Die große Science-Fiction-Frage

Alles frisch von der Leber talken, Hauptsache es ist Fantasy, Science-Fiction, Horror oder Du glaubst, es wäre welches.
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sachmet
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von sachmet » Mo 17. Feb 2014, 17:08

sollte ich den neuen Job bekommen, bekomme ich ein tolles und aktuelles Laptop *angeb* und einen Home Office Platz *träum* dann könnte ich auch mal was auf dem PC schauen.In Amiland sind schon viele Serien weiter, auf die ich sehnsüchtig warte. White Collar, Justified...

Ich habe überlegt, was ich als letzten SF Film gesehen habe, das war wohl Ender. Absolut beeindruckend, allerdings bin ich trotz allem eher Fan der Bücher
am Ende wird alles gut. Und wenn nicht alles gut ist..dann ist es auch nicht das Ende

(bet excotic merrigold hotel)

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Hexodus
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Mi 19. Feb 2014, 15:03

Das klingt doch gut. Wer würde da noch arbeiten wollen im Homeoffice :mrgreen:

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AlesPickar
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von AlesPickar » Fr 13. Jun 2014, 09:44

Ich wünschte, ich könnte mich noch erinnern, was die erste SciFi-Geschichte war, die ich gelesen hatte. Ich vermute aber sehr stark, dass es ein Roman von Jules Verne war. Mein Großvater hatte eine ganze Reihe von ihnen, in einer schönen Edition aus den 20ern, mit den Kupferstichen von Riou. Das ist nicht unbedingt Science Fiction, aber ich war erst sieben oder acht Jahre alt. Und obwohl damals in der Tschechoslowakei recht viele Science-Fiction-Bücher erschienen, waren diese doch stark selektiert. Ein Buch wie "Starship Troopers" von Bob Heinlein wäre undenkbar gewesen. Auch nicht die imperialistisch anmutenden Bücher von Asimov. Aber Arthur C. Clarke rutschte sehr gerne durch und somit war "Rendezvous with Rama" sicherlich einer der ersten waschechten SciFis, die ich gelesen habe. Seit 1983 lebte ich dann in Deutschland und war etwas überwältigt davon, was es da alles nachzuholen gab (denn gerade in diesen Jahren lief das redaktionelle Imperium von Wolfgang Jeschke zur Höchstform auf und BRD war eine echte Sci-Fi-Hochburg. Man kam gar nicht hinterher, alles zu lesen). Ich habe mit vierzehn sogar einen etwas holprigen Fan-Brief an den genannten Robert A. Heinlein geschrieben und erhielt sogar eine Antwort. Aber interessanterweise hatte Star Wars nie diesen Effekt bei mir, den ich seit dem immer nur als Zaungast erlebe.

Welche SF-Autoren/-Regisseure gehören zu Deinen Favoriten?
Bei Regisseuren: Ridley Scott der "Alien"- und "Blade Runner"-Jahre gehört dazu. Ich nehme an, meine Generation teilt sich in zwei Hälften auf: jene, die in den Achtzigern "Blade Runner" gesehen haben und vollkommen entsetzt waren - und jene, die gänzlich hingerissen waren. Ich gehörte zu jenen, die ganze Szenen auswendig lernten und das Eröffnungssynthesizer-Thema von Vangelis auf einer Bontempi-Orgel nachspielten.

Bei Autoren ist es eine breite Palette. Das Buch "Dying Inside" von Robert Silberberg ist ein großartiges Meisterwerk. Die Geschichte eines (nicht unbedingt sympathischen) Mannes, der seit seiner frühesten Kindheit telepathisch war und seine Fähigkeit vor allen Menschen verborgen gehalten hat. Er ist ein Misanthrop, der seine Gabe hasst. Doch dann, in seinen Vierzigern, beginnt die Fähigkeit schwächer zu werden und zu schwinden und stellt den Protagonist vor eine Reihe neuer Probleme. Es ist eines der existentialistischsten SciFi-Bücher, die ich kenne. Alle Romane des "Welt des Mittags"-Zyklus ("Мир Полудня") sind sicherlich mein Favorit. Ebenfalls: "The Currents of Space" und "Pebble In the Sky" von Isaac Asimov.

