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Liv Abigail

Schlüsselherz

  • Autor:Liv Abigail
  • Titel: Schlüsselherz
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Sieben-Verlag
  • Datum:01 September 2013
  • Preis:14,90 EUR

 
»Schlüsselherz« von Liv Abigail


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Abend für Abend, Tag für Tag, Woche für Woche, treten Cera und ihre Schwestern in Keymans Tanz-Theater auf. Keine Show ist zu schwierig, keine Abfolge zu komplex, denn sie sind Puppen. Doch sind sie wirklich nur seelenlose Puppen?
Auf einem seiner geheimen Beutezüge eilt der Buchhändler Valender Beazeley mitten in der Nacht einer wehrlosen Frau zur Hilfe, die von einem Ganoven verfolgt wird. Doch sie ist alles andere als hilflos, wie Valender schmerzlich erfahren muss, als diese ihn mit ihrem Angreifer verwechselt und zu Boden schlägt. Als sie sich am nächsten Tag bei ihm entschuldigen möchte, stellt Valender mit Schrecken fest, dass es sich bei der Frau um eine Puppe handelt! Cera indessen, ergreift ihre Chance und bittet den jungen Buchhändler um Hilfe, denn eine ihrer Schwestern wurde entführt und sie sieht mehr in ihm, als Valender sich selber eingestehen kann.
Eine magische Katz und Maus Jagd nimmt ihren Anfang.

Das Cover zeigt die Puppe Cera in ihrem abendlichen Kostüm. Grell bunte und doch zu gleich düstere Farben zieren das Bild. Im Hintergrund erkannt man tanzende Puppen, die an Fäden hängen. Ich finde das Bild sehr gut zu Titel und Inhalt des Buches gewählt, da es die Hilflosigkeit und Abhängigkeit der Puppe Cera zeigt und doch zu gleich kraftvoll und eigenwillig wirkt. Auch die Mischung der Farbtöne ist wunderbar und lädt in eine magische Welt ein.

Liv Abigail konnte mich sofort mit ihrem mitreißenden und packenden Schreibstil für sich einnehmen! Sie beschreibt eine schillernde Welt voller magischer Wesen, die neben uns normalen Menschen leben; von ihnen teils verachtet, teils bewundert, müssen sie sich und ihre Gaben nicht verstecken, sondern können sie offen ausleben. Kraftvoll schildert die Autorin diese interessante Mischung, in die ich mich ohne Probleme hineinversetzen konnte. Dank bildlicher Beschreibungen, konnte ich mich in ein London der Mystik hineinversetzen . Die Handlung spielt zwar heute, könnte aber nicht weiter entfernt sein, wenn es vor tausend oder in tausend Jahren oder gar auf einem völlig anderen Planeten spielen würde. Kutschen sind an der Tagesordnung, auch wenn die Pferde nicht lebendig, sondern mit Dampfantrieb sind. Ebenso die radiomobilen Telefone oder die Chronometer. Die Welt des Mittelalters und die der Neuzeit treffen aufeinander und kreieren etwas völlig Neues. Auf der einen Seite konnte ich mich einfach dem Buch hingeben und die Handlung genießen, aber auf der anderen Seite überlegte ich viel, wie es zu dieser Entwicklung kam, die sich von unserer heutigen Zeit stark unterscheidet. Mir drängte sich der Gedanke auf, dass einfach einige Erfindungen in eine andere Richtung verlaufen sein müssten, um die Welt so zu gestalten, wie Abigail sie schildert. Dies hat mich begeistert und zu gedanklichen Experimenten hinreißen lassen. Ich liebe Bücher, in denen die Leser aufgefordert werden, selber nachzudenken und nicht alles als gegeben hin zu nehmen.
Die Erfindung der Tanzpuppe Cera und ihrer Schwester ist beängstigend, da sie so lebensnah wirken. Die Puppen haben fast menschliche Empfindung, was mich erschreckte, da die Autorin die Herstellung der Seele als möglich erachtet. Ein sehr interessanter gedanklicher Ansatz! Dies schildert sie hart an der Grenze zur Realität und lässt gerade so viel Raum, dass ich es nicht als puren Blödsinn wegwischte.
Die Welt ist in zwei Gruppen gespalten. Die Magischen und die Konservativiste n. Zwei Gruppen, die nicht unterschiedlich er sein könnten. Eine Mischung aus beiden lässt weder die eine, noch die andere Seite zu, auch wenn die Magischen es immerhin als Möglichkeit erachten. Die Konservativiste n leben streng nach der Devise, dass alles Magische schlecht und böse ist; nicht von Gott gewollt. Offen feinden sie die anderen an, auch wenn schnell klar wird, dass Neid eine große Rolle spielt.

Die Charaktere schildert Liv Abigail lebendig und authentisch. Sie haucht ihnen Leben ein, was ihr in Bezug auf die Puppe Cera einmalig gelang. Cera besteht zwar aus synthetischem Fleisch, Öl, Zahnrädern und reiner Technik, aber um sich bewegen zu können, wie sie sich bewegt, wurde eine kleine Menge Seele extrahiert und ihr eingeflößt. Aber ob dies reicht, um sie zu einem Menschen zu machen? Die meisten sehen dies nicht so, denn sie nehmen sich nicht die Zeit, hinter die schöne Fassade zu blicken. Doch der Buchhändler Valender Beazeley lernt eine menschlich scheinende Cera kennen und auch lieben. Während Cera dieses Gefühl einfach genießt und es auch nicht groß hinterfragt, entfesselt es bei Valender einen Orkan. Er stellt sich, seine Ideale und seine gesamte Weltanschauung in Frage. Dieser Zwiespalt, diese Zerrissenheit wurde von der Autorin realistisch geschildert. Ich konnte seine Gefühle nachempfinden und beobachtete sie zugleich voller Spannung.
Jede Person die in dem Buch vorkommt, hat ihren Platz. Unwichtige Charaktere oder Nebenschauplätz e gibt es nicht. Egal wie kurz der Auftritt ist, wichtig ist er für die Gesamthandlung des Werkes. An einigen Stellen passt er leider zu auffällig und büßt dadurch Glaubwürdigkeit ein. Ich konnte zwar darüber hinweglesen, aber etwas gestört hat es mich schon. Für mich haben die Charaktere dadurch ihre Selbstständigke it verloren, die ich zu Beginn des Buches so gelungen fand.

Mein Fazit
Nicht ganz so stark wie gehofft, aber immer noch eine tolle Lektüre, die ich gerne weiter empfehle!
 
 
 


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