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Markus Heitz

AERA - Die Rückkehr der Götter


 
»AERA - Die Rückkehr der Götter« von Markus Heitz


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Die Rückkehr der Götter hat die Welt nachhaltig verändert. Gott gibt es nicht und auch die ehemaligen Anhänger Allahs gehen leer aus.

Nach dem Überfall auf einen Hehler, verschwinden göttliche Artefakte, die dieser auf der ganzen Welt zusammengestohlen hat. Eigentlich kein Fall für den Interpol-Ermittler Malleus Bourreau. Doch schnell wird klar, dass hinter diesen neun Artefakten mehr steckt, als auf den ersten Blick ersichtlich. Eine gnadenlose Jagd über den ganzen Erdball beginnt. Wenn Bourreau keinen privaten Schatten hätte, der ihm immer wieder das Leben rettet, wären seine Ermittlungen bereits nach dem ersten Fall gescheitert. Zwischen den privaten Ermittlungen mischen sich immer wieder Fälle, die der Atheist Malleus Bourreau im Auftrag Interpols durchführen muss und so greift er gerne auf seine Assistentin Marianne Lagrande zurück, die mit viel Witz, Ehrgeiz und Biss ihrem Boss zur Seite steht.

Das Cover ist ausschließlich in rot und schwarz gehalten. Es zeigt den Interpol-Ermittler Malleus Bourreau, gekleidet in seinen Militärmantel. Er geht zwischen Häuserschluchten entlang. Alleine. Einsam. Ich finde es gut zu dem Buch gewählt, da es die Einsamkeit des Protagonisten widerspiegelt und auch seinen Kampfgeist. Für meinen Geschmack kommen allerdings die Götter, oder das göttliche überhaupt, zu kurz in dem Bild und ich hätte mir einen Bezug dazu gewünscht.

Die Rückkehr der alten und zum Teil schon vergessenen Götter, finde ich einen interessanten Ansatz für ein Buch. Also genau richtig für Markus Heitz. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich Anfangs etwas die Nase rümpfte, da es für mich ein ungewohnter und ja auch erschreckender Gedanke war, dass nicht nur die Götter wiederkehren, sondern Gott schweigt; es Gott nicht zu geben scheint und die Christen geächtet und sogar verfolgt werden. Doch nach Anlaufschwierigkeiten ließ ich mich schließlich auf das Gedankenexperiment ein.
Wie gewohnt flüssig und spannend entführte mich der Autor in seine Welt. Leider wird ziemlich schnell deutlich, dass das Buch eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten ist. Jedes Kapitel beinhaltet zwar einen neuen Abschnitt und baut aufeinander auf, aber die permanenten Rückblicke und Wiederholungen ermüdeten mich schnell und ich gebe es nur ungern zu, nervten sehr. Vor allem die ewigen Erwähnungen der Culebras, des Fu-Manchu und des BMW i8 konnte ich bald nicht mehr ertragen. Von der bekannten und von mir so geliebten Leichtigkeit des Schreibstils ging dadurch eine Menge verloren und das Buch las sich holprig und abgehackt.
Die Reisen über den gesamten Erdball hingegen entschädigten für vieles. Heitz pickte sich die interessantesten Orte wie zum Beispiel Sodom und Gomorrah raus. Er vermischte biblische Ereignisse mit der Welt der Götter zu etwas völlig neuem und modernem, was mich staunen ließ. In unserer heutigen Zeit diese beiden Städte wieder auferstehen zu lassen, verursachte in meinen Gedanken einen wahren Sturm von Überlegungen. Ich liebe es, wenn Bücher mich auch abseits der Lesezeit beschäftigen und das schafft dieser Autor einmalig. Natürlich darf bei einem deutschen Schriftsteller das Rheintal mit seinen vielen Sagen nicht fehlen, was mich freute. Nicht nur die bekannten Götter fanden ihren Platz, auch unbekannte, die ich erstmal im Internet recherchiert habe. Nicht nur eine spannende Reis um den Globus, sondern auch eine lehrreiche und eine, die zum Nachdenken verführt.

Der Interpol-Ermittler und Atheist Malleus Bourreau ist eine absolut schillernde und sehr interessante Persönlichkeit, die mich direkt begeistern konnte. In einer Welt, in der die Götter leibhaftig auf die Erde zurück gekommen sind, ist er als Nichtgläubiger eine absolute Ausnahme. Er glaubt nicht nur nicht an die Götter, sondern setzt auch alles daran zu beweisen, dass sie nur eine Einbildung sind, Blendung von Regierungen gestreut und von Menschenhand unterstützt. Drei Dinge zeichnen ihn aus: Sein Fu-Manchu, der BMW i8 und seine Culebra Zigarren, die ein unheimliches Eigenleben zu führen scheinen. Leider sind diese drei Eigenheiten auch sein größtes Manko, da es mich beim Lesen schier in den Wahnsinn trieb. Bourreau ist ein Eigenbrödler und kann und will andere Menschen an seiner Seite nicht akzeptieren. Tragödien pflastern seinen Weg, was eine Erklärung ist. Trotzdem kanzelt der Autor ihn dadurch nicht nur von den anderen Protagonisten, sondern auch von seinen Lesern ab. Mir viel es sehr schwer, mich in ihn hineinzuversetzen und seinen Gedanken zu folgen. Eine wirkliche Bindung konnte ich nicht zu dem Ermittler aufbauen.
An seiner Seite ist seine Assistentin Marianne Lagrande, die irgendwann in den Achtzigern stehen geblieben ist. Allerdings nur vom Äußeren, denn was die Technikbesessenheit angeht, ist sie definitiv ein Kind der Neuzeit. Hier macht es wirklich die Mischung. Zudem ist sie offen und für mich dadurch leichter zu greifen und zu verstehen. Leider nimmt sie nur eine Randbesetzung ein und rückt erst nach und nach in den Vordergrund. Und jeder Schritt macht sie mir sympathischer. Von ihr hätte ich gerne mehr gelesen.
Da die Ermittlungen um die ganze Welt springen, tauchen die anderen Persönlichkeiten nur am Rande auf und verschwinden schnell wieder. Der eine blieb mir mehr im Gedächtnis als der andere, was nicht am Autor liegt, sondern eher an den Begleitumständen der Geschichte, die mich mal mehr, mal weniger fesselte.

Mein Fazit

Überraschenderweise konnte mich das Buch nicht ganz so überzeugen wie die anderen Bücher des Autors. Trotzdem empfehle ich es weiter, da eine Reise zu den alten Göttern immer lohnt.
 


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