Was hat Dich geprägt?
Im Bezug auf Science Fiction vermutlich Boris & Arkadi Strugatzki, aber auch die Bücher von Ludvík Souček, der in Tschechien recht populär war. Und es gibt da einen sagenhaften Roman von einer (ansonsten) dem historischen Genre zugewandten Autorin, namens Ludmila Vaňková. In meinem Geburtsjahr hat sie ein großartiges Buch mit dem Titel "Mosty přes propast času" ("Brücken über die Schlucht der Zeit") geschrieben. Ich halte das noch immer für ein einzigartiges Werk, dem wenig näherkommt. Es hat eine sehr spannende Prämisse, doch der Reiz besteht darin, dass es von einer Frau geschrieben wurde, die auf echte Charaktergeschichten spezialisiert war. Bis dahin muteten mich doch viele Sci-Fi-Erzählungen als etwas gesichts- und dimensionslos, wenn es auf die "Lebendigkeit" der Protagonisten kam. Die meisten der großen SciFi-Autoren waren eindeutig nicht auf große Charakterstudien spezialisiert. Doch hier besaßen die Protagonisten eine Frische und Lebendigkeit, die mir bis dahin unbekannt war. Leider ist das Buch außerhalb Tschechiens gänzlich unbekannt. Und dann natürlich "The Day if the Triffids" von John Wyndham und ein sehr reizvoller Roman von Gordon R. Dickson, mit dem Titel "Time Storm". Inzwischen vermutlich recht vergessen.

Was bedeutet Science Fiction für Dich?
Die Rolle der Science Fiction im Bewusstsein der Menscheit ist ein sehr seltsames Phänomen. Das Projizieren von diversen Realitäten auf die Zukunft mochte schon immer ein Teil der jeweils vorhandenen Literatur sein, aber niemals so, wie in den vergangenen 80 Jahren. Wir scheinen einen Punkt erreicht zu haben, an dem Science Fiction zu einem grundsätzlichen Bestandteil des Gestaltungswillens innerhalb der wirklichen Welt ist. Nicht alles, was Sci-Fi-Autoren schreiben, trifft so ein. Aber es ist mehr ein in Geschichten eingebetteter Think-Tank. Am Erstaunlichsten ist sicherlich die Gestalt des "Außerirdischen", die in gewissen Grundformen so tief in das kollektive Bewusstsein eingedrungen ist. Kein Wunder, dass einige hierbei behaupten, es wäre ein notwendiger Zwischenschritt, um auf die Ankunft des "real thing" vorbereitet zu werden. Für mich persönlich ist Science Fiction mit einer gewissen Form von Romantik und Abenteuerlust verbunden. Aber stets auch ein wenig ein soziales Gedankenexperiment, mit der menschlichen Psyche auf dem Prüfstand.

Und was ist überhaupt gute Science Fiction für Dich?
Ein jedes Science Fiction-Buch, das nicht versäumt, der emotionalen Logik entsprechend gerecht zu werden. Denn das war stets auch ein wenig die Achillesferse des Genres.

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Hexodus
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Mo 7. Jul 2014, 22:39

AlesPickar, ich danke Dir für diesen tollen Beitrag. Hat mir Freude gemacht zu lesen, wie Du zur SF gekommen bist und was sie für Dich bedeutet. Ich habe die Leute in der Tschechoslowakei stets als Nachbarn empfunden. In Oberschlesien konnten wir zwei tschechische TV-Kanäle empfangen, also bin ich mit tschechischen Märchen aufgewachsen. Bemerkenswert war, dass ich als Kind problemlos alles verstand. Diese Fähigkeit ist mir inzwischen abhanden gekommen, doch kommt mir die Sprache nach wie vortraut vor.
Die Schwäche der SF in Punkto Charakterstudie ist mir ehrlich gesagt nie aufgefallen. Vermutlich ist die SF zusammen mit mir erwachsen geworden und hat das, was ich aufgrund meine Jugend übersehen habe einfach nachgeliefert. Womöglich erklärt sich so meine Faszination für Die Autoren Nil Asher und Peter F. Hamilton, die sowohl die technische Würze als auch den Menschlich-erzählerischen-Part bestens beherrschen.

Ich denke auch, dass die SF in unserem Alltag angekommen ist. Womöglich ist deren Wahrnehmung deshalb schwächer (subjektiv gesehen), weil wir so sehr von der Technik umgeben sind, wie noch nie. Und es ist immer der Mangel an etwas, das zu einem größeren Interesse an diesem führt.

