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Tobias O. Meißner

Sieben Heere

  • Autor:Tobias O. Meißner
  • Titel: Sieben Heere
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Piper
  • Datum:09 November 2015
  • Preis:16,99 EUR

 
»Sieben Heere« von Tobias O. Meißner


Besprochen von:
 
Korlat
Deine Wertung:
(4)

 
 
Ins friedliche Akitania rücken die Soldaren Nafarroas ein, aufgeteilt in sieben Heere. Dreißig dieser Soldaren, angeführt von einem Capitar, einem Offizier auf einem Gryph, besetzen das kleine Dorf Hagetmau. Sie nehmen die Bhyrgerin (Bürgermeisterin) und den Semanen (Schamanen) sowie einige andere Dorfbewohner als Geiseln und richten sich im Dorf ein.

Zunächst wissen die Hagetmauer nicht so recht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Ratlosigkeit ist das vorherrschende Gefühl. Die Soldaren werden in den folgenden Tagen allmählich Teil des Dorfes. Der Capitar steigt gelegentlich auf den Turm des Tempels und überblickte das Dorf. Alles sieht klein und ordentlich aus von dort aus, er erwartet keine Schwierigkeiten.

Als weitere Geste der Normalität sollen seine Soldaren künftig in der Dorfkneipe essen. In Folge einiger Missverständnisse finden zwei Soldaren dort den Tod. Die Hagetmauer fürchten ihre Bestrafung und wollen den Vorfall vertuschen. Von da aus entwickelt sich unaufhaltsam nun doch die Gewalttätigkeit zwischen den Soldaren und den Dörflern. Der Versuch der friedlichen feindlichen Übernahme des kleinen Dorfes endet in einem Blutbad.

Kommentar
„Sieben Heere“ ist kein einfach zu lesendes Buch. Hier geht es nicht in erster Linie um die Geschichte der wenigen ersten Tage der Besatzung eines vormals friedlichen Dorfes durch feindliche Soldaten. Vielmehr lesen wir, wie Menschen, die gewöhnlich friedlich zusammenleben, innerhalb weniger Tage in einen Blutrausch verfallen. Wir verfolgen, wie ein in seiner Kindheit traumatisierter Mann plötzlich einen Soldaten nach dem anderen abschlachtet, wie ein Tunichtgut zum Anführer aufsteigt, wie eine junge Frau die zögernden Dörfler zum Widerstand aufruft und ihm vorneweg läuft.

Ein Dorf verliert seine Unschuld angesichts drohender Gewalt. Die alte Ordnung zerbricht, weil die Bhyrgerin, die diese repräsentiert, zunächt von dem Capitar festgehalten wird und den sich schnell entfaltenden Aufstand erst spät mitbekommt. Die alte Ordnung kann auch nicht mehr wieder hergestellt werden, nicht nach den blutigen Ereignissen.

Als geradezu schicksalhaft erleben die Einwohner von Hagetmau die Geschehnisse. Immer kürzer werden die Kapitel, in denen uns die Ereignisse geschildert werden. Immer schneller wechseln die Schauplätze, so schnell wie die Raserei, die die Dörfler erfasst hat. Das Dorf reagiert nach einigem Zögern wie ein einziger Organismus und geht den Weg von der Angst in den Blutrausch in einer einzigen Nacht.

Tobias Meißner wählt geschickt die Stilmittel, die uns helfen, das Geschehen auf eine allgemeinere Ebene zu heben. Er verfremdet Berufe und Funktionen – die Bhyrgerin, der Semane etc. und auch die Ränge des fremden Heeres – Capitar/Generar. Immer wieder tauchen leicht verfremdete Worte auf. Auch die Namen der beteiligten Königreiche – Nafarroa und Akitania – lassen sich nur leicht verändert in europäischen Geschichtsbüchern finden. Die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Oft wechselt die Erzählperspektive zu einem der feindlichen Soldaren und zeigt, dass sie nicht anders sind als die Dörfler aus Hagetmau. Durch die vielen verschiedenen Perspektiven entsteht keine Bindung an eine Person, der wir über weite Strecken folgen können. Es ist nicht möglich, Sympathien zu entwickeln oder gar Mitgefühl für Einzelne zu empfinden.

Ich bin mir nicht sicher, was uns der Autor im angekündigten Folgeband noch zeigen kann. Die Verrohung, die durch Krieg und Gewalt entsteht, wurde hinreichend deutlich. Es gibt aber immer noch Schlimmeres, gerade unsere Geschichte lehrt uns das.

Fazit
Es ist mir nicht leicht gefallen, das Buch bis zum Ende zu lesen. Es war an vielen Stellen grausam, vielleicht gelegentlich unnötig grausam. Trotzdem will ich wissen, wie es weitergeht und werde sicher auch den nächsten Band lesen.
 
 
 


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