•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Jim Butcher

Die dunklen Fälle des Harry Dresden 1
Sturmnacht

  • Autor:Jim Butcher
  • Titel: Sturmnacht
  • Serie:Die dunklen Fälle des Harry Dresden 1
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Feder&Schwert
  • Datum:27 April 2012
  • Preis:11,99 EUR

 
»Sturmnacht« (Die dunklen Fälle des Harry Dresden 1) von Jim Butcher


Besprochen von:
 
D. Vallenton
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Contemporary Fantasy, oder auch zeitgenössische Fantasy, also die Verknüpfung von phantastischen Elementen mit der Welt in der wir leben, scheint bei den Lesern heutzutage hoch im Kurs zu stehen. Einer der wohl populärsten und beliebtesten Charaktere dürfte Harry Blackstone Copperfield Dresden, aus der gleichnamigen Reihe The Dresden Files, sein. Seit nunmehr fast 14 Jahren schickt sein Schöpfer, der 42 jährige Amerikaner Jim Butcher, seinen Serienhelden ein ums andere Mal auf einen fantastischen Trip. Dresdens Gegner sind dabei nicht nur Menschen, sondern auch Werwölfe, Vampire und allerlei andere wunderliche Gestalten. Sturmnacht (OT: Storm Front) ist Dresdens erstes Abenteuer.

Heute scheint Harry Dresdens Glückstag zu sein, denn bei dem Detektiv, der gewöhnlich notorisch knapp bei Kasse ist, melden sich gleich zwei Klienten auf einmal. Zuerst macht er die Bekanntschaft von Monica Sells. Die verstörte Frau beauftragt ihn, nach ihrem verschollenen Ehemann Victor zu suchen. Kurz danach meldet sich auch noch Lieutenant Karrin Murphy von der Sonderermittlungseinheit in Downtown Chicago – denn Harry ist nicht nur Detektiv, sondern auch Berater der Polizei, der immer dann, wenn die Fälle als „ungewöhnlich“ eingestuft werden, herangezogen wird. „Ungewöhnlich“ bedeutet in diesem Zusammenhang, mehr oder weniger, magisch oder auch „nicht von dieser Welt“- denn Harry ist neben seiner Tätigkeit als Detektiv und Berater zudem noch ein waschechter Magier. Der einzige offen praktizierende professionelle Magier im Land.

Am Tatort erfährt Dresden, dass zwei Menschen auf bizarre Art und Weise getötet wurden. Da sich die Polizei die Umstände die zum Tod führten nicht erklären kann, bittet Murphy ihn um seine Mithilfe. Dresden sagt zu und nimmt sich des Falles an. Dumm nur, dass er im Laufe seiner Ermittlungen selber zum Tatverdächtigen Nummer Eins aufsteigt - nicht nur bei der Polizei in Chicago, sondern auch beim Weißen Rat der Magier, dessen Mitglied Dresden ist und die ihrerseits einen Aufpasser losschicken um Dresden in die Schranken zu weisen. Und dann ist da auch noch der verschwundene Victor Sells, der irgendwie in der Sache mit drin zu hängen scheint.

Gleich in seinem ersten Fall hat Dresden die Kacke so richtig am Dampfen. Es ist einiges was über ihm zusammenschlägt. Er muss in einem Fall ermitteln in dem er selbst als Tatverdächtiger gilt, sich mit einer Vampirlady (die gar nicht gut auf ihn zu sprechen ist) auseinander setzen und sich zudem noch eines anderen mächtigen Magiers erwehren, der es speziell auf ihn abgesehen zu haben scheint. Als ob das noch nicht genug ist, ermittelt auch seine eigene Bruderschaft, der Weißen Rat, gegen ihn. Denn so wie es ausschaut, hat Dresen sich in der Vergangenheit etwas zu schulden kommen lassen und es bedarf nun nur noch eines einzigen winzigen Zwischenfalls um ihn endgültig aus dem Verkehr zu ziehen. Auf diesen Zwischenfall lauert sein Bewährungshelfer Morgan, der zudem noch das Exekutivorgan des Rates ist. Dresden muss sich also jeden Schritt den er macht gut überlegen. Das hemmt ihn etwas in seiner Entfaltungsmöglichkeit und kompliziert so den Fall für ihn ungemein.

