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Joe Abercrombie

Königsjäger

  • Autor:Joe Abercrombie
  • Titel: Königsjäger
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:10 August 2015
  • Preis:14,99 EUR

 
»Königsjäger« von Joe Abercrombie


Besprochen von:
 
Sachmet
Deine Wertung:
(5)

 
 
Es sind einige Jahre vergangen, seit Yarvis an den Königshof zurück gekehrt ist. Er hat sich den Respekt und die Achtung der Gettländer erworben und seinen Platz gefunden. Sein Ruf als Gelehrter ist legendär und reicht weit über die Grenzen Gettlands hinaus. Er ist und war nie ein guter Kämpfer doch nun, wo seine Heimat bedroht wird, ist eher sein kluger Kopf gefragt als sein Schwert.

Der Hochkönig neidet König Uthil und Königin Laithlin ihren Reichtum und ihre Macht. Er fürchtet sie und plant nun, die Handelswege Gettlands zu verschließen, den Handel zu kappen und das kleine Land zu isolieren. So bricht Yarvis auf, um den Fürsten von Kalyiv und die Kaiserin des Südens um eine Allianz zu bitten. Für diese Reise, die Monate währen wird, braucht er unerschrockene und tapfere Krieger, die nichts zu verlieren haben und den Kampf nicht scheuen.

Dorn ist das erste Mädchen seit langer Zeit, das sich die Chance verdient hat, einen Platz in einer Heerfahrt zu erkämpfen. Doch dieser Platz wird ihr verwehrt und sie wird des Mordes bezichtigt. Niemand stellt sich auf ihre Seite und sagt für sie aus, obwohl alle wissen, dass die Anklage ungerechtfertigt ist. Er kurz bevor das Todesurteil an Dorn vollstreckt wird, entschließt sich der junge Brand, Bruder Yarvis die Wahrheit zu gestehen. Doch die Wahrheit ist ein zweischneidiges Schwert. Brand gilt fortan unter seinen Kameraden als Verräter und auch ihm wird ein Platz in der Heerfahrt verweigert.

Yarvis und sein Rudermeister Rulf nehmen die beiden jungen Menschen mit an Bord und bald erweist sich diese Entscheidung als kluger Schachzug.

Kommentar:
Abercrombie schafft hier etwas, was nur wenigen Autoren gelingt. Einen zweiten Band zu schreiben, der tatsächlich noch um vieles spannender und unterhaltsamer ist, als der erste Band. Yarvis ist gereift. Aus dem verweichlichten, heulendem Elend ist ein kluger und durchtriebener Mann geworden, der sich auf dem Parkett der Politik und Diplomatie bestens zurecht findet. Er hat sich mit seiner Verkrüppelung arrangiert, ist gereift und besitzt mittlerweile eine Prise Humor und Selbstironie.

Das Schicksal führt Dorn und Brand auf Yarvis Schiff zusammen. Das Mädchen besteht nur noch aus Wut, Hass und Zorn. Brand erträgt die Launen Dorns mit Geduld, auch wenn er sehr oft das Opfer ihrer Attacken ist. Skifir, eine Priesterin, Amazone und Freundin Yarvis, bildet Dorn weiter im Kampf aus. Sowohl im fairen Kampf als auch im unfairen, denn sie weiß, dass eine Frau in einem Kampf alle Tricks auf ihrer Seite braucht, um gegen die kräftigen Männer zu bestehen. Skafir ist schnell, wendig und schlau und versucht Dorn, dazu zu bringen, mit dem Kopf zu kämpfen statt mit den Emotionen.

Brand hat immer davon geträumt zu einer Mannschaft zu gehören und ein Krieger zu sein. Das diese Mannschaft nun aus Männer wir Rulf, Odda oder Fror besteht oder aus Frauen wie Skafir und Dorn, hätte er nie für möglich gehalten. Doch aus dem zusammengewürfelten Haufen Krimineller wird bald eine verschworene Mannschaft, die allen Widrigkeiten der Reise trotzt. Brand lernt seine Kameraden zu schätzen. Es sind Männer und Frauen, die nichts zu verlieren haben, geeint durch eine lange und gefahrvolle Reise.

Wieder spielt sich die Handlung auf einer Seereise ab. Yarvis ist diesmal nicht Sklave sondern Kapitän der Südwind. Der Fokus der Erzählung richtet sich aber hier auf Brand und Dorn sowie deren Entwicklung. Der Autor schafft es, die Wandlungen der Protagonisten glaubhaft und überzeugend zu schildern. Wie schon in Königsschwur ist dieser Reifeprozess nicht einfach, immer wieder steht sich Dorn selbst im Wege, weil sie ihrer Wut nachgibt. Brand ist das genaue Gegenteil der jungen Frau. Gross und stark, ein gewaltiger Kämpfer, dessen Waffe das Schwert ist, der aber unfähig ist, seine Gedanken oder Gefühle zu artikulieren. Beide wachsen auf der Reise über sich hinaus. Sie wissen nichts von Yarvis Vergangenheit und halten ihn für einen privilegierten Adeligen, der stets seinen Hintern an einem warmen Feuer wärmen konnte und nichts von Armut, Existenzangst und dem Kampf und das nackte Überleben weiß. Erst nach und nach erfahren sie mehr über die Vergangenheit des Gelehrten.

Das Cover ist dem ersten Band angepasst und verzichtet auf plakative Darstellungen. Das Buch ist nicht mit den Klingenromanen zu vergleichen. Das sollte aber niemanden abschrecken, sich dieser spannenden Geschichte zu widmen. Ein Autor, der sich nicht wiederholt ist meines Erachtens eher zu loben als zu meiden.

Fazit:
Wie schon in Band eins, wird der Fokus auf die Entwicklung von Außenseiter gelegt. Wie einst Yarvis, müssen Brand und Dorn ihren Platz in der Welt hart erkämpfen. Der Autor schafft es, diesen Kampf mit gewaltigen Worten zu beschreiben und damit den Leser zu fesseln.
 
 
 


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