geschieht es bereits im Bereich der Onleihenbibliotheken. Wir hier sind zumeist Vielleser, aber die Mehrheit der Deutschen liest nur sehr wenige Bücher im Jahr. Dafür müssen sie keine teuren Lesegeräte erwerben und sich mit einem weiteren technischem Spielzeug auseinandersetzen. Bücher werden auch viel von Passanten beim Stadtbummel gekauft oder als Geschenke erworben. Auch der Gebrauchtbuchhandel wird gegenständlich bleiben.


Es aber als Geschäftsmodell hinzustellen fremdes geistiges Eigentum zu klauen und sich persönlich daran zu bereichern ist wirklich selten dreist. Ich hoffe, das hat für die Betreiber ein Nachspiel.

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Nina
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Re: Ebook-Piraterie

Beitrag von Nina » Do 28. Nov 2013, 12:01

Warum keine "Wissensflatrate": man bezahlt jeden Monat einen bestimmten Betrag (oder auch ein Jahr) und dafür werden die Fach-ebooks jeden Monat geupdatet?
Es gibt auch das, dass man ein Buch kauft und bei dem eine CD beiliegt. Die kann man dann über das Netz updaten.
Weiters gibt es kostenpflichtige Zugänge in Archieve von Fachzeitzeitschriften oder in wissenschaftliche Datenbanken. Allerdings so teuer, dass sich das normal privat kein Mensch kauft. Dann muss man halt beispielsweise von der Uni drauf zurückgreifen.

Aber Du hast vollkommen Recht: Gerade die modernen Publikationsmöglichkeiten werden im wissenschaftlichen Bereich nicht ausgeschöpft. Auch alte Fachbücher - und gibt tatsächlich Bücher, die es nur einmal in der Form gibt und die auch nicht schnell veralten, ich denke mal einen Knochenatlas, wo alle Tierknochen abgebildet waren und den man nicht mehr kaufen konnte, das wäre als E-Book oder noch besser in irgendeinem Print-on-Demand-Verfahren sicherlich sinnvoll gewesen. So haben die Studenten halt das ganze Buch kopiert und irgendwann gingen dann mal windschief gescannte Seiten rum. Dazu macht auch das E-Book Sinn, weil viele einen Tag vor der Prüfung draufkommen, dass ihre Mitschrift doch nicht so toll ist oder eine Hausarbeit abgegeben muss und Literatur fehlt. Ich glaube, da wären viele bereit, auch einen höheren Preis zu zahlen, wenn einen das Feuer unter dem Hintern brennt. In allgemeinen Raubkopiererbörsen sollte sich so was auch nicht finden lassen.

Dagegen bei Krimis oder so lädt man halt schnell runter, was in entsprechender Kategorie steht. Und die Leute haben auch die Muße, so was wie: "Kann man wer ... hochladen?" zu schreiben.

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