Auch wenn sich das alles recht düster und ernst liest, so ist das Buch dennoch eine wahre Fundgrube an Humor, Wortwitz und Situationskomik (verwechselte Zaubertränke, um nur ein Beispiel zu nennen). Dresden verliert in keiner Situation weder seine Fassung noch seinen Charme. Er ist ein Gentleman der alten Schule und ein taffer Kerl, der sich immer irgendwie zu helfen weiß – oder zumindest jemanden kennt der ihm helfen kann. Bei dieser Gelegenheit sind der etwas einfältige Elf Toot, der von Dresden immer hereingelegt wird um sich dessen Dienste zu versichern, und der in einem Totenschädel lebende Geist Bob, zu nennen. Bob ist immer sehr an erotischen Dingen interessiert, liefert Dresden Hintergrundinformationen und ist für die Zubereitung von Zaubertränken verantwortlich. Weitere wichtige Charaktere der Geschichte sind die Polizistin Murphy und die Reporterin Susan Rodriguez, die Dresden auch im weiteren Verlauf der Serie begleiten werden.

Der Schreibstil von Butcher ist sehr angenehm. Die in der Ich-Form und aus Dresdens Perspektive geschriebene Geschichte, wird immer wieder von witzigen Einfällen aufgelockert. Im Gegensatz zu Mike Resnicks Reihe um seinen Privatdetektiv John Justin Mallory, der sich in einem magischen Manhatten mit Zombies, Werwölfen und Vampiren herumschlagen muss, artet das glücklicherweise nicht in Albernheit aus. Selbst dann nicht, wenn Dresden durch seine versprühende und allgegenwärtige Magie reihenweise elektrische Geräte zum Erliegen bringt oder von einem Krötendämon gejagt wird. Es ist ein schmaler Pfad den Butcher beschreitet, den er aber gekonnt meistert.

Die Geschichte ist durchwegs interessant und kurzweilig, Längen gibt es für mich so gut wie keine. Das Finale ist eine recht spannende und äußerst feurigere Angelegenheit in der Dresden seine Magierkunst noch einmal so richtig beweisen darf. Das beide Fälle miteinander in Verbindung stehen war abzusehen und daher auch nicht weiter verwunderlich.

Auch wenn Dresden oftmals als ein Hardboiled Detective bezeichnet wird, so trifft diese Bezeichnung definitiv nicht auf ihn zu. Dresden ist weder hartgesotten, noch der typische Einzelkämpfer der wild um sich schießt (oder zaubert). Er hält sich an die gängigen Konventionen und arbeitet mit der Polizei und dem Weißen Rat zusammen. Oftmals erinnert mich Dresden von seiner Art her an einen anderen bekannten Privatdetektiv – Jim Rockfort (Anruf genügt), der von James Garner in der gleichnamigen TV Serie verkörpert wurde. Im Original hieß diese Reihe übrigens The Rockford Files, was mich zudem wieder sehr an The Dresden Files erinnert. Beide, Rockford und Dresden, zeichnen sich durch Ideenreichtum und Redegewandtheit aus und werden in der Regel pro Folge/Buch zudem ordentlich verprügelt.

Wem die Harry Dresden Reihe gefallen hat, dem könnte auch die Mallory Reihe von Mike Resnick oder die Laundry Files Reihe von Charles Stross gefallen, die alle in die gleiche Richtung gehen. Sturmnacht jedenfalls, wie überhaupt die Dresden Reihe, ist ein Buch, das zu lesen viel Spaß macht und ich jedem Interessenten nur empfehlen kann.
 
 
 


Mehr Rezensionen von D. Vallenton