Echt Schade, dass das von Dir angepriesene Werk von Ludmila Vaňková nicht auf Deutsch verfügbar ist. Das würde ich nur zu gerne lesen.

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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von AlesPickar » Di 15. Jul 2014, 10:12

Hallo Hexodus,
Ich denke, dass heute Science Fiction in einem so breiten Spektrum aufstellt ist, dass man ihr tatsächlich keinen Mangel an Charaktertiefe bescheinigen kann. Aber das setzte auch eine gewisse Entwicklung voraus. Magazine wie "Astounding" (John W. Campbell jr.) oder "Amazing Stories" (Hugo Gernsback) hatten in den 20ern, 30ern und 40ern eine SciFi von ihren Autoren verlangt, die mehr mit interessanten Ideen zu tun hatte, mit sozialen Fragen und einer dicken Spur "Pulp". Eine kreischende Blondine und ein Monster mit Tentakeln waren kein ungewöhnliches Titelmotiv für ein Heft, in dem man dann tatsächlich Kurzgeschichten von Isaac Asimov und Robert Heinlein fand.

In seinem Buch "Asimov on Science Fiction" beschreibt I.A. wie sehr Campbell von seinen Autoren "harte" Science Fiction verlangte - "SF, die sich mit Wissenschaftlern, Ingenieuren, Erfindern befaßte und von Autoren geschrieben wurde, die sich mit Wissenschaft und Technik auskannten." Das mochte in den 60ern bereits ein wenig anders sein, aber es setzte durchaus einen langwierigen Reifungsprozess voraus, bis diese "frühen Prämissen" endgültig abgeschüttelt waren.

Heute gilt es als außerordentlich lobenswert, in einem SciFi-Roman starke fantastische Elemente mit echten, tiefen Charakteren zu verbinden. Etwas, das wir sicherlich Ray Bradbury und P.K.Dick zu verdanken haben.

Ich finde, ein gutes Beispiel ist Arthur C. Clarkes "Rendezvous mit Rama". Ein hervorragender Roman, dem man sicherlich nicht nachsagen kann, er hätte komplexe und profilreiche Protagonisten. Die Menschen darin sind eher eindimensional, insbesondere, weil sie nicht im Mittelpunkt des Geschichte stehen. Das untersuchte "Objekt" steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Jahrzehnte später hat Clarke Fortsetzungen zu seinem Bestseller geschrieben und sich hierbei bemüht, plötzlich Menschen mit Tiefe und Vergangenheit vorzustellen - und das Ganze mutet sichtlich anstrengend und nicht gerade gelungen an. Er entstammte nun mal (bei allem Respekt) einer legendären SciFi-Autoren-Generation, welche sich die Campbells und Gernsbacks und Horace Golds dieser Zeit nach bestimmten Talenten und Voraussetzungen herangezogen haben. Menschliche Wärme und interessante Charakterstudien gehörten damals eindeutig nicht zu den geförderten Eigenschaften.

Inzwischen ist es in der Tat anders. Es gibt eine Menge Autoren, die eine SciFi schreiben, die vor Leben strotzt und deren Protagonisten Tiefe und Aussage besitzen.

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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Mi 16. Jul 2014, 09:38

Ja, die Cover der Pulpmagazine waren sicher das, was man mit dem Englischsprachigen "Cheezy" betiteln kann. Es wurde alles drauf geklatscht, das ein männlicher SF-Leser zum Kauf anreizen könnte, also Brüste, Tentakeln, Laserstrahlen, Raumschiffe, Planeten, Asteroiden, verrückte Professoren und testosteronstrotzende Helden in Uniformen. Heute ist die SF-Titelbildmischung weniger bunt und ausgewogener ;)
Obwohl ich mit einigen der alten Autoren aufgewachen bin, Arthur C. Clarke und Rama inklusive, ist mir die Charakterschwäche der Geschichten nicht aufgefallen. Liegt sicherlich an meinem damaligen Fokus, der deutlich stärker an dem fremdartigen und technophilen lag. Heute bin ich verwöhnter und setzte gute Charaktergebung als gegeben voraus, wenn ich ein SF-Buch in die Hand nehme.
Natürlich hast Du Recht, so etwas entsteht nicht über Nacht und muss sich aus etwas entwickeln. Genug Zeit zum Erwachsenwerden und Reifen hatte das Genre ja.

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