•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Steven Erikson

Das Spiel der Götter 2
Das Reich der Sieben Städte

  • Autor:Steven Erikson
  • Titel: Das Reich der Sieben Städte
  • Serie:Das Spiel der Götter 2
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Goldmann
  • Datum:00 -
  • Preis:24.00 DM

 
»Das Reich der Sieben Städte« (Das Spiel der Götter 2) von Steven Erikson


Besprochen von:
 
Thomas Troegel
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Mit "Das Reich der Sieben Städte" liegt mittlerweile der
zweite Band der bemerkenswerten Saga "Das Spiel der Götter"
des Kanadiers Steven Erikson vor. Für die relativ schnelle Veröffentlichung
gebührt Blanvalet große Anerkennung. Leider hat sich der Verlag
bei diesem Buch wieder auf alte "Tugenden" besonnen. So hat man
das Buch, welches im Original den Titel "Deadhouse Gates" trägt,
leider gesplittet. Der demnächst erscheinende Band "Im Bann der
Wüste" wird das opulente Werk vervollständigen. Ob die Teilung
solcher Bücher immer erforderlich ist, sei dahingestellt. In der Original-Taschenbuchausgabe
hat dieser Band etwas über 700 Seiten. Da der vorliegende erste Abschnitt
schon 500 Seiten umfasst, scheint eine kürzlich gehörte Feststellung,
dass es bei Übersetzungen aus dem Englischen zwangsläufig zu einer
Umfangsausdehnung kommt, zuzutreffen. Allerdings wird der Leser so gezwungen,
für die beiden Bände fast 50 DM hinzulegen. Für eine solche
Summe erhält man nicht selten eine schöne gebundene Buchausgabe.

Wie schon im ersten Band erzählt Steven Erikson mehrere parallel
laufende Handlungen. Zu Beginn lernt der Leser Felisin, eine sehr junge
Adlige aus dem Hause Paran kennen, die einer Säuberungswelle der malazanischen
Imperatrix Laseen zum Opfer fällt, kennen. Zusammen mit dem ehemaligen
Priester Heboric, dem "Schläger" Baudin und vielen anderen
wird sie in die Sklaverei geschickt. Ihre Schwester Tavore ist dagegen zur
Mandata der Imperatrix geworden, die sie von nun an hasst. Bei dem Zug dieser
Leute zum Hafen kommt es zu zum Teil unvorstellbar grausamen Szenen, die
vom Imperium gewollt sind. Später finden sich die drei in den Otataral-Minen
einer Wüsteninsel wieder. Otataral ist ein Material, das Magie abwehrt,
doch aus Magie entstanden sein muss. Ein längerer Kontakt von Zauberern
mit diesem Material führt zum Wahnsinn. Felisin überlebt aufgrund
ihrer "Hingabe" zu Beneth, einem Chef der Mine. Im Verlauf des
dortigen Aufenthaltes verliert sie einen großen Teil ihrer eigenen
Würde. Gleichzeitig glaubt sie, dass Baudin und Heboric nicht aufrichtig
zu ihr sind. Während eines Kampfes und Feuer in der Minenstadt können
die drei fliehen. Die Flucht, die beinahe zum Tode führt, bringt sie
ans Meer. Es wird deutlich, dass die Flucht von Heboric lange im Voraus
geplant war. Die Rettung erfolgt durch die Ankunft des Magiers Kulp, doch
dieser flieht gleichzeitig vor einem wahnsinnigen Zauberer, der sie bald
wieder aufspürt. Als sie ein verlassenes Schiff mit kopflosen Personen
finden kommt es zur Begegnung mit Wesen, die T'lan Imass bezeichnet werden.
Diese helfen ihnen, wenn auch nicht ganz uneigennützig, doch ihre Problem
sind nicht gelöst.

In einem weiteren Handlungsstrang lernt man zwei sehr unterschiedliche
Wesen kennen, den Trell Mappo sowie das Jaghut-Halbblut Icarium. Beide verbindet
eine Mission, die sich erst langsam zu offenbaren scheint. Dabei verfolgen
beide nicht unbedingt gleiche Ziele. Bei einem Priester des Herrschers des
Hauses der Schatten wird ihre Aufgabe deutlich. Gleichzeitig enthüllt
sich ein wenig ihre Vergangenheit.
Ein weiterer Teil befasst sich mit der Reise des Sappeurs Fiedler, des ehemaligen
Diebes Crokus, des Mädchen Apsalar und des Assassinen Kalam. Ein Ziel
ist es, Apsalar endlich wieder in ihre Heimat zu bringen. Doch im Verlauf
der Ereignisse wird deutlich, dass Fiedler und besonders Kalam weitere Aufgaben
verfolgen. So will Kalam zum Wohle des Imperiums die durch Mord und Intrige
an die Macht gekommene Imperatrix Laseen töten. Auf seinem Weg nach
Aren, dem Hauptsitz des Imperiums erhält Kalam den Auftrag, das Heilige
Buch der Seherin Sha'ik zu übergeben, damit sich alte Prophezeiungen
erfüllen können. Auf der abenteuerlichen Reise, die er ohne seine
drei Kameraden durchführt, übergibt er trotz Bedenken das Buch
in der heiligen Wüste Raraku. Die Seherin stellt im für seine
weitere Kreuzfahrt einen Begleiter an die Seite. Hierbei handelt es sich
um einen Dämonen, der sich nicht als schlechtester Gefährte erweist.
Im Moment des Öffnens des Heiligen Buches durch die Seherin wird diese
durch die Malazaner getötet. Die Begleiter der Seherin vernichten fast
alle malazanischen Gegner und Kalam wird von Malazanern weiter verfolgt.


