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Modesitt jr., L. E.

Recluce-Zyklus 2
Türme der Dämmerung

  • Autor:Modesitt jr., L. E.
  • Titel: Türme der Dämmerung
  • Serie:Recluce-Zyklus 2
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne
  • Datum:00 -
  • Preis:19.90 DM

 
»Türme der Dämmerung« (Recluce-Zyklus 2) von Modesitt jr., L. E.


Besprochen von:
 
Thomas Troegel
Deine Wertung:
(4)

 
 
Zeitgleich mit „Magische Insel“ veröffentlichte Heyne auch den zweiten Roman der Recluce-Saga, der in den USA im Jahr 1992 von L. E. Modesitt publiziert wurde. Und damit war für den Rezensenten die erste Überraschung sofort perfekt. Während der erste Roman etwa im fünfzehnten Jahrhundert der für die dortige Geschichte zutreffenden Zeitrechnung spielt, agiert der Held dieses Romans rund 900 Jahre früher. Damit ergibt sich für den Leser ein großer Vorteil. Man muss nicht zwangsläufig die Teile in der Reihenfolge ihrer Entstehung lesen. Doch dem nicht genug. War der erste Band vorwiegend in der Vergangenheitsform geschrieben, so wird hier ausschließlich in der Gegenwartsform berichtet. Das war für den Rezensenten ein fast schon mittlerer „Schock“, da er diesem Stil mehr als zurückhaltend gegenüberstand. Allerdings gewöhnt man sich gerade bei diesem Buch sehr schnell an die etwas ungewohnte Erzählweise.
Zu Beginn der Geschichte erfährt der Leser, dass ein mächtiger Chaos-Magier die Herrschaft Westwinds über die Westhörner am Dach der Welt beenden will. Er erreicht, dass Dyliss, die Marschallin des Landes und eine sehr gefürchtete Kriegerin, einen Sohn namens Creslin zur Welt bringt. Und so beginnt für Creslin ein langer Weg auf der Suche nach seiner Bestimmung zwischen Chaos und Ordnung. Bei den Gesprächen seiner Mutter mit Ryessa, der Tyrannin des Reiches Sarronnyn wird sichtbar, dass Creslin eher ein Spielball in einer von Frauen dominierten Welt zu werden scheint. Ohne ihn überhaupt zu fragen, wird die Vermählung mit der Sub-Tyrannin Megaera beschlossen, die aber selbst unter einem furchtbaren Schicksal leidet. Nur durch eine waghalsige Flucht kann er sich dem ausgeklügelten Plan entziehen, ohne zu ahnen, dass ein magisches Lebensband mit der vorerst ungeliebten Megaera durch deren Schwester geknüpft wurde. Und diese muss zwangsläufig sein Schicksal mit beobachten.
Aufgrund seiner sich sehr schnell entwickelnden Fähigkeiten wird Creslin ein großer Schwertmeister, ohne dass er alles immer selbst richtig begreift. Schließlich wird er auch zu einem der fähigsten und damit gefürchtetsten Sturmmagier, denn alle Tendenzen deuten bei ihm daraufhin, dass Creslin der Gruppe der Ordnungsmagier zugehören wird. Er erreicht das legendäre Fairhaven und wird aufgrund seiner Unerfahrenheit ein Opfer der allgegenwärtigen Chaosmagier. Ohne sich an etwas zu erinnern, muss er für lange Zeit Zwangsarbeit in einer Kolonne für Straßenbau leisten und droht hier sein Leben zu beenden. Als keine Rettung mehr möglich scheint, wird Creslin durch Freunde, die ihn auch später unterstützen, die Flucht ermöglicht.
Aber Creslin begegnet auch Megaera wieder. Am Hof des Herzogs von Montgren bleibt bei-den „Liebenden“ keine Wahl, als sich zu vermählen. Um den gefährlichen Nachstellungen der weißen Magier zu entgehen, wird der Herzog nahezu genötigt, den beiden die Insel Recluce zu überlassen. Diese Insel erweist sich als völlig unwirtlich und das baldige oder vielleicht auch langsame Ende scheint unausweichlich. Auch wenn die Gegner Creslin und seinen Leuten kaum eine Chance geben, versuchen sie dessen Ende durch gnadenlose Angriffe auf dessen Reich zu beschleunigen. Außerdem werden alle Mittel ausgeschöpft, um eine Versorgung der Insel von außen zu verhindern. Da Creslin aber ein mächtiger Sturmmagier ist, setzt er sich mit nahezu gnadenloser Wucht zur Wehr. Auch wenn er vielen seiner Feinde schaden kann, muss er lernen, dass unschuldige Menschen darunter ebenfalls zu leiden haben. Denn niemand kann in das Wetter eingreifen, ohne irgendwelche Folgen zu bewirken. So werden fruchtbare Regionen für lange Zeit in kaum lebensfähige Gebiete verwandelt. Und Creslin, der häufig auf eigene Faust handelt, muss schließlich einen hohen Preis zahlen, der möglicherweise sogar endgültig für ihn ist. Und auch das Schicksal von Westwind scheint besiegelt zu sein.
Umso weiter man den Roman gelesen hat, desto deutlicher wird, dass Creslin ein Mensch mit Visionen ist, der aber meist davon ausgeht, dass alle sein Handeln verstehen. Dies führt natürlich immer wieder zu Schwierigkeiten. Creslin muss lernen, dass es notwendig ist, für seine Träume zu kämpfen, doch dabei muss man auch gute Ratschläge von Freunden berücksichtigen.
Die „Türme der Dämerung“ sind ein ebenso gutes wie spannendes Buch. Geschickt wird der Part um den Aufbau der Wirtschaft von Recluce, was hin und wieder fast zu detailliert erfolgt, mit der Liebes- und Lebensgeschichte der Hauptpersonen verknüpft. Die Schilderung der gefühlsmäßigen Annäherung von Creslin und Megaera ist schon ein wenig schnulzig und vermag insgesamt kaum zu überraschen. Hier verliert der zweite Band etwas an Niveau.
Insgesamt gilt, dass man sich auch im zweiten Teil der Saga die Schauplätze durch eine genaue Beschreibung sehr gut vorstellen kann. Wirklich spannend ist die anhaltende Auseinandersetzung zwischen Creslin, und den weißen Magiern, die sich auch selbst untereinander bei jeder Gelegenheit zu intrigieren scheinen. Im Vergleich zu Band 1 legt Modesitt jr. etwas mehr Wert auf die aktionsreiche Handlungen.
Die absoluten Fans des ersten Buches könnten vielleicht etwas enttäuscht sein, da sich Teil 2 doch grundlegend von diesem unterscheidet. Alles in allem sind „Türme der Dämmerung“ aber ein Glanzlicht der modernen Fantasyliteratur. An dieser Stelle muss dem Heyne-Verlag gedankt werden, dass er (wenigstens bisher) keine Aufsplittung der Bände wie beim „Rad der Zeit“ vorgenommen hat. Möge dies so bleiben.
Wenn es Modesitt jr. gelingt, dass bisherige Niveau zu halten und gegebenenfalls auszubauen, könnte der Recluce-Zyklus ein wichtiger Meilenstein der Fantasy werden. Man darf gespannt sein, ob jedes weitere Buch für sich stehen wird, oder ob es auch Bände geben wird, in welchen Protagonisten früherer Bände wieder auftauchen.
Der Band „Türme der Dämmerung“ wird mit knapp 8 Punkten bewertet.
 
 
 


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