Die Hoffnung der Malazaner, dass die vorhergesagte Apokalypse durch
den Tod der Seherin verhindert wurde, erfüllt sich nicht. Der gefürchtete
Wirbelwind taucht auf, die Völker des Reiches der Sieben Städte
erheben sich gegen die verhassten Besatzer. Ein unglaublich grausamer Krieg
entbrennt, in welchen agierenden Personen auf die eine oder andere Weise
hereingezogen werden.
Fiedler, der mit seinen Gefährten ebenfalls durch die Wüste reist,
wird in letzter Sekunde durch Mappo und Icarium vor einem gefährlichen
Vielwandler gerettet. Von dem Priester des Schattens wiederhergestellt,
begibt man sich zusammen auf die Reise zu Tremolor, einem geheimnisumwitterten
Haus im Ödland.
Ein sehr wichtiger Teil des Buches beschreibt die Erlebnisse des Historikers
Duiker bei dem 7. Regiment des Imperiums, das unter die Führung des
Wickaners Coltaine, einem ehemaligen Kriegsgegner des Imperiums gestellt
wurde. Man erfährt von Duikers Rolle bei der Flucht der Gefangenen
aus den Otataral-Minen und man bekommt durch ihn den gesamten Schrekken
eines furchtbaren Krieges mit, indem zum Teil sinnlos aber auch gezielt
getötet wird. Man erkennt die Brillanz von Coltaine, das Versagen des
Adels, doch noch zeigt sich kein Ausweg.

"Das Reich der Sieben Städte" ist ein anspruchsvolles
und gleichzeitig geniales Buch. Erikson fasziniert mit seiner beeindruckenden
Erzählkraft den Leser genau wie im ersten Band der Saga. Wer ist nur
auf den deutschen Titel der Saga gekommen? Dieser ist sehr unglücklich
gewählt, insbesondere dann, wenn man den Originaltitel liest. Sicher
kommen auch Götter vor, doch sind dies nicht unbedingt die Hauptakteure.
Und originell ist der Titel "Das Spiel der Götter" auch nicht
gerade.
Bemerkenswert ist der Umstand, dass nur wenige Personen des ersten Bandes
zu Handelnden dieses Bandes werden. Bekannt sind dem Leser nur Fiedler,
Crokus, Apsalar und Kalam. Außerdem kennt man das Haus Paran, da ein
Held von Teil 1 dieser Familie entstammt. Obwohl auch die Handlung auf einem
anderen Kontinent spielt, ist es empfehlenswert, den ersten Band zu kennen.
Hin und wieder erfolgen Querverweise auf Handlungsträger, die im ersten
Teil agierten bzw. auf Geschehnisse, die sich dort ereigneten.

Für Liebhaber epischer und anspruchsvoller Fantasy ist diese Reihe
ein Muss. Die schriftstellerische Leistung von Erikson steht bisher
auf dem Niveau der monumentalen Saga "Das Lied von Eis und Feuer"
von George R. R. Martin. Obwohl der Rezensent auch sehr wohlwollend der
Edition "Das Rad der Zeit" gegenübersteht, scheint hier eine
noch interessantere Reihe zu entstehen. Hervorragend werden die verschiedenen
Charaktere vorgestellt. Es fällt schwer, festzulegen, welche Person
wirklich böse und welche gut ist. Und genau das ist faszinierend. Sicher
wäre es schön, wenn die unterschiedlichen Völker noch differenzierter
beschrieben würden, doch könnte dies den Rahmen des Buches gänzlich
sprengen. Und vielleicht plant Erikson dies in hoffentlich noch vorgesehenen
Fortsetzungen. Ohne das Glossar wäre die Lektüre des Buches nicht
ganz so einfach. Zartbesaiteten Lesern ist dieses Buch nur bedingt zu empfehlen.
Selten wurden die Schrecken und Grausamkeiten von Kriegen so deutlich aufgezeigt.
Dies erfolgt teilweise auch über Nebensätze. Doch auch diese haben
es in sich.
Noch ein kleiner Tipp. Diagonales Lesen ist in diesem Buch kaum möglich.
Irgendeinen wichtigen Hinweis verpasst man garantiert.

Da der zweite Abschnitt des Bandes fehlt wird dieser Roman mit 9 bewertet.
 
 
 


Mehr Rezensionen von Thomas Troegel